Dammfleth : Mildes Urteil für tödliche Fahrt

März 2017: In diesem Transporter kommt beim Zusammenstoß mit einem Sattelzug der Beifahrer ums Leben. Der Unfallfahrer hatte des Überholverbot missachtet und war zu schnell.
März 2017: In diesem Transporter kommt beim Zusammenstoß mit einem Sattelzug der Beifahrer ums Leben. Der Unfallfahrer hatte des Überholverbot missachtet und war zu schnell.

Nach einem schweren Verkehrsunfall im März 2017 in Dammfleth kommt der 27-jährige Fahrer mit einer Geldbuße davon.

shz.de von
31. August 2018, 11:22 Uhr

Mit einem milden Urteil kommt ein 27-Jähriger davon, der im März vergangenen Jahres einen tödlichen Unfall in Dammfleth verursacht hatte. Ulrike Dehning, Strafrichterin am Amtsgericht Itzehoe, billigte dem Mann eine „Verkettung unglücklicher Umstände“ zu. Letztlich sei das tragische Geschehen, bei dem der Beifahrer des Angeklagten ums Leben gekommen war, einem „Momentversagen“ geschuldet. Die Richterin verhängte eine „Geldstrafe auf Bewährung“.

29. März 2017 – ein kalter, aber trockener Wintertag. Der Angeklagte war gemeinsam mit vier Kollegen aus St. Margarethen kommend in Richtung Wilster unterwegs. Das Quintett wollte vor dem Montageeinsatz am frühen Nachmittag noch etwas einkaufen. In Höhe der Rehbrücke über die Bundesstraße 5 setzte der 27-Jährige zum Überholen zweier vor ihm fahrender Sattelzüge an. Ein Gutachter kam zu dem Ergebnis, dass er mit mindestens 90 Stundenkilometern unterwegs war. Erlaubt ist dort Tempo 70. Zudem gilt in dem Bereich ein Überholverbot. Der Angeklagte gab an, das entsprechende Schild nicht gesehen zu haben.

Der erste Sattelzug scherte dann nach links in eine Einfahrt zur Tennet-Baustelle aus. Den Blinker hatte er zuvor ordnungsgemäß gesetzt. Auch das ließ sich im nachhinein mit ausgeklügelten Untersuchungsmethoden noch rekonstruieren. Eventuell war dem Unfallverursacher aber durch den zweiten Lkw die Sicht auf den Blinker versperrt. Geändert hätte das wohl nicht viel. Wie die Beweisaufnahme ergab, war bei dem Tempo der Unfall kaum zu vermeiden gewesen. Allerdings: Ganz unschuldig war wohl auch der Lkw-Fahrer nicht. „Er hatte eine doppelte Rückschaupflicht“, bemerkte Richterin Dehning. Dann hätte er den auf Überholkurs herannahenden Transporter vielleicht noch bemerken und den Abbiegevorgang abbrechen können.

Am Ende entschieden dann Sekunden über das Leben eines Menschen. Der Transporter krachte in die Seite des Sattelzuges. Der – nicht angeschnallte – Beifahrer starb noch am Unfallort. Vier weitere Insassen wurden zum Teil schwer verletzt – darunter auch der jetzt vor Gericht stehende Fahrer. Der Vorwurf: fahrlässige Tötung. Die Staatsanwältin war überzeugt: Hätte der Mann sich an die in dem Straßenabschnitt geltenden Verkehrsregeln gehalten, wäre nichts passiert. Als strafmildernd wertete die Anklagevertreterin den Umstand, dass der 27-Jährige selbst unter den Folgen des Unfalls massiv leide.

Sein Verteidiger berichtete, dass der tödlich verletzte Beifahrer dessen bester Freund gewesen sei. Sein Mandant habe seitdem nie wieder am Steuer eines Fahrzeugs gesessen, und er sei bis heute in psychologischer Behandlung. Der Anwalt sagte wörtlich: „Fakt ist: Er hat einen Fehler gemacht. Er hat aber auch sein ganzes Leben lang daran zu knapsen.“ Der verkehrsrechtlich bislang unbescholtene Angeklagte machte einen zutiefst betroffenen Eindruck. Er mache sich jeden Tag Gedanken, breche häufig in Tränen aus, so sein Verteidiger.

Die Staatsanwältin plädierte am Ende für eine Geldstrafe in Höhe von 2700 Euro, was sich an dem derzeitigen Monatseinkommen des Angeklagten in Höhe von 1300 Euro orientierte. Richterin Ulrike Dehning blieb da noch leicht drunter. Sie verhängte eine Geldstrafe von 2100 Euro, die der Mann aber nicht zahlen muss, wenn er sich in den nächsten zwei Jahren nichts zu schulden kommen lässt. Allerdings muss er noch eine Geldbuße von 600 Euro an die Steinburger Kreisverkehrswacht zahlen. Letztlich, so machte die Richterin deutlich, habe dieser tragische Unfall auch „das komplette Leben des Angeklagten auf den Kopf gestellt“.

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