zur Navigation springen

Friedel Anderson : Meister des genauen Hinsehens

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Großer Andrang zur Ausstellungseröffnung von Friedel Anderson im Wenzel-Hablik-Museum.

Wenn einer der bedeutendsten norddeutschen Künstler ausstellt, drängen sich seine Bewunderer: Das Wenzel-Hablik-Museum konnte gestern den Besucheransturm kaum bewältigen, den Friedel Anderson mit seinen „Arbeiten auf Papier“ auslöste. Der Künstler selbst hatte Mühe, nach der Eröffnung die vielen Signierwünsche zu erfüllen. Anlass ist Andersons 60. Geburtstag, der im November ansteht.

Laudator Erich Maletzke verwies in seiner berühmt launigen Art auf die großen Ereignisse, die ihre Schatten voraus- und nicht hinterherwerfen. Der Autor und Journalist erinnerte an Andersons große Schau auf Alsen, die er vor 14 Jahren ebenfalls als Redner eröffnete. Er regte die Stadt an, die letzten alten Werksgebäude unter Denkmalschutz zu stellen und die Graffiti an den Außenwänden durch Ölgemälde des Künstlers zu ersetzen...

Maletzke ging auch auf die – angesichts der vielen Sammler, die gern echte haltbare Andersons in Öl als Wertanlage kaufen – so profan klingenden „Arbeiten auf Papier“ ein. Diese wurden bislang kaum beachtet und wenig ausgestellt. Das Aquarellieren diene zwar in Hobby-Malkursen oft als Einstiegstechnik, sei dennoch eine der schwierigsten, künstlerischen Formen.

„Wie spontan die Verwandlung des Sehens in Malerei erfolgt, erhellt aus den Aquarellen noch einsichtiger als aus den Gemälden, deren Spontanität durch Änderungen oder Korrekturen überlagert sein kann“, schreibt dazu Heinz Spielmann im Katalog zur Ausstellung. Er betont, dass die Unmittelbarkeit von Sehen und Malen das Nachdenken und das sich selbst Rechenschaft Geben nicht ausschließe, was sich besonders in Andersons Selbstbildnissen durch den Verzicht auf jede Ausgewogenheit des Ausdrucks verrate.

Auch Maletzke hob in seiner Ansprache die Porträts hervor und machte die Besucher auf die kunstvolle Aufwertung des Plagiierens aufmerksam, indem Anderson Selbstporträts anderer Künstler kopiert, vermischt mit eigenen Gesichtszügen. Somit präsentiert die Itzehoer Schau Friedel Anderson als Künstler, dessen „Sicherheit in sich selbst und Sicherheit in der Beherrschung des Metiers keine Effekte und kein Trara“ benötigt, wie Heinz Spielmann darlegt.

Mit ihm schließt sich auch der Kreis zum Museum und Hablik, den Anderson 2005 mit seinen Orientbildern, die auf den Spuren Habliks entstanden, schon künstlerisch aufgriff. Denn Spielmann hat als ehemaliger Leiter des Landesmuseums Schloss Gottorf maßgeblich mit dem damaligen Itzehoer Bürgermeister und jetzigem Stiftungsvorstand Harald Brommer das Hablik-Museum vor fast 20 Jahren auf den Weg gebracht.

Harald Brommer bekannte in seiner Ansprache, dass das Museum alles daran gesetzt habe, dass Andersons Heimatstadt die Geburtstagsfeierlichkeiten eröffnet: „Er ist unser Künstler!“ Er bedauerte aber am Rande, dass die Itzehoer Schau nicht zeitweise parallel zur Anderson-Ausstellung im Landesmuseum laufe, die nun doch erst Ende November startet.

In Itzehoe zeigt Anderson seine leiseren, aber nicht weniger eindringlichen Arbeiten: Aquarelle, die in den vergangenen 20 Jahren entstanden und neben (Selbst)porträts, Stillleben, Alseninterieurs, Wolkenstudien und Impressionen auf einer Werft oder bei einer Orchesterprobe Reiseeindrücke aus unter anderem Venedig und Dresden versammeln. Er erweist sich auch hier als Meister des genauen Hinsehens, dessen sensible Sorgfalt sich bis in die differenzierte Schattengestaltung zieht, sich aber auf den Kern des Wahrgenommenen und nicht auf dessen Abbild konzentriert.


> Zu sehen bis 9. November Dienstag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr, Sonnabend 14 bis 18 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen