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Prokon und Prinovis : Meyer will Itzehoe als Technologie-Zentrum ausbauen

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Mehr als tausend Arbeitsplätze fallen in Itzehoe weg oder sind gefährdet. Ein harter Schlag für die strukturschwache Region. Die Kieler Regierung verspricht der Westküste zu helfen und glaubt an die Technologie.

shz.de von
erstellt am 16.Apr.2014 | 18:28 Uhr

Itzehoe | Beim angeschlagenen Windkraft-Unternehmen Prokon in Itzehoe scheint das Insolvenzverfahren unabwendbar. „Ich gehe davon aus, dass das Verfahren am 1. Mai vom Amtsgericht Itzehoe eröffnet wird“, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Dietmar Penzlin heute in Itzehoe. Es lägen drei unabhängige Rechtsgutachten vor, die mit unterschiedlichen Begründungen zum gleichen Ergebnis kommen: Prokon ist zahlungsunfähig.

„Das wird uns aber nicht vom Weg der Sanierung abbringen“, betonte Penzlin. „Im Gegenteil, diese wird durch das Insolvenzverfahren sogar besser und leichter möglich sein.“ Dabei gehe er noch immer davon aus, dass es möglich sein wird, den Kernbereich – also das Windgeschäft – zu erhalten. „Der Bereich ist stabilisiert und wird voll umfänglich weiter geführt.“

Ohne Stellenabbau gehe es allerdings nicht. Dieser treffe besonders zwei Bereiche: den Vertrieb von Genussscheinen sowie den Herstellerbereich, der nur noch eingeschränkt laufe. Man sei gerade dabei, eine Transfergesellschaft zu beantragen, erklärte Penzlin. Voraussichtlich werde 80 Mitarbeitern angeboten, in diese zu gehen. Für acht Monate liege eine Mittelzusage vor. „Die überwiegende Zahl der Arbeitsplätze bleibt erhalten.“ Am Standort in Itzehoe sind es mehr als 200 Arbeitsplätze.

Er arbeite bereits daran, einen Insolvenzplan auszuarbeiten. Dieser diene dazu, das Unternehmen zu erhalten, teilweise zu entschulden und den Gläubigern Angebote zu unterbreiten. „Die heutige Zielsetzung ist, dass wir Prokon Anfang 2015 in einer restrukturierten Form aus dem Insolvenzverfahren entlassen, damit im Kernbereich weiter in Itzehoe gearbeitet werden kann.“

Diesen Bereich gelte es unbedingt zu erhalten, betonte auch Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD). „Erneuerbare Energien sind nach wie vor ein Zukunftsthema.“ Er sprach sich – auch vor dem Hintergrund der Schließung der Prinovis-Druckerei Ende April mit rund 1000 Arbeitsplätzen – dafür aus, Itzehoe als Technologie-Zentrum an der Westküste ausbauen, um dem Standort eine Zukunft zu geben. Itzehoe sei mit dem Innovationszentrum IZET und dem Fraunhoferinstitut ISIT schon heute „der Technologiestandort der Westküste“. Dazu gehörten nicht nur Technologien, sondern auch Dienstleistungen, „die entsprechende Arbeitsplätze schaffen“. Zudem müsse Bestandspflege betrieben werden, um die vielen guten Unternehmen, die es bereits gibt, zu halten. Meyer schwebt ein „Westgate“ vor, das den gesamten Bereich vom Hamburger Rand bis Brunsbüttel umfasst.

Um den Standort Itzehoe zu stärken, überbrachte Meyer auch einen Förderbescheid: Das Land unterstützt den Bau der so genannten Südspange, mit der das Gewerbegebiet Klostermarsch sowie auch das Prinovis-Gelände besser an das überregionale Verkehrsnetz angebunden werden sollen. Wichtig ist das auch für die Vermarktung des bisherigen Druckerei-Standorts. Ziel ist dort ein Industrie- und Gewerbepark.

Geplant ist nach Angaben des Ministers unter anderem eine Anbindung des bestehenden Gewerbegebiets an das überregionale Verkehrsnetz - insbesondere in Richtung A23 und B5 - sowie den Brunsbütteler Hafen und das Industriegebiet Brunsbüttel. Die Gesamtkosten des in drei Bauabschnitte unterteilten Projekts belaufen sich danach auf rund vier Millionen Euro. Mit den Bauarbeiten soll im Sommer 2014 begonnen werden, die Fertigstellung ist für 2016 vorgesehen, sagte Meyer. „Ich bin sicher, dass wir der Stadt Itzehoe, die in kurzer Zeit mit der Schließung der Druckerei Prinovis und der Prokon-Insolvenz zwei Rückschläge zu verkraften hatte, damit erste wichtige Impulse verleihen können.“

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