Berufsausbildung : Milchschaum wie am Stephansdom

Von Itzehoes Breiter Straße in die weite Welt: Sarah Kniza und
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Von Itzehoes Breiter Straße in die weite Welt: Sarah Kniza arbeitet in Wien.

Zwei Auszubildende von Itzehoer Konditorei absolvieren Auslandsaufenthalte in Österreich und Estland .

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03. Januar 2018, 05:00 Uhr

Auslandsaufenthalte sind bei Schülern und Studenten heutzutage längst keine Besonderheit mehr. Doch auch Auszubildende arbeiten zunehmend eine Zeit lang im Ausland. Für zwei junge Mitarbeiterinnen der Itzehoer Konditorei Frähmcke ging es nach Estland und Österreich.

Für Sarah Kniza hätte der Kontrast, was das Umfeld angeht, kaum größer sein können: Die 18-jährige Lägerdorferin tauschte ihren Arbeitsplatz an der Breiten Straße für zwei Wochen gegen einen an einem der touristischen Hotspots der Weltstadt Wien: Die Bäckereifachverkäuferin arbeitete zwei Wochen im Café der Bäckerei Grimm direkt am Stephansplatz. „In die Sprache musste ich mich erst reinhören“, sagt Kniza. So sei ein Beutel in Österreich ein Sackl und Wiener bestellten gern mal einen „Kleinen Braunen“ statt eines Espressos. Und es gab wesentlich mehr Kunden aus allen Teilen der Welt von Kalifornien bis Japan. „Ansonsten bin ich aber gut reingekommen. Die Betriebsgröße war in etwas vergleichbar und ich wurde sehr nett aufgenommen.“

Für ihre Kollegin Michaela Köttner ging es nach Estland – ein Land, zudem sie bisher kaum Bezugspunkte hatte. „Für mich stand auch Spanien zur Auswahl, aber ich habe gedacht, da komme ich eher nochmal hin.“ Estland machte die 20-jährige Itzehoerin neugierig. In der Stadt Rakvere arbeitete die angehende Konditorin drei Wochen in einem Großbetrieb mit fünfzig Mitarbeitern mit. Für sie waren neben der Sprache vor allem auch die Arbeitsabläufe ein Abenteuer. „Dort war alles sehr viel mehr auf Automatisierung und Spezialisierung ausgerichtet als hier bei uns“, sagt Köttner. Die Arbeit sei dadurch eintöniger, der Aufenthalt sei aber trotzdem eine „wahnsinnige Erfahrung“ gewesen. „Estland ist echt schön mit dem vielen Wald und der Ostsee.“ Auch die Hauptstadt Tallinn hat der Konditorin gut gefallen.

Beeindruckt hat sie der Nationalstolz der Esten – bei gleichzeitiger Europabegeisterung. „Man sieht überall europäische Fahnen. Das kennt man von hier so gar nicht“, sagt Köttner. Ihre Kollegin aus dem Verkauf hat vor allem die Wiener Kaffeehauskultur beeindruckt. Den Milchschaum macht sie seit ihrem Auslandsaufenthalt nun auch im Café von Jörg Frähmcke nach Wiener Art. „So soll es sein. Ich schicke meine Leute ja nicht umsonst in die Welt“, sagt der Itzehoer Konditormeister augenzwinkernd. Dass er seinen Mitarbeiterinnen den Auslandsaufenthalt ermöglicht, ist für Frähmcke eine Selbstverständlichkeit. „Ich hätte mir das früher auch gewünscht. Es ist immer gut, den Blickwinkel zu wechseln.“ Und gerade innerhalb Europas unterstütze ein Austausch auch den europäischen Gedanken, sagt Frähmcke.

In seinem Handwerk seien Auslandsaufenthalte während der Ausbildung weit verbreitet. Seit langem gebe es beispielsweise eine Kooperation der Berufsschule Elmshorn mit dem polnischen Danzig. Organisiert werden die Reisen oft über die Kammern und unterstützt durch das europäische Förderprogramm Erasmus. Im Handwerk reisen neben Bäckern und Konditoren unter anderem angehende Metallbauer, Tischler und Friseure häufig, sagt Marie-Christin Starck, Sprecherin der Handwerkskammer Lübeck. Interkulturelle Kompetenz werde zunehmend von Betrieben als wichtig wahrgenommen. Und auch die Steigerung der Attraktivität der Ausbildung sei ein Argument für Auslandsaufenthalte, so Starck. Die Kammer unterstützt die internationale Mobilität durch ihre Abteilung Internationale Projekte.

Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) sind vor allem die Azubis des Gastgewerbes reisefreudig, sagt Paul Raab von der IHK in Elmshorn. Aber auch andere Branchen zeigten sich offen. Eine Entwicklung, die Raab begrüßt. „Da die internationalen Verflechtungen der Unternehmen in unserer Region allgemein steigen, sollte jeder Betrieb individuell prüfen, ob ein Auslandsaufenthalt für seine Auszubildenden sinnvoll sein kann.“

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