Freizeit : Mit 36 Kilo Karten in See stechen

Verabschieden sich für mehrere Monate in die Ostsee: Arno Hoppe (v. l.), Hans-Heinrich Theis und Hans-Ludwig Bechtel.
Verabschieden sich für mehrere Monate in die Ostsee: Arno Hoppe (v. l.), Hans-Heinrich Theis und Hans-Ludwig Bechtel.

Völkerverständigung: Glückstädter starten zur „South Coast Baltic Boating Rally 2018“

shz.de von
31. Mai 2018, 05:51 Uhr

Am 23. Juni startet die „South Coast Baltic Boating Rally 2018“. Das von der Europäischen Union geförderte Projekt zur Völkerverständigung führt Segler verschiedener Nationen zusammen, die gemeinsam eine Flottillenfahrt von Gdansk über Kaliningrad nach Klaipeda mit Besichtigungen und Beiprogramm unternehmen. Mit dabei sein wird Hans-Ludwig Bechtel von der Segelvereinigung Glückstadt. Er startete mit seinem Boot „Lina“ bereits jetzt zur großen Ostsee-Rundreise, die bis Mitte September dauern soll.

Zusammen mit Bechtel starteten auch Arno Hoppe mit der „Lorbass“ und Hans-Heinrich Theis mit der „Jonathan“ auf einen mehrmonatigen Segeltörn. Anfang Juli wollen sich die Vereinsmitglieder mit Klaus Kühn, der schon unterwegs ist, in Marieham auf der Aaland-Insel treffen.

Hans-Heinrich Theis arbeitet bei einem Schiffselektronikausstatter in Rellingen. Durch die angesammelten Überstunden und einen verständigen Chef kann er die Reise zeitlich organisieren. „Ich will drei Monate unterwegs sein. Und ich weiß, das wird körperlich anstrengend sein, und ich werde abends müde in die Koje fallen.“ Gerade zum Saisonbeginn müsse sich das Gefühl für das Boot und für Wasser und Wind noch entwickeln. „Die Seebeine müssen uns noch wachsen.“

Respekt vor den Anforderungen der Reise hat er schon, denn die Ostsee-Wellen seien kurz und steil. Dazu kommen die vielen felsigen Schereninseln. Die Vorbereitung auf so eine lange Reise sei deshalb besonders wichtig. „Wir haben 36 Kilogramm Seekarten dabei, denn trotz der elektronischen Navigation braucht man eine zweite Sicherheit.“ Deshalb sei es auch gut, in einer Gruppe zu fahren, wo man sich abends trifft und sich gegenseitig unterstützen kann. Das weiß auch Hans-Ludwig Bechtel zu schätzen: „Hans-Heinrich bekommt jedes technische Problem gelöst.“

Hans-Ludwig Bechtel hat die Teilnahme an der Ostsee-Rallye von langer Hand geplant. Nach seiner Pensionierung im vergangenen Jahr möchte der 57-Jährige nun ein besonderes Abenteuer erleben. Zum Segeln ist er über seine berufliche Tätigkeit gekommen.

Der gelernte Schlosser hat seinen Bundeswehr-Grunddienst bei der Marine in Glückstadt absolviert und ist nach der Offiziersausbildung in Kropp zurück nach Glückstadt versetzt worden, wo er bis 2001 tätig war. Danach war er bis 2017 als Kapitänleutnant beim Bundeswehrstab in Potsdam für die Koordination der Auslandseinsätze zuständig.

Während seiner Zeit in Glückstadt kaufte er sich 1994 ein Segelboot der Klasse „Confortina 35“ mit 10,70 Meter Länge. Das Boot ist für das Einhand-Segeln geeignet, kann aber angenehmer mit zwei Personen bedient werden. Deshalb steigt in Klaipeda sein Sohn Tim-Thorge (17) dazu, der ihn bis Helsinki begleitet. Ab dort wird dann der Glückstädter Segelfreund Reimer Bockwoldt für vier Wochen mitsegeln.

Gespannt ist Hans-Ludwig Bechtel schon auf weitere Mitsegler, die er noch nicht kennt. Der Glückstädter hatte eine Anzeige geschaltet und Reisebegleiter für je zwei Wochen gesucht. Bisher hat er nur telefonischen Kontakt mit den Mitfahrern aus Berlin, Stuttgart und Amsterdam gehabt: „Das wird noch mal spannend, wenn die an Bord kommen. Jetzt bin ich aber erstmal freudig zuversichtlich auf das Ostsee-Revier mit den vielen schönen Häfen.“

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