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KrimiAutorin aus Sommerland : „Mein Krimi ist ein bisschen skurril“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Sommerländer Autorin Nicole Wollschlaeger spricht im Interview über ihren neuen Roman, Kommissar Goldbergs zweiten Fall.

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2017 | 10:55 Uhr

In Ihrer Krimireihe um Kommissar Philip Goldberg ist bereits der Roman „Elbschuld“ erschienen. Darin entscheidet sich der Berliner Kommissar nach einer traumatischen Erfahrung dazu, aufs holsteinische Land zu ziehen und im fiktiven Kophusen eine Dienststelle zu übernehmen. Jetzt gibt es das neue Buch, Elbschmerz. Worum geht es dabei?

Nicole Wollschlaeger: In meinem zweiten Roman ist Philip Goldberg bereits ein Jahr in Kophusen. Er hat sich inzwischen mit seinen beiden Kollegen, dem dienstältesten und etwas klatschsüchtigen Peter Brandt und dem cholerischen Hauke Thomsen, zusammengerauft und übernimmt seinen zweiten Fall. Es geht um einen ehemaligen Kophusener, der nach einigen Jahren zurückkehrt und beschließt aus seinem ehemaligen Elternhaus ein Ayurveda-Zentrum zu machen. Dort verschwindet dann aber plötzlich eine Patientin.

Das klingt eher nach einer humorvollen Geschichte als nach Mord und Totschlag.

Ja, tatsächlich ist „Elbschmerz“ kein klassischer Krimi. Es gibt zwar einen Toten, aber nie einen Mord. Mein Roman ist ein bisschen skurril. Im ersten Band ging es um eine Obsthofbesitzerin, die behauptet, dass ihr verstorbener Mann von den Toten auferstanden ist und sie umbringen will. Dort war es eher die Aufgabe der Polizisten, einen Mord zu verhindern, als einen aufzuklären. Jetzt ist es ähnlich. Es verschwinden nach und nach Personen aus dem Dorf und die Polizisten müssen das Geheimnis dahinter aufdecken.

Sie sind gebürtige Pinnebergerin und leben seit einiger Zeit selbst auf dem Land, in einem alten Reetdachhaus in Sommerland. Haben Sie auch eigene Erlebnisse in Ihre Geschichten einfließen lassen?

Ja, auf jeden Fall. Eigentlich kann man ja nur aus seinem eigenen Kopf schreiben – und deshalb hat jede Figur auch immer etwas von mir oder von jemandem, den ich kenne. Aber es ist jetzt keine Figur, bei der ich sagen würde: Das ist jetzt genau die Person XY. Ich habe allerdings selbst zwei Panchakarma-Kuren in Sri Lanka gemacht und wollte das immer schon mal verwursten. Ich fand es spannend, diesen Hauke Thomsen, der ein ganz realistischer, misstrauischer und cholerischer Typ ist, in diese Ayurveda-Welt zu katapultieren.

Wie ist es für Sie als Frau, sich in einen männlichen Hauptcharakter hineinzudenken?

Ich finde es nicht schwer, vielleicht ist Goldberg für Männer aber auch zu weiblich, das weiß ich nicht. Eine Frau als Hauptfigur fände ich viel schwieriger, da wäre ich zu nah dran. Ein Freund sagte einmal: Goldberg ist so, wie du gerne sein würdest. Ich bin, wie er, eher ruhiger. Aber er ist eher ein Männerbild, das ich gerne sehen würde. Ich habe so eine schöne Liebesgeschichte für Teil Zwei geschrieben – und da habe ich gedacht: So ein Typ, das wäre es doch mal. Da konnte ich meine eigenen Fantasien verarbeiten.

Versuchen Sie denn, Ihre Figuren dem holsteinischen Menschenschlag anzupassen?

Ich kriege tatsächlich schon Fanpost – worüber ich mich sehr freue – und ein Leser hat mir geschrieben, ich hätte den Ton des Nordens total gut getroffen. Das kann ich nicht beurteilen. Ich bin ja selber in Pinneberg geboren, das ist meine Ecke hier. Deshalb mache ich das vielleicht automatisch. Aber ich könnte nicht sagen, was der nordische Ton tatsächlich ist. In meinem Roman kommt höchstens mal ein „Moin“ vor – ansonsten ist er, meiner Meinung nach, nicht besonders typisch nordisch. Aber man findet viele Orte wieder, die Handlung spielt auch mal in Glückstadt, Elmshorn und Pinneberg.

Sie sind gelernte Schauspielerin und Buchhändlerin. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Eigentlich wollte ich immer Schauspielerin werden. Als mich keine Schauspielschule aufnehmen wollte, habe ich nach etwas Konkretem gesucht. Bücher habe ich schon immer geliebt, deshalb habe ich dann die Buchhändlerausbildung gemacht. Nachdem ich ein Jahr Vollzeit gearbeitet hatte, wurde mir aber klar, dass das für die nächsten 40 Jahre nicht das richtige für mich ist. Dann hatte ich das große Glück bei einer Schauspielschule angenommen zu werden und bin Schauspielerin geworden. Ich hatte einige Engagements, in Dortmund und am Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg, und dann haben sich Lesungen ergeben. Dass war ein Geschenk, weil ich nicht ständig umziehen musste und mein eigener Herr war. In Dortmund habe ich dann mit dem Schreiben begonnen. Der Rowohlt Verlag suchte neue Autoren für einen Jugend-Fantasy-Roman. Davon habe ich zwar nie wieder was gehört, aber später habe ich das überarbeitet und an den Carlsen Verlag geschickt. Die haben das als E-Book unter dem Titel „Schatten über Nargon“ herausgebracht und weil mir das Schreiben so einen Spaß gemacht hat, habe ich weiter gemacht.

Warum haben Sie von der Fantasy zu Krimis gewechselt?

Ich wollte etwas für Erwachsene machen. Da ich selber so gerne Krimis lese, habe ich mich eben daran versucht. Das bringt unglaublich viel Spaß und hat auch ganz viel mit der Schauspielerei zu tun. Als Schauspielerin entwickele ich auch eine Figur. Das mache ich beim Schreiben auch nicht anders – nur dass ich denen jetzt auch die Worte in den Mund legen darf.

Wie kommen Ihre Bücher bei den Lesungen an?

Was mich immer fasziniert ist, dass bei meinen Lesungen in der Regel niemand meine Bücher kennt. Aber es kommt sehr gut an, ich bekomme jetzt wieder Einladungen, mit meinem zweiten Roman. Dadurch dass ich Schauspielerin bin, lese ich das mit verschiedenen Stimmen und Requisiten.

Sie verlegen Ihre Bücher über „Books on demand“ selbst. Wie sind Sie dazu gekommen?

Als gelernte Schauspielerin war ich in den letzten acht Jahren mit der Kinderbuchserie „Das magische Baumhaus“ auf Lesereise und habe in ganz Deutschland Lesungen in den Buchhandlungen gemacht. Dadurch habe ich mir unter den Buchhandlungen einen Kundenstamm erlesen. Die buchen mich jetzt immer für meine Krimilesungen. Deshalb brauche ich einen Partner aus dem Buchhandel. „Books on demand“ ist eine Tochterfirma von Libri, einem Barsortimentsunternehmen des Buchhandels. Wenn ich meine Bücher über Amazon drucken würde, würde mich kein Buchhändler zu einer Lesung einladen. Jetzt habe ich jeden Monat eine Lesung in einer anderen Buchhandlung. Die meisten sind in NRW, weil ich dort meine meisten Kunden hatte.

Welche Vor- und Nachteile hat es für Sie, Ihre Bücher selbst zu vertreiben?

„Books on demand“ funktioniert wie die Vertriebssparte eines Verlags. Alles andere muss ich mir selbst einkaufen, wie etwa das Lektorat oder die Gestaltung des Covers. Das ist natürlich ein Nachteil. Der Vorteil dabei ist, dass ich alle Entscheidungen selber treffen kann. Der Frosch, den ich auf dem Cover von „Elbschmerz“ habe, wäre für einen regionalen Krimi niemals durchgegangen. Da wäre dann ein Reetdachhaus oder ein Schaf drauf.“ Außerdem liegt mein Buch auch in bestimmten Buchhandlungen aus, das ist normalerweise als sogenannter Selfpublisher nicht üblich. Es gibt inzwischen auch einen Verlag, der Interesse hätte. Aber im Moment kann ich mich dazu noch nicht entscheiden, weil ein Verlag schließlich auch sehr viel Einfluss nimmt. Es läuft zurzeit gut. Der „Bücherwurm“ in Pinneberg hat zu Weihnachten allein 130 Stück verkauft. Ich kann inzwischen von dem Schreiben leben – wenn auch nicht so, wie ich es mir wünschen würde. Es muss noch mehr werden.

Ist es für Sie von Vorteil, dass Sie in Ihrem Leben schon so viele verschiedene Sachen gemacht haben?

Auf jeden Fall. Ich habe die Buchhändlerseite, wo ich weiß, wie Buchhandel funktioniert. Ich habe das Schauspielerische – sowohl im Kopf, für die Zeichnung der Charaktere als auch, um die Lesungen zu gestalten. Und ich kann für mich ganz viel entscheiden. Das ist sehr schön.
 

Info: Der Krimi „Elbschmerz“ von Nicole Wollschlaeger kann im Buchhandel oder im Internet unter der ISBN 978-3-74-487422-9 für 9,99 Euro bestellt werden. Der erste Roman der Reihe trägt den Titel „Elbschuld“, ISBN 978-3-7412-5552-6 und ist für 9,95 Euro bestellbar. Am 16. Dezember gibt es eine Signierstunde im Pinneberger „Bücherwurm“.

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