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Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 21:16 Uhr

Schule : MINT-Klasse als Auslaufmodell?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – Schwerpunkt-Unterricht an Brunsbütteler Regionalschule vor dem Aus.

shz.de von
erstellt am 17.Dez.2013 | 17:00 Uhr

„Die MINT 10 ist schon eine besondere Klasse, nicht nur weil sie die erste MINT-Klasse an unserer Schule ist“, sagt Christian Reinel. Beinahe wehmütig blickt der Fachlehrer auf die zurückliegenden dreieinhalb Jahre mit den 18 Schülern zurück, die nach bestandenem Hauptschulabschluss im vergangenen Sommer in einem halben Jahr ihren Realschulabschluss machen werden. „Zukünftig wird es wohl keine MINT-Klassen in dieser Form geben“, äußert Reinel, mit Blick auf die bevorstehende Umwandlung der Regionalschule zu einer Gemeinschaftsschule.

Im Sommer 2010 erhielten Schüler des 7. Jahrgangs erstmalig die Möglichkeit, sich für den Unterricht in einer gebundenen Ganztagsklasse zu entscheiden, deren Unterrichtsschwerpunkt sich auf die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) bezieht. Durch die im Rahmen der Schulreform vollzogene Zusammenführung der Haupt- und Realschule zu einer Regionalschule konnten sich Schüler beider Bildungsgänge für das damalige Modellprojekt einschreiben und werden seither erstmalig gemeinsam in Form interdisziplinärer Projektarbeiten unterrichtet.

„Die Schüler sollen in erster Linie das Lernen erlernen“, erklärt Christian Reinel. Trockener Frontalunterricht passt da nicht hinein. Stattdessen steht in den mittlerweile drei MINT-Klassen der Brunsbütteler Regionalschule das praktische Arbeiten im Vordergrund. Theoretische Lerninhalte beziehen die Schüler nicht ausschließlich aus zum Teil veralteten Schulbüchern. Ferner werden die Mädchen und Jungen dazu angehalten, alle ihnen zur Verfügung stehenden Quellen inklusive Internet zu nutzen, um an das in der Schule abverlangte und abgefragte Wissen zu kommen. „Im Internet gibt es zu nahezu jedem Thema kleine anschauliche Filme, die zum Teil sehr gute Erklärungen liefern, beispielsweise wie ein Drehstrommotor aufgebaut ist und funktioniert“, nennt Reinel einen Vorteil des Internets und ein aktuelles Unterrichtsthema.

Die Rolle des Lehrers wandelt sich durch die neue Form des Schulunterrichts in die des Beraters, erklärt der Fachlehrer. „Dadurch, dass die Schüler das Gefühl bekommen, ihr Wissen selber erarbeitet zu haben, entwickeln sie ein ganz anderes Selbstbewusstsein und die Erkenntnis, dass jeder Mensch alles erreichen kann, wenn er es nur selber ernsthaft möchte“, betont Reinel. Das Sprichwort „Jeder ist seines Glückes Schmied“ ist daher zu einem Leitsatz in der MINT10 geworden. Viele Schüler hätten diesen Gedanken bereits verinnerlicht und zielen bereits den nächsthöheren Schulabschluss an einem (Fach-)Gymnasium an.

Durch das neu gewonnene Selbstbewusstsein hat sich zum einen das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern geändert, zum anderen herrscht aber auch unter den Schülern eine neue Art des Miteinanders. „Die Mädchen und Jungen unterstützen sich untereinander sehr stark und der eine oder andere Mitschüler, der vielleicht hängen geblieben wäre, wurde einfach mitgerissen“, hebt der Fachlehrer einen weiteren Vorteil des neuen Unterrichtkonzepts hervor. Ein Konzept, welches aber auch den Lehrern einiges abverlangt. „Man kommt hier und da schon einmal an seine Grenzen, da sich bei Schülern auch mal Fragen entwickeln, auf die man so ad hoc keine Antwort liefern kann“, gesteht Reinel. Er sieht jedoch auch darin eine positive Entwicklung, da auch der Lehrer immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt wird, die er dann zu meistern hat.

„Ich wollte einfach mal etwas anderes ausprobieren und habe damals die Möglichkeit ergriffen, in die MINT-Klasse zu gehen“, erzählt Birthe. Die 16-jährige Brunsbüttelerin bereut ihre Entscheidung nicht. Besonders gut gefällt ihr, dass die Themen unterrichtsübergreifend behandelt werden. „Zum Thema Bauen und Wohnen haben wir beispielsweise im Englischunterricht Vokabeln gelernt, die im Zusammenhang mit dem Thema stehen, während wir in Mathe Flächenberechnungen und weitere Dinge durchgenommen haben“, erklärt die Schülerin, die nach der Mittleren Reife gerne noch ihr Abitur an einem Fachgymnasium machen möchte. Das Thema Bauen und Wohnen fand auch Robin (16) sehr interessant. „Nach meinem Realschulabschluss möchte ich eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann machen, viele Projekte, die wir in der MINT-Klasse durchgenommen haben, kommen mir dabei sicher zugute.“ Ähnlich sieht es Jannik. Der 15-jährige Brunsbütteler möchte in Meldorf sein Fachabitur machen, um anschließend Elblotse werden zu können.

 

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