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Norddeutsche Rundschau

24. August 2017 | 13:02 Uhr

Jobs : Mini-Spiegel für eine bessere Zukunft

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Winzig klein und rasend schnell: Die Entwicklungen von Ulrich Hofmann und seinem Team am Itzehoer Fraunhofer-Institut ISIT sind für die Industrie unentbehrlich. 46-jähriger Edendorferleitet die Gruppe für Bauelemente und Mikrosysteme.

Innovationsraum? Das sind die Gebäude hinter der Autobahnbrücke an der Abfahrt Itzehoe-Nord. Mehr wissen die meisten nicht über die boomende Hightech-Region der Stadt. In loser Folge stellen wir Beschäftigte und ihre Arbeitsfelder vor.

Der Verkehr fließt, ruhig und gleichmäßig. Autos reihen sich wie von Geisterhand ein, die Abstände stimmen, Unfälle gibt es nicht. Was noch wie Science Fiction klingt, ist eine womöglich nicht mehr so weit entfernte Zukunft. Und Ulrich Hofmann arbeitet im Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie (ISIT) daran mit.

Wie jeder andere schaut der 46-jährige Edendorfer morgens in den Spiegel. Wenn er dann zur Arbeit geht, hat er weiter mit Spiegeln zu tun. Die allerdings sind winzig klein und bewegen sich rasend schnell. Hofmann leitet die Gruppe für Bauelemente und Mikrosysteme.

Der gebürtige Hesse stammt aus dem Frankfurter Raum, studierte in Marburg Physik und ging dann zu Fraunhofer nach Berlin. Schon da stand im Vertrag, dass er nach Itzehoe ziehen müsse, wenn das dortige Institut fertig sei. Kein Problem für Hofmann: „Ich komme vom Land und habe keine besondere Affinität zur Großstadt.“ Mit als letzte zog seine Abteilung 1996 um, und in Itzehoe fühlt sich der verheiratete Vater einer Tochter (9) und eines Sohnes (18) wohl: Er brauche das Grüne und Sport, „ich quäle mich jedes Jahr durch den Störlauf“.

Dort geht es um Kilometer, am Arbeitsplatz um winzige Dimensionen. Eines der großen Themen im ISIT ist die Mikrosystemtechnik, Mikrospiegel sind eine Sparte davon. Produziert werden sie auf Siliziumscheiben mit einem Durchmesser von 200 Millimetern (Acht-Zoll-Wafer), der Durchmesser der einzelnen Spiegel wird in Mikrometern gemessen. Bei 30 fängt es an – das sind 0,03 Millimeter – und reicht bis zu einigen 100 Mikrometern. Um hoch reflektierend zu sein, werden die Spiegel mit Aluminium oder Silber beschichtet. Vor allem sind die an Siliziumfädchen aufgehängten Teile extrem beweglich: Bis zu 100 000 Schwingungen pro Sekunde seien möglich, 30 000 bis 40 000 normal, so Hofmann. Er setzt auf elektrostatischen Antrieb: Dieser habe so viel Potenzial, dass er elektromagnetische oder thermomechanische Antriebe nicht benötige.

Wenn jemand ihn privat fragt, was er beruflich macht, geht der 46-Jährige nicht in die Tiefe. „Oftmals kommt die Frage: Wofür braucht man das?“ Gute Frage. Antwort: für immer mehr Anwendungen. Mit einem winzigen Laserscanner fing er an, der an einem Endoskop zur Krebserkennung dienen sollte. Die Grundlage war geschaffen, die Weiterentwicklung eine Entscheidung der Industrie – wie so oft bei Fraunhofer. Der nächste Kunde wollte ein System, in dem sich die Spiegel in zwei Achsen bewegten, als Zwischenschalter in Glasfasernetzen. Das sei weltweit in der Krise der Telekommunikationsbranche eingestellt worden, so Hofmann.

Nächster Ansatz: Laser so schnell ablenken, dass ein Bild projiziert wird. „Das ist bis heute eines der Topthemen, an denen hier gearbeitet wird“, sagt der Physiker. Zum Beispiel, damit Handys als Beamer genutzt werden können. Besonders aber im Automobilbereich, damit ausgewählte Informationen auf die Windschutzscheibe projiziert werden können – dank Laser auch auf gekrümmter Fläche immer scharf, mit maximal gesättigten Farben und viel energieeffizienter als heute. Dass die Mikrospiegel schon auf Waferebene in ein Vakuum verkapselt werden, hat ihre Wirkung noch einmal stark verbessert.

Früh hat Hofmann den Systemgedanken verfolgt, zum mehr als 20-köpfigen Team gehören Elektroniker und Software-Experten. Für die meisten Laien seien die Themen weit weg, weiß Hofmann. Doch sie werden damit zu tun haben, spätestens im Auto: Ab 2017 seien Sicherheitssysteme vorgeschrieben, die dem Fahrer assistieren. Das braucht gute Sensoren, zum Beispiel Spiegel, die 1500 Mal in der Sekunde auf einer Kreisbahn rotieren. „Das ist im Prinzip ein optisches Radar“, erläutert Hofmann. „Langfristig ist das Ziel, dass Autos autonom fahren.“

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erstellt am 07.Okt.2013 | 11:30 Uhr

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