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Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 16:09 Uhr

Kollmar : Metallsiebe statt Mühlenstein

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Getreidemühle Hermann Haars produziert für Bäckereien in ganz Schleswig-Holstein. Mahltechnik hat sich deutlich weiterentwickelt.

Mehl aus der Region wird von vielen Bäckereien gezielt nachgefragt und beworben. Als Lieferant für diese Betriebe wird häufig die Getreidemühle Hermann Haars an der Bundesstraße 431 am Abzweiger nach Kollmar gewählt. Sie beliefert Bäckereien in ganz Schleswig-Holstein mit Weizen- und Roggenmehl.

„Das Getreide für unser Mehl kommt zu 85 Prozent aus dem Gebiet zwischen Glückstadt, Horst und Elmshorn“, erklärt Hans-Hermann Semmelhaack. Er ist für die Mehlproduktion und die Belieferung der Kunden zuständig. „In Schleswig-Holstein gibt es nur noch drei mehlproduzierende Mühlen. Wir beliefern nur Handwerksbäckereien und keine Industriebetriebe. Zu 95 Prozent wird das Mehl lose mit dem Kesselwagen, der 15 Tonnen fasst, ausgefahren.“

Die Bäckereien nutzen überwiegend den Weizenmehltyp 550, Haushalte häufig den Typ 405. Semmelhaack: „Der Typ gibt die Veraschungszahl an und damit den Mineralstoffgehalt. Je höher die Typenzahl, desto dunkler ist das Mehl.“ Weizenmehle werden in den Typen 405, 550 und 1050 produziert, Roggenmehle in den Typen 950, 1150 und 1870. „Daneben mahlen wir noch Vollkornmehl, bei dem alle Kornbestandteile mit verarbeitet werden.“

Gemahlen wird in der 1641 gegründeten Mühle nicht mehr mit Windrädern und Mühlsteinen, sondern mit Metallsieben. Auf dem Mahlboden stehen sechs mit Riemen angetriebene Mühlen, die in einem aufwendigem Verfahren in mehreren Gängen und Reinigungsstufen Tag und Nacht das Mehl produzieren.

Bis Mitte des letzten Jahrhunderts gab es fast in jedem größeren Dorf, wie Neuendorf, Sommerland, Herzhorn, Blomesche Wildnis, Krempe und Glückstadt eine Getreidemühle. Die Bauern waren früher sogar verpflichtet, ihr Getreide an eine bestimmte Mühle zu liefern. Inzwischen sind nur noch einige Mühlen als Großbetriebe erhalten geblieben.

Der Hauptbetriebszweig ist die Kraftfutterproduktion für Schweine und Rinder geworden. „Zur Getreidebasis werden weitere Komponenten wie Soja, Palmkuchen, Raps und Mais zugemischt, um das Futter energiereicher zu machen“, erklärt Jens Schippmann. An einem Leitstand wird der Produktionsprozess überwacht. Durch eine elektronische Steuerung werden aus den Silos für die verschiedenen Einzelkomponenten die Anteile zusammengemischt. „Für Schweine gibt es drei Standardmischungen je nach der Mastphase, aber wir können auch individuell angepasste Mischungen produzieren.“

Da der Betrieb Futtermittel und Produkte für Lebensmittel produziert, werden regelmäßig Kontrollen gemacht. „Unser Betrieb ist zertifiziert und hat sich damit einer freiwilligen Kontrolle gestellt“, sagt Haars. „Darüber hinaus kommen unangekündigt zusätzlich Lebensmittelkontrolleure vom Veterinäramt Neumünster und untersuchen unsere Produkte auf Schadstoffe wie Pflanzenschutz- und Schwermetallrückstände. Bisher gab es aber noch nie Probleme.“

Zurzeit ist die Stimmung bei den Landwirten schlecht, denn der Preisverfall ihrer Produkte wirkt sich auch auf den Agrarhandel aus. „Die Preise sind weltmarkt- und börsenabhängig, denn wir befinden uns auf einem globalen Markt“, weiß Jens Schippmann. „Die Preise sind schnelllebig und oft nur tagesaktuell. Sowohl die Bauern als auch wir müssen uns deshalb stets informiert halten, um wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Die Zukunft in der Landwirtschaft beurteilt er als ungewiss. Dennoch will sich die Getreidemühle mit Agrarhandel zukunftsfähig aufstellen und weiter investieren.

Dazu hat die Gemeinde Kollmar bereits die Aufstellung eines geänderten Flächennutzungsplanes beschlossen, um für den Mühlenbetrieb Erweiterungsbauten in Langenbrook zu ermöglichen.

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