Millionen-Schaden am Hafen

Ernste Miene bei Dr. Reinhold Schierbrock. Foto: ruff
1 von 3
Ernste Miene bei Dr. Reinhold Schierbrock. Foto: ruff

Feuer vom Montagabend zerstörte zwei Lagerhallen der Mühlenwerke Rusch. Rund 130 Helfer waren im Einsatz

Avatar_shz von
30. März 2011, 07:29 Uhr

itzehoe | Der Morgen danach. In den beiden Lagerhallen der Mühlenwerke Rusch am Hafen lodern immer wieder kleinere Brände auf, Reste von Dachpappe oder Holzkonstruktion. Im Trümmerfeld liegen Weizen und Raps, von Löschwasser durchtränkt, von Löschschaum bedeckt. Der Schaden nach dem Brand vom Montagabend steht nicht genau fest - aber er dürfte wohl bei mindestens fünf Millionen Euro liegen.

In der Halle, die zuerst in Brand geriet, lagerte Raps, in der Halle daneben Weizen. Rund 20 000 Tonnen seien es gewesen, sagte Rusch-Geschäftsführer Dr. Reinhold Schier brock. Eine Tonne koste 280 Euro - also 5,6 Millionen Euro. Aber: "Getreide selbst brennt nicht", deshalb sei es größtenteils nicht wertlos, wenn auch für den menschlichen Gebrauch nicht mehr geeignet. Gedacht ist an eine Verwertung in Biogasanlagen.

Das eigene Getreide lagert die Firma Rusch in anderen Silos, die Ware in den Hallen gehört Trede & von Pein. "Der Betrieb läuft normal weiter", sagte Knut von Pein. Das Unternehmen habe weitere Lager. "Aber das hier ist eines unserer Hauptlager gewesen."

Davon stehen nur noch die Wände. Den Schaden am Gebäude konnte Schier brock noch nicht abschätzen. Gestern wurden erste Sachverständige erwartet. "Im glücklichsten Fall" müssten nur die Dächer erneuert werden. Immerhin müssten keine Wände eingerissen werden, um an das Getreide zu kommen. Und immerhin waren die Gebäude nicht mit der eigentlichen Mühle verbunden. Dort stand die Produktion gestern zunächst still. Denn sie braucht viel Luft von außen - doch es sollte nicht der weiter aufsteigende Rauch in die Maschinen geraten, erläuterte der Geschäftsführer. "Wir haben Puffer genug, dass wir die Mühle mal einen Tag stehen lassen können." Der sonstige Betrieb lief, die Ladung eines Schiffes wurde gelöscht.

Der Schock über das "große Unglück" wirkt bei Schierbrock fort. Die Ermittlungen der Kripo stehen erst am Anfang. Doch aus Sicht des Geschäftsführers haben Arbeiten auf dem Dach den Großbrand ausgelöst. Eine Solaranlage sollte in drei Wochen ans Netz gehen. Dachdecker hätten mit Bitumen gearbeitet - und gedacht, dass sie ein dabei entstandenes kleines Feuer gelöscht hätten. Doch es habe offenbar unter der Dachhaut weitergeschwelt. Bis es aufflammte. Rund 130 Helfer waren im Einsatz, darunter der Löschzug-Gefahrgut des Kreises, der Rauchgase maß. Gefahr bestand nicht. Viele Wehren aus dem Kreis eilten herbei. Sie wurden dringend gebraucht, auch als durch fliegende Glut Flächenbrände in der Umgebung entstanden. Die Glückstädter Wehr besetzte die Wache. Sie musste gleich zum Einsatz wegen eines letztlich harmlosen Alarms im "Haus an der Stör".

Die Hallen seien nicht zu retten gewesen, sagte der Itzehoer Wehrführer Peter Happe. "Wichtig war uns, dass es nicht in die Silos ging." Wasserwerfer und diverse Strahlrohre wurden als Riegel aufgebaut. Wenigstens gab es direkt an der Stör genug Löschwasser.

Brandnester deckten die Helfer mit Tausenden Litern Schaum ein, der teils von der Werkswehr der Hemmingstedter Raffinerie angefordert wurde. Im Morgengrauen sei das Feuer aus gewesen, so Happe. Am Vormittag rückte die Itzehoer Wehr ab. Doch es ist weiter möglich, dass einzelne Bereiche wieder aufflammen - dann sind die Helfer erneut gefordert.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen