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Norddeutsche Rundschau

24. August 2017 | 10:55 Uhr

Erneuerbare Energien : Millionen im Wind

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Milliarden Euro will das Itzehoer Unternehmen Prokon von Anlegern im Bereich erneuerbare Energien einsammeln. Doch die Verbraucherzentrale kritisiert das Geschäftsmodell mit Genussrechten. Auch gebe es keine konkreten Projekte.

Gegenwind für Prokon: Bis 2018 will das Unternehmen rund
10 Milliarden Euro von Anlegern einsammeln. Doch die Stiftung Warentest warnt Verbraucher davor, die sogenannten Genussrechte des Windkraftspezialisten aus Itzehoe zu erwerben, wenn sie eine sichere Geldanlage suchen. Als zu riskant beschreiben die Tester in der kommenden September-Ausgabe ihres Magazins „Finanztest“ das Investmentangebot aus Itzehoe.

Vor allem mit aggressiver Werbung hat Prokon seit jeher von sich reden gemacht – mit offensichtlichem Erfolg. In den vergangenen Jahren ist das Unternehmen zu einem milliardenschweren Projekt herangewachsen. Fast 70 000 Anleger haben Prokon-Gründer Carsten Rodbertus und seinem Team eine Summe von 1,3 Milliarden Euro anvertraut. Nach Angaben des Analysehauses Feri konnten allein im Jahr 2012 rund
331 Millionen Euro neu eingeworben werden – fast neun Prozent des Kapitals, das insgesamt im vergangenen Jahr in geschlossene Fonds in Deutschland geflossen ist.

Was genau Prokon aber mit dem ganzen Geld anfangen will, ist unklar. So kritisiert Stiftung Warentest, dass sich die Itzehoer auf kein einziges konkretes Investment festlegten. Prokon verspricht mindestens sechs Prozent Zinsen. Doch ob Anleger ihr Geld am Ende wiedersehen, ist offen. Denn die Tester monieren weiter, dass Prokon sich das Recht vorbehalte „Geld verspätet, nur in Teilen oder gar nicht zurückzuzahlen, wenn die flüssigen Mittel nicht reichen“. Gerade Letzteres lasse sich aus Sicht der Stiftung nur schwer sagen. Eine Kapitalflussrechnung, die darüber Aufschluss geben könnte, fehlt in Prokons Verkaufsprospekt. Den Konzernabschluss für 2012 konnte das Unternehmen bislang nicht vorlegen. Anleger und Interessenten wurden auf September vertröstet.

Mit seiner Warnung ist Stiftung Warentest nicht allein. Auch bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein ist man dem Unternehmen gegenüber skeptisch eingestellt. „Da können große Verluste drohen“, warnte ein Sprecher gestern. Der Finanzexperte der Einrichtung, Michael Herte, warnte schon 2010: „Den rührseligen Angaben in der Werbung zu den Prokon Genussrechten sollte man mit gesunder Skepsis begegnen.“

Prokon selbst sieht sich angesichts solcher Kritik vor allem als Opfer falscher Berichterstattung – und zieht es vor zu schweigen. Auf der Internetseite der Firma heißt es seit Anfang des Monats, man habe sich „entschlossen, für Anfragen der Medien nicht mehr zur Verfügung zu stehen“.

 

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erstellt am 23.Aug.2013 | 10:48 Uhr

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