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Amtsgericht : Milde Strafen für Urkundenfälscher

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Türsteher nutzten nachgemachte Sachkundehinweise: Bewährung

shz.de von
erstellt am 23.Apr.2016 | 08:00 Uhr

Neun Angeklagte, neun Verteidiger, dazu Gerichtsschreiberin, Staatsanwalt Jan-Hendrik Schwitters und Richter Malte Zander mit zwei Schöffen – da wurde es eng in Saal 1 des Itzehoer Amtsgerichts. Vor allem, da es sich bei den Männern, die sich vor Gericht verantworten mussten, um gewaltige Personen handelte – und zwar vor allem in körperlicher Sicht. Die Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes waren meist als Türsteher vor Diskotheken und bei Veranstaltungen eingesetzt und daher schon von der Erscheinung Respekt einflößend.

Der Vorwurf gegen den Betreiber des Dienstes und die Mitarbeiter: Urkundenfälschung. Sie sollen einen gefälschten Sachkundenachweis der Industrie- und Handelskammer verwendet haben, um sie den dafür notwendigen Lehrgang und die fällige Gebühr zu sparen. Im Breitenburg war der Schwindel aufgeflogen. 150 Euro hatten die Auftraggeber der gefälschten Papiere, die mit den Siegeln aus Schwerin versehen waren gekostet; 200 Euro zahlten die Mitarbeiter der Sicherheitsfirma. Jetzt kommen noch einige Summen an Bußgeldern dazu.

Noch vor dem Prozessbeginn hatte Zander ins Hinterzimmer gebeten. Hinter verschlossenen Türen wurde besprochen, wie das Verfahren beschleunigt werden könne – und man verständigte sich. Der Prozess selbst war entsprechend kurz. Alle Angeklagten räumten die Vorwürfe ein und verzichteten auf die Herausgabe der beschlagnahmten Urkundenfälschungen, die Pflichtverteidiger forderten ein mildes Urteil, der Richter fand einen Mittelweg. Nach nicht einmal einer Stunde konnten alle Angeklagten den Saal verlassen – mit Bewährungsstrafen und Geldbußen.

Der mehrfach vorbestrafte 51-jährige Betreiber der Sicherheitsfirma hatte für Richter Malte Zander glaubhaft versichert, dass er sich aus der Rocker-ähnlichen Szene gelöst habe und künftig nur noch sein Sportstudio betreiben wolle. Obwohl bei ihm auch Waffen gefunden worden waren, urteilte Zander milde und blieb bei zwei Jahren ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung.

Ein 26-jähriger Itzehoer, dem auch Anstiftung zur Urkundenfälschung vorgeworfen worden war, kam mit sieben Monaten und zwei Wochen ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung davon, muss aber zudem 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Bei einem 24-jähriger Husumer summierte sich das Urteil unter Einbeziehung von Vorstrafen auf ein Jahr, sieben Monate und zwei Wochen, ebenfalls ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung, sowie einer Geldbuße von 200 Euro. Zwei Angeklagte erhielten Verwarnungen mit Geldbußen unter Vorbehalt sowie je 200 Euro Geldbuße. Die übrigen Angeklagten erhielten Geldbußen zwischen 350 und 1125 Euro. „Das Urteil ergeht natürlich in der Hoffnung, dass wir uns hier nicht wiedersehen“, schloss Strafrichter Malte Zander die Sitzung.

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