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Krebstherapie : Mikas Matte hilft kranken Kindern

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Aus dem Zopf des Neunjährigen aus Münsterdorf wird eine Echthaarperücke für kleine Krebspatienten.

von
erstellt am 12.Apr.2017 | 12:03 Uhr

Lange blonde Haare, große Kulleraugen. Mika Rosemeier (9) war es gewohnt, dass man ihn für ein Mädchen hielt. „Wenn ich mit einigen Jungen aus der Schule Streit hatte, haben die mich manchmal wegen meiner Haare geärgert“, erzählt der Viertklässler. „Aber das war mir egal“, sagt Mika. Denn warum er seine blonde Mähne wachsen ließ, verriet der Neunjährige zunächst nur seinen engsten Freunden. „Ich wollte nicht, dass meine Haare im Müll landen, wenn ich sie schneiden lasse“, erklärt Mika. „Ich möchte Kindern helfen, die keine Haare haben und ihnen meine spenden.“

Schon als Baby hatte Mika „eine Matte auf dem Kopf“, erinnert sich Mutter Nina Rosemeier (44). „Im Kindergarten wollte er immer sofort zum Friseur, sobald ihn einer für ein Mädchen hielt“, so die 44-Jährige. Aber seit er sechs Jahre alt war, hat er sich beim Friseur höchstens die Spitzen schneiden lassen. „Erst wollte er einfach so lange Haare haben wie ich“, erinnert sich Nina Rosemeier . Als Mutter und Sohn einen Bericht über Perücken für krebskranke Kinder sahen, fasste der Grundschüler den Entschluss, dass auch er helfen möchte.

Jetzt ging er mit seiner Mutter zum Friseur, trennte sich dort von 30 Zentimetern seiner Haarpracht. „Das war schon ein komisches Gefühl.“ Die Haare zum Zopf gebunden, musste die Friseurin mehrfach die Schere ansetzen bis der Pferdeschwanz ab war. Den Zopf schickt Nina Rosemeier nach Österreich zu der Organisation Haarfee. Diese sammelt Echthaar, um daraus Perücken für Kinder herstellen zu lassen, die ihre Haare durch Chemotherapie oder Krankheit verloren haben. „Es war gar nicht so einfach, eine Organisation zu finden“, sagt Nina Rosemeier. Bei ihrer Recherche sei sie auf viele schwarze Schafe gestoßen. „Europäisches Haar ist auf dem Markt sehr beliebt. Es gibt Firmen, die damit werben, krebskranke Kinder zu unterstützen, in Wahrheit die Haare aber teuer verkaufen“, hat Nina Rosemeier herausgefunden.

Die Transparenz der Organisation Haarfee überzeugte die Münsterdorferin. Auf der Facebook-Seite lachen einem Kinder wie die kleine Valentina (10) entgegen, die vor Freude über ihre neue Perücke tanzte. Zu sehen, wem man mit der Haarspende helfe und wie viel es den Jungen und Mädchen bedeute, sei bewegend, sagt Nina Rosemeier.

„Es ist mein Herzenswunsch zu helfen“, erklärt Yochai Mevorach, der Haarfee im Jahr 2013 gründete. Den Anstoß gaben mehrere Krebsfälle in der eigenen Familie. „Ich wollte immer etwas Gutes machen, Kinder unterstützen“, erklärt Mevorach. Eine Echthaarperücke stehe in einer Ausnahmesituation wie einer Krebserkrankung nicht im Fokus der Eltern – für die kleinen Patienten sei sie aber wichtig. „Nach dem Verlust der eigenen Haare in Folge einer Chemotherapie, schweren Verbrennungen oder Krankheit verlieren die Kinder auch ihr Selbstwertgefühl. Oft werden sie von Gleichaltrigen gehänselt und sogar ausgegrenzt. Um ihnen einen natürlichen und realistischen Look zurückzugeben, brauchen die Kinder maßgeschneiderte Echthaarperücken, die perfekt sitzen“, heißt es auf der Homepage. Diese Perücken seien aber teuer, jede Perücke koste rund 1500 bis 3000 Euro, von den Krankenkassen würden im Maximalfall jedoch nur 380 Euro übernommen werden. Die Alternative sind billige Kunsthaarperücken, die aber unangenehm zu tragen seien, und beispielsweise zu Hautirritationen führen können.

Haarfee hat mittlerweile 46 Perücken übergeben und 102 produziert – dank Spendern wie Mika. Er ist mit seiner Kurzhaarfrisur zufrieden. Das mittelblonde Haar trägt er jetzt gestylt. „Die Haare sind mir aber fast schon wieder zu lang“, meint der Münsterdorfer, der sogar darüber nachdenkt, die Haare irgendwann noch einmal für den guten Zweck wachsen zu lassen. „Nicht jetzt, aber hätte ich einen Wunsch frei, würde ich mir wünschen, wieder lange Haare zu haben, um noch mehr zu spenden.“


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