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Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 15:21 Uhr

Mindestlohn: Junge Friseure profitieren

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Für Betriebe, die in der Innung organisiert sind, ändert sich wenig – doch sie fürchten eine Zunahme der Schwarzarbeit

Gleich drei Tarif-Verträge sollen derzeit den Friseuren in Schleswig-Holstein ein Mindesteinkommen sichern, und doch eilt der Branche der Ruf schlechter Bezahlung voraus. Die neue Mindestlohn-Regelung bringt Klarheit in den Tarif-Dschungel: Ab dem 1. August muss jeder Angestellte im Friseur-Salon 8,50 Euro in der Stunde verdienen, derzeit sind es im Rahmen einer Übergangsregelung 8 Euro.

Im Betrieb von Arne Bartels, der Salons in Itzehoe und Schenefeld betreibt, dürfen sich drei der insgesamt 15 Mitarbeiter ab August auf ein höheres Gehalt freuen. Eine von ihnen ist Aileen Laue, im Moment noch Auszubildende im dritten Lehrjahr. Im Sommer will Arne Bartels sie als Gesellin übernehmen. Nach der bisherigen Regelung hätte ihr Einstiegsgehalt bei 8 Euro pro Stunde gelegen. Das macht am Monatsende 1341 Euro brutto. Dank Mindestlohn-Gesetz sind es zukünftig 1425 Euro, also sechs Prozent mehr. Gerade für junge Friseure, die sich zunächst einen Kundenstamm aufbauen müssen und zunächst meist weniger Trinkgeld erhalten, eine willkommene Verbesserung.

Für Arne Bartels, in dessen Salons ein Herrenhaarschnitt 18 Euro kostet, ist diese Mehrbelastung hinnehmbar. Berufseinsteiger hätten es ohnehin immer schwer in der Branche gehabt, sagt er. Es brauche mindestens drei oder vier Monate, bis sich ein junger Friseur einen Kundenstamm aufgebaut habe. Da lege er gerne etwas drauf. Für das Gros seiner Angestellten ändert sich mit dem Mindestlohn hingegen nichts: „Gute Friseure bekommen ohnehin schon mindestens zehn Euro in der Stunde“, sagt Bartels. Hinzu komme das steuerfreie Trinkgeld, das bei bis zu 400 Euro im Monat liegen könne und damit zusätzlich knapp 2,50 Euro pro Stunde ausmache.

„Für die meisten unserer Friseur-Betriebe war die neue Mindestlohn-Regelung nicht relevant“, bestätigt Thomas Gödecke, Rechtsanwalt bei der Kreishandwerkerschaft. Hart treffe es dagegen viele Betriebe in den neuen Bundesländern und so genannte Billig-Ketten. „Es ist in meinen Augen kaum möglich, einen Haarschnitt für zwölf Euro anzubieten und gleichzeitig ein gutes Gehalt zu zahlen“, so Gödecke.

Viele Billig-Anbieter beteuern das Gegenteil: „Wir zahlen schon seit Jahren 8,50 Euro“, sagt Malte Findeisen, Geschäftsführer des Salons XL Cut in der Feldschmiede, wo ein einfacher Haarschnitt für zwölf Euro angeboten wird. Er profitiere von einer Einkaufsgemeinschaft mit über 50 weiteren Betrieben. Außerdem habe sein Salon eine viel bessere Kundenauslastung als andere Friseure. Die Mindestlohn-Regelung bedeute für seinen Betrieb keine Veränderung.

Mehrere Insider der Friseur-Branche sind sich dennoch einig, dass es auch in der Region schwarze Schafe geben muss und erzählen von Stundenlöhnen, die teilweise unter vier Euro liegen. Dass damit nun endgültig Schluss ist, sieht Arne Bartels als einen positiven Effekt des Mindestlohns: „Die Friseure kommen von ihrem Schmuddel-Image weg.“ Der Ruf, dass die Branche schlecht bezahle, werde mit einer festen Lohn-Untergrenze endgültig hinfällig.

Einen Wermutstropfen bringt die neue Regelung aus Sicht des Itzehoer Friseur-Meisters aber trotzdem mit sich, weil sie ein altbekanntes Problem der Branche verschärfe: „Ich kann mir vorstellen, dass durch den Mindestlohn die Schwarzarbeit weiter zunimmt.“

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erstellt am 22.Feb.2015 | 13:56 Uhr

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