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Glückstädter Stadtgeschichte : Menschen müssen ihr Glück wollen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Detlefsen-Schüler zeigen bei der Premiere ein beeindruckendes Schauspiel.

von
erstellt am 08.Okt.2017 | 16:02 Uhr

Generalprobe und Premiere in einem – das gibt es wohl eher selten. Doch für das Stück „Die Stadt und das Glück“ fehlte den jugendlichen Darstellern einfach die Möglichkeit, alle Sequenzen mit allen Akteuren einmal komplett durchzuspielen. Das verriet Textbuchautorin und Mit-Regisseurin Susann Buss bei der Premierenvorstellung am Donnerstag in der Aula des Detlefsengymnasiums.

Vor etwa einem Jahr hatte die Lehrerin die Idee, zum Stadtjubiläum mit den Schülern etwas zur Stadtgeschichte auf die Bühne zu bringen. Entstanden ist daraus das ansprechende und anspruchsvolle Stück „Die Stadt und das Glück“ über die 400-jährige Geschichte Glückstadts.

Mit der rund zweistündigen Premiere überraschten die Schüler des Detlefsengymnasiums ein begeistertes Publikum. Großes hatten sich die Gymnasiasten vorgenommen. Teilweise sehr abstrakt wurde in dem mit viel Musik und Tanz angereicherten Schauspiel die Geschichte der Stadt wiedergegeben. Beeindruckend war vor allem auch, mit wie viel Aufwand das Stück gestaltet war. Zum Einsatz kamen nicht nur zahlreiche Schauspieler, sondern auch Tanz- und TGW-Gruppen, zudem viel multimediale Technik.

Bedrückende Musik kündigte beispielsweise einen der vielen Kriege an, Filmsequenzen demonstrierten Sturmfluten und Fotosequenzen untermalten die Geschichte. Dafür kamen die Schauspieler mit nur wenigen Requisiten aus. Eindrucksvolle Textpassagen, zum Teil angelehnt an historische Dokumente, forderten Schauspieler und Publikum gleichermaßen. Traurige Monologe einer Mutter, die im Krieg ihre erst dreijährige Tochter verlor, oder die Unterhaltung zweier Söldner auf dem Weg zur nächsten Schlacht.

Als Randfiguren beobachteten gleich drei Fortunas die Stadtgeschichte. Im Programmheft werden sie näher beschrieben. Die große, die eigentliche Fortuna, die den Glückstädtern von vielerlei Wappen, Flaggen oder Schriftstücken entgegenblickt. Die kleine Fortuna, das fröhliche Kind, das den Menschen das Glück manchmal gern aufzwingen möchte. Und der männliche Fortunus, der Coole, der sich eigentlich gern aus allem heraushält. Alle drei werfen auf der Bühne einen Blick auf die 400-jährige Geschichte Glückstadts.

Vor allem Kriege beutelte die junge Stadt: der Dreißigjährige Krieg, die Befreiungskriege gegen Napoleon, der so genannte schleswig-holsteinische Einigungskrieg und schließlich zwei Weltkriege. Belagerungen, brennende Häuser, hungernde Glückstädter. Auf der Bühne ließen die Schüler die gebeutelten Glückstädter zu Wort kommen. Auch ehemalige Schüler des Detlefsengymnasiums wurden in Passagen aus Briefen der „Olen Primoner“ aus der Zeit des Nationalsozialismus zitiert. Die kleine Fortuna kann es kaum fassen, wie viele Kriege die Menschen untereinander führen. „Können wir da nicht eingreifen?“, fragte sie sich so manches Mal.

Doch „die Menschen müssen ihr Glück auch wollen“, erklärten ihr die beiden älteren Fortunas. Irgendwann nehmen auch die scheinbar endlosen Kriege ein Ende und es kehrt Ruhe ein in Glückstadt. In einer gemeinsamen Anstrengung bringen die drei Fortunas nun den Menschen das Glück zurück, die an diesem schon gar nicht mehr glauben. Sie trösten die Mutter, die ihr Kind verlor, machen der als Hexe verbrannten Marketenderin neuen Mut und bauen den alten Kriegsveteranen auf, der viel zu viel Leid miterlebt hatte. In der Schlussszene wird die Hoffnung deutlich, dass Glück auch dann passieren kann, wenn man schon nicht mehr daran glaubt und vor allem auch im Kleinen, jederzeit, alltäglich. Für ihre große Leistung, denn die Textpassagen waren nicht nur reichlich, sondern zum Teil auch anspruchsvoll, ernteten die jungen Schauspieler am Ende viel Applaus vom Premierenpublikum. Die Schauspieler gaben gestern noch eine Vorstellung, heute werden werden sie erneut um 19.30 Uhr auf der Bühne im Detlefsengymnasium stehen.

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