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Norddeutsche Rundschau

18. Oktober 2017 | 06:46 Uhr

Isit Itzehoe : Millimeterarbeit an der Säge

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ihr Arbeitsplatz ist an der Säge: Mikrotechnologin Anja Ambrosius zerlegt bei ihrer Arbeit im Isit Siliziumscheiben in winzig kleine Chips.

von
erstellt am 02.Feb.2016 | 05:00 Uhr

Innovationsraum? Das sind die Gebäude hinter der Autobahnbrücke an der Abfahrt Itzehoe-Nord. Mehr wissen die meisten nicht über die boomende Hightech-Region der Stadt. In loser Folge stellen wir Beschäftigte und ihre Arbeitsfelder vor.

Der Zufall brachte sie in ihren Beruf. In der Zeitung las Anja Ambrosius das Angebot für eine Ausbildung zur Mikrotechnologin. Mathe, Physik, Chemie und Englisch waren gefragt – „das klang interessant“. Bald darauf pendelte sie jeden Tag aus ihrem niedersächsischen Heimatort Twistringen nach Bremen, die Berufsschule absolvierte sie im Blockunterricht in Itzehoe. Dort ist Anja Ambrosius inzwischen selbst Ausbilderin: Im Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie (Isit) kümmert sich die 31-Jährige um angehende Mikrotechnologen.

„Eigentlich wusste ich am Anfang der Ausbildung nicht, was auf mich zukommt“, sagt die Itzehoerin. Nach der Mittleren Reife besuchte sie eine Berufsfachschule für Informatik. In diesem Bereich habe sie sich auch zuerst umgesehen, aber nichts gefunden. „Im Nachhinein bin ich froh darüber“, sagt Anja Ambrosius, die „mit Computertechnik nicht mehr so viel am Hut hat“. So wird die Freizeit auch vom Reiten und von Gesellschaftsspielen mit Freunden bestimmt.

Ihre Ausbildung machte sie bei einer Firma, die aus einem Institut der Bremer Universität heraus gegründet worden war. Leiter des Instituts: Professor Wolfgang Benecke, jetzt Chef am Isit. Diese Verbindung sollte noch wichtig werden. Denn Anja Ambrosius trat eine berufsbegleitende Weiterbildung zur Technikerin an – wieder mit Schule in Itzehoe –, doch als zwei der drei Jahre herum waren, ging ihr Arbeitgeber in Insolvenz. Benecke habe sie zur Firma Mems Foundry vermittelt, nach dem Ende der Weiterbildung fing sie im Isit an: „Ich bin im gleichen Arbeitsbereich geblieben, nur bei einem anderen Arbeitgeber.“

Ihr Arbeitsbereich, das ist die Kreissäge. Mit einem Blatt aus künstlichen Diamanten, bis zu 0,03 Millimeter fein, durch Wasser gekühlt und hochpräzise. Denn Anja Ambrosius zerlegt Siliziumscheiben, die Wafer, in die einzelnen Chips, deren Größe von 1 mal 1 bis 40 mal 40 Millimeter reicht. Die Wafer werden vor dem Sägen auf Folien laminiert, damit die winzigen Einzelteile gut zu handhaben sind. Immer wieder müssten neue Prozesse entwickelt werden, abhängig davon, was die Kollegen im Haus und die Firmen am Standort und auch Unternehmen von außerhalb an Entwicklungen und Aufträgen liefern. „Es ist nicht wie Fließbandarbeit, weil wir ganz viele unterschiedliche Projekte haben“, sagt Anja Ambrosius.

Seit 2012 betreut sie Auszubildende am Isit, die Eignungsprüfung war Teil der Weiterbildung. Die 31-Jährige teilt die drei angehenden Mikrotechnologen, einen aus jedem Lehrjahr, für die Arbeit im Reinraum ein, liest deren Berichte und ist Ansprechpartnerin. In dieser Funktion wird die Itzehoerin allerdings nicht oft gebraucht: „Die sind schon ziemlich selbstständig und helfen sich untereinander.“

Eine neue Aufgabe hat Anja Ambrosius gerade hinzubekommen: Erstmals in ihrer Zeit am Isit arbeitet sie mit in einem Projekt zur Halbleiter-Fertigung, also in der Entwicklung. Nicht, dass es ihr an der Wafer-Säge langweilig geworden wäre, aber sie habe immerhin schon in der Ausbildung in allen Bereichen gearbeitet: „Ich wollte auch mal wieder die anderen Sachen miterleben.“

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