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Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 02:55 Uhr

Rummelpott : Mit altem Brauch ins neue Jahr

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wellenkamper Rummelpottläufer bewahren Tradition mit modernen Utensilien. Die Besuche tragen zur guten Nachbarschaft bei.

shz.de von
erstellt am 31.Dez.2013 | 08:00 Uhr

An der Tür klingelt es. Der Hausherr öffnet. Vor ihm stehen Prinzessinen, Indianer, Fußballspieler, lustige und gruselige Gestalten. Die Kleinen halten einen Beutel, die Großen ein Gläschen in der Hand. Fröhlich singen sie „Ol Johr, Neejohr, Modder sün de Pförten gor“, „Rummel, rummel, ruttje“ oder ein anderes Lied mit meist plattdeutschem Text. Nach dem Ständchen gibt es etwas Süßes in den Beutel oder etwas Hochprozentiges ins Glas – und gute Wünsche für das neue Jahr. Dann ziehen die Sänger weiter. Es ist Silvester, die Rummelpottläufer sind unterwegs.

So auch am Wellenkamp. Familie Zukowski und Familie Mattern ziehen hier bereits seit zehn Jahren gemeinsam von Tür zu Tür. Die etwa zehnköpfige Gruppe startet am frühen Abend und hat ihr Lied in petto, das sie gut gelaunt vorträgt. Die Route ist dabei festgelegt.

„Unsere Nachbarn wissen, wann wir kommen. Manche fragen sogar vorher, was wir trinken wollen“, erzählt Kirsten Zukowski. „Rummelpottlaufen ist ein schöner Brauch, um die Nachbarn zu besuchen und ihnen gute Wünsche zum Jahreswechsel zu überbringen“, findet sie. „Man trifft so auch die Nachbarn, die man sonst selten sieht“, ergänzt Tochter Lena (23). Sie und ihre erwachsenen Geschwister kennen den Brauch von Klein auf, ebenso wie ihre Mutter.

Dabei gibt es das Rummelpottlaufen bereits seit dem 17. Jahrhundert, weiß Heiko Gauert, Deligierter im Bundesrat Niederdeutsch. „Ursprünglich und noch bis ins 20. Jahrhundert hinein war der Rummelpott eine getrocknete Schweinsblase“, erklärte Gauert. Durch eine Öffnung wurde ein Stock geführt, mit dem ein dumpfes Geräusch erzeugt wurde. „Damit wurden die bösen Geister am Silvesterabend vertrieben“, erläutert Gauert. Auch er selbst zog als Kind in den 50-er Jahren mit seinen Freunden zum Rummelpottlaufen los – „schon ohne den Rummelpott“ und ohne Eltern, aber mit Verkleidung und mit einem plattdeutschen Lied.

Statt zur Schweinsblase greifen Zukowskis und Matterns heute zu Beutel und Becher. Auch Thorben und Nicole Mattern sind als Kinder selbst Rummelpott gelaufen – und geben den Brauch an den eigenen Nachwuchs weiter. Seit sie ihr Häuschen im Wellenkamp bezogen haben, pflegen sie diese Tradition gemeinsam mit ihren Nachbarn von gegenüber. Tochter Fine, heute elf Jahre alt, saß damals noch im Kinderwagen. „Rummelpottlaufen gehört für uns zu Silvester einfach dazu“, so Thorben Mattern. Sein Sohn Marvin (13) freut sich jedes Jahr besonders auf die „Naschis“, Jan Zukowski (25) hingegen „auf den Schnaps“.

Und das wissen die Nachbarn. „Wir freuen uns immer, wenn die Gruppe vor der Tür steht“, sagt sowohl Christa Werner als auch Marion Viohl. Eine Schüssel voll Schokolade und Fruchtgummi sowie Hochprozentiger stehen bei ihnen schon bereit. Hella Schaack freut sich darüber, dass der Brauch weitergeführt wird. „Es wäre schade, wenn er aussterben würde“, so Schaack. Früher seien viel mehr Gruppen an Silvester unterwegs gewesen. „Heute wird stattdessen mehr an Halloween gemacht“, bedauert sie.



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