zur Navigation springen

Landgericht Itzehoe : Milde Strafe nach Sex mit der Schülerin

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein Lehrer eines Itzehoer Gymnasiums hatte drei Jahre lang ein Verhältnis mit einem Teenager. Das Landgericht verhängt die Strafe zur Bewährung.

Sie hieß Glöckchen, er Flieger – so begann die zarte Liebe im Chat. Jetzt endete sie vor Gericht. Denn sie hätte nicht sein dürfen, schließlich war er ihr Lehrer. Wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen wurde der 50-jährige Mathematik- und Physiklehrer von Strafrichterin Isabel Hildebrandt am Landgericht Itzehoe zu elf Monaten Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt.

Strafverteidiger Henry Brendel trug gleich nach Verlesung der Anklage durch Staatsanwältin Stephanie Poensgen eine geständige Einlassung seines Mandanten vor. Eigentlich wollte der Lehrer, der bis zu seiner Suspendierung an einem Itzehoer Gymnasium arbeitete, selbst nicht viel zur Sache sagen. Doch die Richterin machte ihm klar, das man schon was hören müsse, um die Qualität seines Geständnisses beurteilen zu können.

Die Beziehung zwischen dem Klassenlehrer und seiner Schülerin dauerte von Februar 2009 bis Juli 2012. Das Mädchen war damals zwischen 14 und 16 Jahre alt. 15 mal kam es in dieser Zeit zu sexuellen Handlungen, acht weitere Fälle, die nach dem 16. Lebensjahr passierten, wurden noch während der Verhandlung eingestellt. Als Liebesnest diente oft das Auto das Lehrers, aus dem er extra die Rücksitze ausgebaut hatte. Nach dem 16. Geburtstag des Mädchens fuhr man sogar nach Frankreich in den Urlaub.

Der zweifache Vater hatte bereits zwei Ehen hinter sich, als er die Affäre mit der Schülerin begann. Das psychisch angeschlagene Mädchen habe vor allem seine Hilfe gebraucht, das Sexuelle sei eher Nebensache gewesen, erklärte er. Dennoch sei es bei den Treffen „so gut wie immer“ zum Sex gekommen. „Ich hatte immer den Eindruck, das wir es beide wollten. Ich habe auf keinen Fall meine Stellung als Lehrer missbraucht.“

Als die Schülerin, die inzwischen 20 Jahre alt ist und als Studentin in Kiel lebt, im Jahr 2012 ihren heutigen Freund, kennen lernte, beendete sie die Beziehung mit dem 30 Jahre älteren Lehrer. „Er hat es akzeptiert“, sagte sie vor Gericht.

Der Lehrer vermittelte ihr noch eine Psychotherapeutin, denn die junge Frau kämpfte noch immer mit den Dämonen ihrer problematischen Kindheit. Die Therapeutin machte ihr klar, dass der erlittene Missbrauch ein großes Problem in ihrem Leben sei und stellte im Laufe der Therapie den Kontakt zur Polizei her. 2014 erstattete die Studentin Strafanzeige, der Lehrer wurde umgehend aus dem Dienst entfernt und ist seither suspendiert.

Was ihr mit dem Strafverfahren verbundenes Ziel sei, wollte Richterin Hildebrandt von der Studentin wissen. Die Antwort: „Mein Wunsch ist, dass er versteht, was er mir angetan hat.“ Das scheint der Fall zu sein. „Ich habe verstanden, dass sie Schaden genommen hat, es tut mir unendlich leid“, sagte der Lehrer.

Elf Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung beantragte die Staatsanwältin. Die Kammer folgte. „Sie war einverstanden mit den sexuellen Handlungen“, erläuterte Hildebrandt die, wie sie es selbst nannte, „ausgesprochen milde Strafe“. Sie würdigte das Geständnis, das von Reue getragen war und erkannte an, dass die Initiative zum Sex auch von der Schülerin ausging. „Wir wollten keine Existenz vernichten.“ Nichtsdestotrotz mache sich ein Lehrer, der ein sexuelles Verhältnis zu seiner Schülerin hat, jenseits jeder Moral auf jeden Fall strafbar.

Für den Angeklagten war das Strafmaß entscheidend – bei Strafen über einem Jahr geht Beamten ansonsten die Pension verloren. Wie es mit seiner beruflichen Zukunft weitergeht, muss nun ein Disziplinarverfahren entscheiden. Zurück ans Itzehoer Gymnasium wird er jedoch nicht kommen – er möchte sich seinen neuen Lebenstraum verwirklichen und mit seiner aktuellen Lebensgefährtin für mehrere Jahre in Tansania beim Aufbau einer Bildungseinrichtung mitwirken.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen