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„Mein Zuhause ist dort, wo meine Wagen stehen“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

shz.de von
erstellt am 28.Aug.2015 | 11:37 Uhr

Seit zwölf Jahren lebt Werner Bodeit aus Berlin auf der Straße. Mit seinen drei aneinander gekoppelten Handwagen zieht der 53-jährige Obdachlose von Ort zu Ort. Gestern machte er am WEZ vor dem Edeka-Markt Station und erregte mit seinem urkomischen Gefährt und seinen vier Hunden großes Aufsehen. „Mein Zuhaue ist dort, wo meine Wagen stehen“, erzählt der graubärtige Mann, der zu Fuß mit seinen voll beladenen Wagen unterwegs ist. „Darauf ist alles, was man zum Leben braucht.“

Sein besonderes Steckenpferd: Er sammelt alles, was mit Solarenergie betrieben werden kann. Überall auf seinen Wagen hängen kleine Solarleuchten, Kugellampen und -schirme und Handleuchten. „Damit bin ich unabhängig“, erzählt der Obdachlose und erinnert sich an einen Besuch in Otterndorf. „Nach einem Stromausfall war der ganze Ort dunkel; nur ich hatte Licht“, erzählt er schmunzelnd.

Ein kleines Zelt, Iso-Matte und Schlafsack sind gut verpackt und Dosen mit dem notwendigen Werkzeug jederzeit griffbereit. Begleitet wird er von seinem Schäferhund, einer Berner Sennenhündin und deren zwei Mischlingskinder. Sie wurden wie vielerorts auch in Wilster von fürsorglichen Kunden mit Hundefutter in Dosen und Tüten versorgt, wie auch Werner Bodeit sich über Kekse oder Geldspenden freute.

„Ich liege dem Staat nicht auf der Tasche“, betont er. Er habe auf jegliche staatliche Unterstützung verzichtet, habe zwischendurch mehrfach den einen oder anderen Zufallsjob bis hin zum Malen und Tapezieren übernommen. Vor seinem Zwischenstopp in Wilster hatte er zwei Tage lang an der Honigflether Schöpfmühle pausiert und neue Kraft geschöpft.

Von Wilster, so seine Planung, will der gelernte Sattler über Beidenfleth und die Störfähre nach Glückstadt weiterziehen und dann mit der Elbfähre nach Niedersachsen übersetzen.

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