zur Navigation springen

Druckerei in Itzehoe : Trauer und Stolz: Die letzte Schicht bei Prinovis

vom

Aus, vorbei: Die Itzehoer Druckerei bei Prinovis schließt für immer. 1000 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Sie fragen sich: Wie geht es weiter?

Itzehoe | Wut und Trauer, aber auch Stolz und Erleichterung – mit gemischten Gefühlen endete die letzte Schicht in der Itzehoer Druckerei Prinovis. Das Werk, das einst als Gruner + Sohn gegründet wurde, und in dem unter anderem Magazine wie Stern, Spiegel und Brigitte gedruckt wurden, schließt für immer. Damit enden 90 Jahre Tiefdruck in Itzehoe. Mehr als 1000 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs.

„Ich falle in ein riesiges schwarzes Loch und bin unendlich traurig, dass es so gekommen ist“, sagte Betriebsrat Torben Mey in seiner Abschiedsrede. Doch bei aller Trostlosigkeit sei er auch froh, dass es endlich vorbei ist. „Die letzte Zeit war nicht mehr schön.“ Doch zur Trauer gehöre auch, sich wieder aufzurichten. Es gehe nun darum, „einen Weg aus der Druckindustrie zu finden“. 120 Beschäftigten ist das bereits gelungen, sie haben andere Jobs gefunden. 408 der 600 festen Prinovis-Mitarbeiter wechseln für zwölf Monate sowie 200 Leiharbeiter für sechs Monate in eine Transfergesellschaft. Rund zwei Dutzend Beschäftigte wechseln ins Prinovis-Werk Ahrensburg.

Ihnen allen gab verdi-Fachbereichsleiter Martin Dieckmann mit auf den Weg: „Ihr seid eine wunderbare Belegschaft. Diese Kameradschaft dürft ihr nie vergessen, egal, wo ihr in Zukunft seid.“ Die Schließung des Werks, die aus rein betriebswirtschaftlichen Gründen beschlossen wurde, sei eine Schande und zeige die „moralische Verkommenheit“ von Großkonzernen wie Bertelsmann, der die Mehrheit an Prinovis hält. Die Schließung sei nicht auf Missmanagement zurückzuführen. „Sie war gewollt. Und ihr ward nur die ersten Opfer.“ Doch Bertelsmann könne zwar Arbeit vernichten, aber nicht die Würde der Mitarbeiter. „Die habt ihr euch nicht nehmen lassen. Seht nicht zurück, aber vergesst nicht Eeure Einigkeit in der Not.“

Auch Bürgermeister Dr. Andreas Koeppen kritisierte den Konzern. Dass sich bis heute kein Vertreter bei der Stadt gemeldet habe, um wenigstens zu fragen, wie vielleicht wieder Arbeitsplätze in der Region geschaffen werden könnten, zeige „wie weit sie von den Menschen weg sind, wie wenig sie sich dafür interessieren, was hier passiert.“

Viele der Mitarbeiter arbeiteten Jahrzehnte in der Druckerei, viele sind älter als 50 Jahre. Für sie ist die Perspektive schlecht: „Jeder, der hier gearbeitet hat und ein bestimmtes Alter hat, geht in die Arbeitslosigkeit“, sagte Henry Sawallisch (54), der 26 Jahre in der Druckerei tätig war. Die letzten drei Wochen seien hart gewesen: „Es hat jeden Tag ein anderer Kollege tschüs gesagt und ist weg. Die sieht man nun nie wieder.“

zur Startseite

von
erstellt am 01.Mai.2014 | 10:13 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen