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Norddeutsche Rundschau

23. November 2017 | 14:18 Uhr

Ministerbesuch : Milch regional besser vermarkten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Über frustrierende Preisschwankungen und mögliche Ziele sprachen Wilstermarsch-Landwirte mit Minister Robert Habeck

von
erstellt am 04.Mai.2017 | 04:45 Uhr

Nach dem Weideauftrieb machten gestern die Wilstermarsch-Milchbauern erneut ihre Situation deutlich – und sprachen auf Initiative des Landtagsabgeordneten Bernd Voß (Bündnis 90/Die Grünen) mit Landwirtschaftsminister Robert Habeck über ihre frustrierende wirtschaftliche Situation. Schon lange sind sie in Verhandlungen mit Meiereien und Vermarktern über Möglichkeiten für Verbesserungen, doch bewegt habe sich nichts, klagen die Landwirte. Sie hoffen auf breite politische Unterstützung, führten mit CDU und SPD auf Bundes- und Landesebene Gespräche, erörterten nun auf dem Hof von Sabrina und Jens Bracker in Landrecht mit Habeck ihre Ziele und den Weg dorthin.

Jens Bracker hieß den Minister willkommen, stellte kurz seinen 120 Hektar großen Betrieb mit etwa 120 Kühen vor, die Tag und Nacht draußen auf den Weiden laufen. Seine Milch liefert er zur Breitenburger Milchzentrale. Ob er zufrieden sei, fragte Habeck, worauf Bracker zögerlich antwortete. Im Vergleich zum vergangenen Jahr – zur gleichen Zeit gab es da gerade mal 19 Cent pro Liter Milch – erhalte er jetzt mit 33 Cent deutlich mehr, aber für eine sichere Existenz immer noch zu wenig. Und die Landwirte merkten an, dass es die Ankündigung gebe, dass der Preis wieder weiter runter gehen solle. Schon seit Jahren fordert in der Wilstermarsch eine starke Initiative von Milchviehbauern eine vernünftige Begrenzung der Milchmenge, um einen fairen, auskömmlichen Preis zu ermöglichen. Dahinter steckt die Idee, die Vermarktung der Produkte aus Weidelandmilch verstärkt zu regionalisieren – und so dem Verbraucher deutlich zu machen, dass er sich beim Kauf für Milcherzeugnisse von Landwirten aus seiner direkten Nachbarschaft entscheidet. „Wir müssen ein System finden, durch das auch wir Landwirte Geld verdienen“, so Heiko Strüven aus Aebtissinwisch. Doch Regionalvermarktung sei von Meiereien so nicht gewollt. Darum der Appell an den Minister: „Wir brauchen ein Krisenmanagement.“ In der Wilstermarsch sei schon viel Landwirtschaft weggebrochen. Hier gebe es für Landwirte keine Alternative zur Milchviehhaltung.

Robert Habeck räumte ein, dass die Molkereien keine politische Intervention in der Sache wollten. Die politische Diskussion aber werde weitergehen, fügte er hinzu. Für ein landesweites Weidegangprogramm mit Modellprojekt fehle derzeit zwar das Geld, Habeck hält es aber für zukunftsweisend. Er stellte in Aussicht, das Programm in einen künftigen Koalitionsvertrag einzubringen und unterstrich, dass Schleswig-Holstein die Weidehaltung aus ökologischen Gründen brauche. „Die Milchviehwirtschaft in Schleswig-Holstein hat einen sehr guten Ruf“, betonte er.

Darum stehe die Weidehaltung auch im Fokus der Arbeit der Landesregierung, die, wie Bernd Voß betonte, daher mit Niedersachsen zusammen der deutschen „Weidecharta“ beigetreten sei. Ziel sei es, über ein geschütztes Label einen besseren Preis für die mit höherem Aufwand erzeugten Produkte, insbesondere Milch, zu bekommen. Die Mindestanforderung dieser Charta für echte Weidemilch beispielsweise durch Weidegang werde von den Milchbauern der Wilstermarsch mehr als erfüllt.

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