Mensch des Jahres : Menschlicher Einsatz versetzt Berge

Nominiert zum Menschen des Jahres stehen sie stellvertretend für alle Ehrenamtler: Dr. Maria Meiners-Gefken, Enno Hafemeister, Dr. Heinz Seppmann und Heiko Schlüter. Die Ehrung überreichten Volker Mehmel (Norddeutsche Rundschau / Wilstersche Zeitung) und Klaus Limberts (Flensburger Brauerei).
1 von 5
Nominiert zum Menschen des Jahres stehen sie stellvertretend für alle Ehrenamtler: Dr. Maria Meiners-Gefken, Enno Hafemeister, Dr. Heinz Seppmann und Heiko Schlüter. Die Ehrung überreichten Volker Mehmel (Norddeutsche Rundschau / Wilstersche Zeitung) und Klaus Limberts (Flensburger Brauerei).

Für seinen Einsatz als ehrenamtlicher Landrat wird Dr. Heinz Seppmann Mensch des Jahres. Er steht stellvertretend für zahlreiche Ehrenamtler im Kreis Steinburg. Propst Dr. Thomas Bergemann würdigt alle Kandidaten als Hoffnungsträger.

I29C2214.jpg von
26. November 2013, 19:42 Uhr

Eine Verwaltung mit über 400 Mitarbeitern, die ehrenamtlich geführt wird? Das kann doch nicht funktionieren. Dr. Heinz Seppmann (72) aus Fitzbek bewies das Gegenteil: Fast 15 Monate füllte er im Kreis Steinburg den unbesetzten Posten des Landrats aus. Jetzt wählten ihn die Leser der Norddeutschen Rundschau und der Wilsterschen Zeitung zu ihrem Menschen des Jahres.

Mit deutlichem Vorsprung setzte sich der 72-Jährige gegenüber den anderen drei Kandidaten durch, die jeweils etwa gleich viele Stimmen erhielten. Enno Hafemeister (16) aus Itzehoe, Dr. Maria Meiners-Gefken (55) aus Krempe und Heiko Schlüter (52) aus Glückstadt sind jedoch keine Verlierer. „Sie vier sind dadurch, dass sie als Kandidaten aufgestellt worden sind, schon geehrt worden“, betonte Propst Dr. Thomas Bergemann gestern in seiner Laudatio im Historischen Rathaus in Krempe.

Der DLRG-Rettungsschwimmer Enno Hafemeister hatte im April einen 64-Jährigen aus der Stör gerettet. Dr. Maria Meiners-Gefken leitet in Krempe den Arbeitskreis „Aktiv ins Alter“ und kämpft gegen den demographischen Wandel. Der Pendler Heiko Schlüter setzt sich für das Bestehenbleiben des Bahnhalts in Glückstadt ein.

Sie alle seien Hoffnungsträger, sagte Propst Dr. Bergemann. „Hoffnung ist ‚not-wendig‘ im wahrsten Sinne des Wortes. Sie wendet die Not.“ Die vier Nominierten hätten gezeigt, was das bedeute. „Sie reden nicht nur, sondern sie handeln.“ Oft genug sei es selbstverständlich, dass Menschen klagend im Selbstmitleid versänken. „Aber durch Klagen ändert sich nichts – jedenfalls nicht zum Guten.“ Da sei es absolut klasse, dass jemand den demographischen Wandel, von dem keiner mehr hören wolle, nicht nur tatenlos bedauere, sondern versuche im Lebensalltag etwas zu verändern. Dass ein Ehrenamtler monatelang an der Spitze einer Verwaltung stehe, sei „ein Paradebeispiel dafür, dass menschlicher Einsatz tatsächlich Berge versetzen kann“, so der Kirchenmann.

Auf der einen Seite würden die vier Kandidaten stellvertretend für alle Engagierten im Kreis Steinburg geehrt. „Auf der anderen Seite sollten Sie sich nicht als Person zurücknehmen. Denn es kommt darauf an, dass es einzelne erkennbare Köpfe gibt, auf die alle schauen können.“

Die Kandidaten selbst hatten den gestrigen Tag der Entscheidung mit Spannung erwartet. Im Klinikum Itzehoe sei er oft auf seine Nominierung angesprochen worden, berichtete Enno Hafemeister, der eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger macht. „Es gab viele Leute, die für mich gestimmt haben.“ Im Mittelpunkt zu stehen sei zwar ungewohnt für ihn, aber es sei ja für eine gute Sache.

Für alle vier Kandidaten ist der ehrenamtliche Einsatz selbstverständlicher Bestandteil ihres Lebens. „Ich war immer in der Kommunalpolitik und im Sport aktiv. Das gehört dazu“, sagt Dr. Maria Meiners-Gefken. Und Heiko Schlüter findet: „Jede Aktion braucht ein Zugpferd, damit sich viele Leute beteiligen.“

Zahlreiche Menschen im Kreis Steinburg würden sich ehrenamtlich engagieren, gab Volker Mehmel, Redaktionsleiter der Norddeutschen Rundschau und Wilsterschen Zeitung zu bedenken. „Ich denke etwa an über 1000 Gemeindevertreter in der Kommunalpolitik.“ Rund 1300 Leser hätten sich an der Abstimmung beteiligt. „Das zeigt, dass die Leistung der Kandidaten gewürdigt wird“, so Volker Mehmel. Zur Nominierung zum Menschen des Jahres gratulierte auch Klaus Limberts von der Flensburger Brauerei, die die Aktion seit vier Jahren unterstützt: „Ihre Ideen und Vorbilder müssen in die Öffentlichkeit getragen werden.“ Dazu wolle sein Unternehmen einen Beitrag leisten.

Alle Lokalzeitungen des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (sh:z) ermitteln derzeit ihren Menschen des Jahres. Wenn alle Sieger feststehen, wird der Wettbewerb auf Landesebene fortgesetzt. Anfang Dezember wird die Abstimmung frei geschaltet, bevor Ende des Jahres ein Gesamtsieger ermittelt wird. „Ich würde mich freuen, wenn der Kandidat aus Ihrer Region möglichst viele Unterstützer findet“, sagte Chefredakteur Dr. Helge Matthiesen.

Für die Ehrenamtler geht unterdessen ihr Einsatz weiter. So wird Heiko Schlüter nächste Woche bei einer Petition im Kieler Landtag für den Glückstädter Bahnhalt kämpfen. Maria Meiners-Gefken hat für ihre Arbeit die Zusage von EU-Fördermitteln erhalten, die neue Tore auftun.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen