Merkels Mundwinkel im Souterrain

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23. November 2013, 05:00 Uhr

Der Mann steht im dunklen Anzug vor schwarzer Kulisse, nur von einem Scheinwerfer bestrahlt. Im Sekundentakt bekommen Politik- und Showgrößen ihr Fett weg. Seit 1988 gastiert Reiner Kröhnert regelmäßig in der Lauschbar, vormals Goosmarkt. Nun machte der 55-jährige Kabarettist wieder Halt mit dem neunten Soloprogramm „Kröhnerts Krönung“.

Zu den Parodien seiner Figuren legte er ihnen glaubhafte Dialoge mit Witz in den Mund. Da wurde Franz Müntefering („Jim Knopf auf Valium“) ebenso demontiert wie Angela Merkel („Die Geisha aus der Uckermark“) – die Kanzlerin war, dank blonder Perücke, die einzige neben dem Papst (weiße Kopfbedeckung), der Kröhnert sich durch Requisite optisch näherte. Ansonsten reichten Mimik, Gestik und Sprache. So fielen Michel Friedman als Talkmaster und Boris Becker („Der Pocher is’n Depp!“) eher durch vernebelten Blick auf.

Hinter der Bühne wurde Kröhnert am Tag des Todes von Kabarett-Altmeister Dieter Hildebrandt etwas nachdenklich. Doch Itzehoe gefiel ihm nach wie vor: „Es ist immer wieder schön, hier zu sein, denn das Publikum macht es mir leicht: Itzehoe ist SpItzehoe.“ Das Lob gaben die Zuschauer zurück: „Wie er eine Person manchmal nur durch eine Geste und einen Blick so realistisch trifft, das ist sehr gekonnt“, fand Marlies Witteck-Sachs. Verkleidung sei gar nicht nötig, meinte Brigitta Diederich-Marx. Und Kröhnert schickte Merkels Mundwinkel „dahin, wo sie hingehören: nach unten, ins Souterrain meines Gesichts, denn: Down is beautiful!“

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