Glückstädter Eisenbahnfreunde : Millimeterarbeit im Gleisbett

Genauigkeit gefragt: Lutz Thieme prüft mit der Wasserwaage ganz genau, wie Florian Lühr (rechts) die Gleise ausrichtet. Jürgen Friese (links), Albert Lühr mit dem „Lehmann“ und Michael Wiehe packen mit an.
Genauigkeit gefragt: Lutz Thieme prüft mit der Wasserwaage ganz genau, wie Florian Lühr (rechts) die Gleise ausrichtet. Jürgen Friese (links), Albert Lühr mit dem „Lehmann“ und Michael Wiehe packen mit an.

Die Freunde der Marschbahn arbeiten an neuem Schienenstrang auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs in Glückstadt.

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16. August 2018, 04:45 Uhr

Akribisch genau behält Florian Lühr die Wasserwaage auf dem neuen Gleiskörper im Auge. „Eine Abweichung von fünf Millimetern ist gerade noch zu tolerieren“, erklärt er. Wenn das nicht passt, kommt schon mal der „Lehmann“, ein fünf Kilogramm schwerer Vorschlaghammer, zum Einsatz. Seit knapp einem Jahr werkeln die Freunde der Marschbahn an einem neuen Schienenstrang auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs an der Grönlandstraße.

Ob die Männer denn überhaupt Ahnung vom Gleisbau haben? Ein Schmunzeln huscht über das Gesicht von Florian Lühr: „Inzwischen ja.“ Es sind zwar nur etwa 120 bis 150 Meter Gleiskörper, den die Freunde der Marschbahn neben dem 2004 gebauten ersten Gleis neu verlegen, aber die müssen auch bewältigt werden. Denn es sind nicht nur Schwellen und Schienen, sondern auch zwei Weichen einzubauen.

Und warum dieser Aufwand? Jürgen Friese, Vorsitzender der Marschbahn-Freunde, erklärt: „Wir hatten bisher keine Möglichkeit, Anhänger einzeln in den Lokschuppen zur Überholung zu schieben. Denn die historische Diesellok V20 036 bildet den Kopf unseres Museumszugs. Um die kommen wir ohne Ausweichgleis nicht herum.“

Die Überholung der einzelnen Waggons ist mittlerweile dringend erforderlich. Witterung und vor allem Vandalismus haben dem historischen, unter freiem Himmel stehenden Ensemble arg zugesetzt. Gerade Vandalismus bereitet den Klubmitgliedern Sorgen: Eingetretene Türen, zerschlagene Fenster, besprühte Flächen lassen über diesen Unsinn nur den Kopf schütteln und bereiten zusätzliche Arbeit bei der detailgenauen Wiederherstellung, die im Winter oder bei „Schietwetter“ nur mit einem Dach über dem Kopf möglich ist.

Zahlreiche Gönner – darunter auch die Hamburger Hochbahn – spendeten den Glückstädtern Schienen, Schwellen, Weichen und Schotter, die jetzt nach und nach verbaut werden. Lutz Thieme organisierte auch Teile der ehemaligen Hafenbahn, die ehemals in Straßen verbaut waren. So fügt sich Stück für Stück zu einem neuen Gleis.

Trotz allem werden die Freunde der Marschbahn noch etwa 7000 Euro Eigenmittel in das Projekt stecken. Jürgen Friese: „Es wäre toll, wenn sich Sponsoren zur Unterstützung finden.“ Ebenso würden sich Friese und seine Mitstreiter über Gleisbauhelfer freuen. Denn mehr als eine Handvoll kräftiger Männer sind selten im Einsatz. Und meistens nur am Wochenende. Wenn alles nach Plan läuft, soll das Projekt im Frühjahr 2019 abgeschlossen sein.

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