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Von Abschiebung bedrohter Judoka beim SCI : Mikael will in Deutschland bleiben

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Sport-Club Itzehoe setzt sich für geflüchtetes Mitglied ein: Ausbildungsplatz für den von einer Abschiebung bedrohten 17-jährigen Judoka Mikael Galstyan gesucht.

shz.de von
erstellt am 08.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Wenn er keinen Ausbildungsplatz findet, muss er wohl gehen. Im Frühjahr vergangenen Jahres flüchtete Mikael Galstyan mit seiner Familie aus der Ukraine nach Deutschland. Schnell lernte er die Sprache, besuchte die Auguste-Viktoria-Schule, wollte Abitur machen und danach Medizin studieren. Jetzt aber muss der 17-Jährige das Gymnasium mit dem Hauptschulabschluss verlassen – seine Deutschkenntnisse sind für das Abitur nicht ausreichend. „Der Schule machen wir da aber keinen Vorwurf“, betont Otto Reese, der die Familie Galstyan seit ihrer Ankunft ehrenamtlich betreut. „Die waren wirklich sehr hilfreich.“

Doch für den 17-Jährigen wird es im kommenden Jahr noch ernster: Am 2. Februar feiert er Geburtstag, und als dann 18-Jähriger könnte er theoretisch auch allein ohne seine Familie abgeschoben werden. Seine Hoffnung ist es jetzt, einen Ausbildungsplatz zu finden.

Sonia Tawakol-Abdul ist Rechtsanwältin mit Tätigkeitsschwerpunkt im Asyl- und Ausländerrecht und mit dem Fall Galstyan betreut. „Findet er einen Ausbildungsplatz, besteht das Recht, die Duldung für die Dauer der Ausbildung zu verlängern“, erklärt sie. „Die Abschiebung wird dann für diesen Zeitraum ausgesetzt.“ Beendet Mikael Galstyan eine Ausbildung dann erfolgreich, gibt es eine gesetzlich vorgeschriebene halbjährige Frist, in der eine Arbeitsstelle gesucht werden kann. Ist die Suche erfolgreich, besteht die Möglichkeit, eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen.

Bei der laufenden Ausbildungssuche erhält der 17-Jährige auch Unterstützung vom Sport-Club Itzehoe, wo er kurz nach seiner Ankunft in Deutschland in der Judo-Sparte aktiv wurde. „Als ich ihn kennen gelernt habe, hat er sofort gesagt, dass er Sport machen möchte“, erinnert sich Otto Reese. Also ging er mit ihm auf den Fußballplatz. „Das war aber nichts für mich“, sagt Galstyan, der zuvor schon zwölf Jahre lang Judo in seiner Heimat betrieben hatte. Damit wollte er weitermachen.

Die beiden fanden das passende Angebot beim SCI und meldeten den 17-Jährigen an. „Die haben Mikael natürlich mit offenen Armen aufgenommen“, sagt Reese. Denn nicht nur menschlich stimmte es – Mikael hat auch Erfolg: Er legte die Prüfung für den blauen Gürtel ab, gewann in seiner Altersklasse (U18, bis 50 kg) die Landesmeisterschaft in Flensburg, ebenso die anschließende Norddeutsche Meisterschaft in Osnabrück und holte wenige Wochen später bei den Deutschen Meisterschaften in Herne zudem einen beachtlichen siebten Platz.

„Mikael ist immer dabei, unglaublich freundlich und sehr bemüht, sich zu integrieren“, sagt auch seine Trainerin Birgit Philipp, die nur ein Beispiel für die breite Unterstützung aus dem Verein ist. „Mikael ist ein netter, motivierter und zuverlässiger Kerl“, schrieb Rainer Guschel, Abteilungsleiter Judo im SCI, vor einigen Tagen in einem Post auf der Facebook-Seite des Vereins – der inzwischen 110 Mal geteilt und weiterverbreitet wurde. Auch dort bittet er um Tipps für passende Ausbildungsplätze – am liebsten im Bereich Sport oder Zahntechnik.

In letzterem hat der 17-Jährige inzwischen auch Praktika absolviert. „Wir suchen schon seit Februar nach einem Ausbildungsplatz“, sagt Otto Reese. Schon da gab es von der Schule das Signal, dass Galstyan das Abitur wohl nicht schaffen würde. Gemeinsam sind die beiden deswegen im Laufe der Wochen und Monate bei Ärzten, Zahnärzten und im Klinikum gewesen, um sich vorzustellen und nach offenen Stellen zu suchen. Erfolg hatten sie allerdings noch nicht. „Es gab bestimmt schon zehn oder elf Absagen“, zeigt sich Galstyan enttäuscht.

Doch sie wollen nicht aufgeben – insbesondere jetzt nicht, mit der Hilfe des Sport-Clubs. Beendet wird der Facebook-Post mit den Worten: „Beweisen wir, dass wir im SCI alle zusammenstehen und helfen!“

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