Asylbewerber in Heide : Migrationsbeauftragter soll gehen

Kämpft seit 2012 um sein Bleiberecht: Heides Migrationsbeauftragter Sajad Sediqi, hier in seinem Büro im Rathaus.
Kämpft seit 2012 um sein Bleiberecht: Heides Migrationsbeauftragter Sajad Sediqi, hier in seinem Büro im Rathaus.

Sajad Sediqi ist bei der Dithmarscher Kreisstadt angestellt – Verwaltungsgericht erkennt keine Asylgründe. ER hofft auf die Härtefallkommission.

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21. März 2018, 12:08 Uhr

Sajad Sediqi ist angesehen. Bei seinen Kollegen im Rathaus der Stadt Heide, im Fußballverein und nicht zuletzt unter den 250 Flüchtlingen, denen er als Migrationsbeauftragter tatkräftig zur Seite steht. Doch der 27-Jährige trägt sich mit Sorgen. Wenn auch die Härtefallkommission negativ entscheidet, droht ihm die Abschiebung. Ein Musterbeispiel gelungener Integration könnte auf diese Weise scheitern.

Das Leben Sajad Sediqis war lange von Angst geprägt. Im August 2012 erreichte der Afghane, der aus der Provinz Kapisa stammt, die Bundesrepublik und fühlte sich endlich sicher. Doch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge lehnte seinen Asylantrag ab. Dieses Los teilt der Mann mit vielen Landsleuten. Doch sein Fall ist ein besonderer.

„Sajad Sediqi spricht hervorragend Deutsch, daneben Englisch, seine Muttersprache Dari und auch Arabisch. Das sind beste Voraussetzungen, um bei der Integration der Flüchtlinge zu helfen“, sagt Bürgermeister Ulf Stecher (CDU). Und so leistete Sediqi während der Flüchtlingswelle, die Dithmarschens Kreisstadt im Spätsommer 2015 erreichte, Großes, um den Verfolgten aus den Kriegs- und Krisengebieten die Ankunft zu erleichtern.

2012 ist Sajad Sediqi selbst aus seiner von Terror und Bürgerkrieg erschütterten Heimat geflohen. Über den Iran und die Türkei kam er mit seiner Mutter und drei Schwestern in Dithmarschen an, wo er sich eigenständig ein Leben aufbaute, Deutsch lernte und beim Diakonischen Werk des Kirchenkreises eine Arbeitsstelle fand (wir berichteten).

Auf die Entscheidung über sein Asylbegehren hat er fünf Jahre gewartet. Das Gesuch wurde vom Bundesamt für Migration abgelehnt. Die Ausländerbehörde des Kreises wartete mit der Rückführung, weil das Innenministerium einen Abschiebestopp erlassen hatte. Unterdessen zog Heides Flüchtlingsbeauftragter vor das schleswig-holsteinische Verwaltungsgericht, doch auch die Schleswiger Juristen erkannten kein Bleiberecht.

Ungeachtet dessen unternimmt die Stadt Heide alles, um Sediqi zu halten. „Er ist inzwischen bestens vernetzt und macht einen hervorragenden Job“, betont Verwaltungs-Chef Stecher, der sich nicht damit abfinden will, dass Sajad Sediqi womöglich sein Büro im dritten Stock verlassen muss. „Es wäre bitter und sehr ärgerlich, wenn wir ihn verlieren würden.“

Mit Unterstützung aus dem Rathaus zieht Sajad Sediqi nun vor die Härtefallkommission. Die ist ein politisches Gremium, das als letzte Instanz über Verbleib oder Rückführung von Ausländern entscheidet, wenn diesen nach geltendem Recht keine Aufenthaltsgenehmigung zusteht. Im Gegensatz zum Bundesamt oder zum Gericht berücksichtigt die Härtefallkommission menschliche Aspekte. Im Falle Sediqis wäre das der Einsatz, den er als Integrationsmanager zeigt.

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