Stadtprojekt in Brunsbüttel : Millionen für Brunsbüttel-Ort

Im Zentrum des historischen Marktgevierts steht die 1678 errichtete Jakobuskirche.
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Im Zentrum des historischen Marktgevierts steht die 1678 errichtete Jakobuskirche.

Der historische Kern der Schleusenstadt soll unter Aspekten des Denkmalschutzes attraktiver werden.

shz.de von
13. Mai 2018, 16:00 Uhr

Mit einem neun Millionen Euro schweren städtebaulichen Entwicklungskonzept will der Bauausschuss der Schleusenstadt den Ortsteil Brunsbüttel-Ort attraktiver gestalten und touristische Potenziale ausschöpfen. Lediglich ein Drittel der Kosten für die Sanierung und Umgestaltung von Gebäuden, Straßen und Grünanlagen muss die Stadt verteilt über einen Zeitraum von 15 Jahren aus eigener Tasche zahlen. Der Rest wird von Land und Bund im Rahmen des Städtebauförderprogramms „Städtebaulicher Denkmalschutz“ beigesteuert.

Welche Maßnahmen notwendig wären, um das historische Stadtbild zu erhalten, an mancher Stelle wiederherzustellen sowie die Aufenthaltsqualität nennenswert zu erhöhen, erläuterte Ulrike Marggraf von der Firma Cappel und Kranzhoff im Bauausschuss. Auch wenn sich dessen Mitglieder am Ende mehrheitlich für das Entwicklungskonzept aussprachen, stießen nicht alle Vorschläge des Hamburger Stadtentwicklungs- und Planungsbüros auf uneingeschränkte Gegenliebe. Die FDP lehnte das Vorhaben ab. Mit Blick auf die angespannte Haushaltslage der Stadt sowie diverser weiterer teurer Projekte bezeichnete FPD-Ratsfrau Bettina Jebens das Vorhaben als „sehr ambitioniert“.

In ihren Ausführungen regte Marggraf an, die in den Ort führende Kreisstraße entwidmen zu lassen und die Zuständigkeit der Stadt zu übertragen. Neben geschwindigkeitsreduzierenden Maßnahmen wäre dann auch eine Umgestaltung des Straßenraums möglich. Diese Möglichkeit käme insbesondere an der Jacobuskirche zum Tragen. Die Straße Markt, die derzeit die Reichenstraße mit der Sackstraße verbindet, könnte für den Durchgangsverkehr gesperrt werden, sodass ein Marktplatz mit hoher Aufenthaltsqualität eingerichtet werden könnte. Eine Erweiterung und Stärkung der Gastronomie insbesondere der Außengastronomie sei hier empfehlenswert.

„Städtebaulich ist die in der Norderstraße vorhandene Kfz-Werkstatt mit angrenzendem Wohngebäude fehl am Platz“, fügte die Städteplanerin an und empfahl der Stadt einen Aufkauf des Gebäudes. Erwerben sollte die Stadt ebenfalls den Piehlhof an der Reichenstraße 1 sowie die Villa Paulsen am Markt 10. Die beiden denkmalgeschützten Gebäude stehen leer, böten sich bei entsprechender Instandsetzung für eine Wohnnutzung an.

„Dass dort, wo heute die Autowerkstatt beheimatet ist, früher einer Schmiede war, wissen Sie schon? Dass kleine Gewerbebetriebe nun nichts mehr in einem historischen Ortskern zu suchen haben ist mir neu“, entgegnete Bettina Jebens. Als „Mogelpackung“ bezeichnete sie das Städtebauförderprogramm, nachdem Marggraf erklärt hatte, dass auch private Hausbesitzer Fördergelder für die Sanierung ihrer Häuser beantragen könnten. „Anträge von Hausbesitzern, die lediglich ihre Haustür oder andere kleine Maßnahmen durchführen wollen, werden nachweislich abgelehnt. Lediglich äußerst umfassende Sanierungsmaßnahmen werden gefördert“, betonte Jebens. Ins selbe Horn blies Parteikollege Michael Wamser: „Es ist nicht so, wie es jetzt dargestellt wird. Der Bürger wird hier vorgeführt.“

„Einige Ideen schießen vielleicht übers Ziel hinaus, aber wir müssen ja auch nicht jeden einzelnen Punkt umsetzen“, sagte dagegen Anke Wutkowski (SPD), die das Konzept als Chance für Brunsbüttel bewertete, sich weiterzuentwickeln. „Wir können hier aus einem Euro drei machen, eine Chance, die wir uns nicht entgehen lassen sollten“, ergänzte Christdemokrat Klaus-Peter Lüttge.



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