Itzehoer im karitativen Einsatz : Mit Clowns durch Kambodscha

Spaßmacher in gebeutelten Ländern: Heiko Mielke (rechts) und Kollegen bei einem Auftritt in Sri Lanka.
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Spaßmacher in gebeutelten Ländern: Heiko Mielke (rechts) und Kollegen bei einem Auftritt in Sri Lanka.

Der Itzehoer Fotograf Oliver Steinke begleitet ehrenamtliche Spaßmacher vier Wochen lang in Südostasien.

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30. Januar 2018, 05:06 Uhr

Zuallererst geht es um die Kinder. Sie sind das wichtigste Publikum, wenn die Clowns ohne Grenzen in Krisengebieten oder armen Regionen auftreten. Das nächste Ziel des deutschen Vereins lautet Kambodscha – und ein Itzehoer ist dabei. Oliver Steinke begleitet das dreiköpfige Team als Fotograf und „Mädchen für alles“, wie der 52-Jährige sagt.

Die Anfrage sei Mitte November „aus heiterem Himmel“ gekommen. Absender: Heiko Mielke, Gründungsmitglied von Clowns ohne Grenzen Deutschland und in der Region wohlbekannt durch die frühere Gauklergruppe Planlos. Steinke hat Imagebilder für Mielke gemacht und ist im Nebenberuf Fotograf. Im Hauptberuf arbeitet der Itzehoer als Sicherheitstrainer im Hochseilgarten Hasloh – deshalb funktioniert es mit Kambodscha: „Weil ich Saisonarbeit mache, kann ich mir vier Wochen im Winter Zeit nehmen.“ Mitte Februar geht es los über Dubai in die kambodschanische Hauptstadt Pnomh Penh, vorher trifft sich die Reisegruppe in Mecklenburg-Vorpommern. Die Clowns – neben Mielke sind Carola Schure und Andreas Gottschalk dabei – proben und veranstalten eine Test-Show.

Schließlich soll alles klappen, um dem Publikum unbeschwerte Heiterkeit zu bescheren. Die gemeinsam erlebten Momente der Freundschaft seien sehr viel wert, heißt es bei Clowns ohne Grenzen. Immer wieder erleben die Ehrenamtler, wie Kinder in Flüchtlingslagern nicht mehr Krieg spielen, sondern Clown. Das sei für ihn der entscheidende Punkt gewesen, sagt Steinke.

Im außereuropäischen Ausland war der Itzehoer noch nie, erstmals hat er einen Reisepass. Manches wusste er über Kambodscha, wie die Rolle im Vietnam-Krieg und das Regime Pol Pots, aber: „Ich musste mich erstmal reinlesen, wie es da heute aussieht.“ Das Land sei weitgehend befriedet, aber weiter „ziemlich gebeutelt“. Er gehe mit viel Respekt und Demut an die Reise heran und erwarte vier intensive Wochen: „Das wird bestimmt kein Spaß, das ist nicht vornehmlich ein touristischer Ausflug.“ Clowns ohne Grenzen biete auf Wunsch auch eine Nachbereitung an: „Es ist gut möglich, dass man ungewöhnliche Geschichten erlebt, die unter die Haut gehen.“

Die beiden Clowns aus Mecklenburg-Vorpommern haben die Reise geplant im Kontakt mit Organisationen, die in Kambodscha aktiv sind. Fast zwei Wochen ist die Gruppe in Pnomh Penh, einige Tage auch weiter im Norden in Siem Reap. Hinzu kommen zwei Tage in einem kleinen Ort auf Einladung eines Nobelhotels – wenigstens dort spielt der Etat von 40 Euro pro Nacht für alle Vier keine Rolle. Der Verein finanziert die Reise aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden.

Steinke soll mit seinen Bildern zeigen, wie die Clowns den Alltag der Einheimischen bereichern: „Ich bin gehalten, keine Fotos zu machen, die auf die Tränendrüse drücken.“ In einem Blog informiert das Team über die Reise. Der 52-Jährige betritt Neuland: „Ich habe keine Ahnung, was ich erleben und welche Eindrücke ich mitnehmen werde. Das ist für mich eine absolute Wundertüte.“

Info: Den Anfang machte der spanische Clown Tortell Poltrona 1993 während des Krieges in Jugoslawien. Inzwischen hat die internationale Organisation von Clowns ohne Grenzen 15 Mitgliedsvereine, der Verein in Deutschland wurde im Juli 2007 gegründet und hat jetzt mehr als 200 Mitglieder. Bei 50 Reisen wurden mehr als 20 Länder besucht von Sri Lanka bis Kenia, von Rumänien bis Peru. Ein wichtiges Ziel des Vereins ist es stets wiederzukommen. Auch in Erstaufnahmeeinrichtungen in Deutschland waren Clowns zu Gast. Im Jahr 2017 wurden rund 90 Shows für 23 000 Kinder gespielt. Informationen: www.clownsohnegrenzen.org

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