Wirtschaft : Meierei will Marktführer werden

Die neue Führung der Horster Meierei, von links: Kay Harder aus Sommerland (Aufsichtsratsvorsitzender), die drei Biobauern Heino Dwinger aus Schmalfeld (Aufsichtsrat), Hans Möller aus Lentföhrden und Achim Bock aus Lutzhorn (beide Vorstand) und Tatjana Tegel aus Quickborn (Aufsichtsrat).
Die neue Führung der Horster Meierei, von links: Kay Harder aus Sommerland (Aufsichtsratsvorsitzender), die drei Biobauern Heino Dwinger aus Schmalfeld (Aufsichtsrat), Hans Möller aus Lentföhrden und Achim Bock aus Lutzhorn (beide Vorstand) und Tatjana Tegel aus Quickborn (Aufsichtsrat).

„De Öko Melkburen“ starten mit viel Elan in einer neue Ära. Auch Verbraucher können in Horster Firma einsteigen.

shz.de von
28. Juli 2014, 16:54 Uhr

Die Horster Meierei ist gerettet, jetzt soll sie wachsen. 1000 Anteilseigner sollen der Genossenschaft in drei bis fünf Jahren ein solides Kapitalpolster verschaffen. Als erste Meierei in Deutschland wollen die Horster Verbraucher am Unternehmen beteiligen: Eine außerordentliche Gesellschafterversammlung hatte beschlosseen, die bundesweit einzige Lieferanten- und Konsumgenossenschaft zu gründen, die eine Molkerei betreibt. Für Sonnabend hatten die Initiatoren der Rettung, die Biomilch-Produzenten „De Öko Melkburen“, in die Meierei eingeladen, um die ersten neuen Mitglieder zu werben. Rund 50 Interessenten waren gekommen, 20 zeichneten Anteile. Mindesteinlage: 539 Euro. Ob diese Investition Rendite abwerfen wird, hängt vom Geschäftsverlauf ab: Geht es gut, gibt es Dividende.

Seit dem Ausstieg der „alten“ Genossen im Frühjahr übernahmen die Biobauern die 123 Jahre alte Meierei, in der sie seit zwei Jahren ihre „Jahreszeitenmilch“ produzieren lassen. Die Auslastung liegt seitdem bei knapp 50 Prozent, die neuen Eigentümer haben jetzt fünf Jahre Zeit, sich neue Lieferanten für Rohmilch zu suchen. „Wir sehen da keine Probleme“, erklärte am Sonnabend Achim Bock, Bio-Milchbauer aus Lutzhorn und Vorstand der Genossenschaft.

Mit der Fortführung der Horster Meierei bleiben zehn Arbeitsplätze im Ort erhalten. Neuer Betriebsleiter ist Maik Berger, der seit acht Jahren in der Molkerei arbeitet. Mit der Betonung des Regionalen und hochwertigen Produkten, die in einer Bio- und in einer konventionellen Linie produziert werden sollen, verbinden die Betreiber große Ziele: „Wir wollen in drei bis fünf Jahren Marktführer werden im Bereich der Frischmilch“, erklärte Vorstand Hans Möller.

An der Entwicklung der Meierei sollen sich die Verbraucher beteiligen. Das ist die Grundidee der neuen Chefs in Horst. Sie haben die Horster Firma in Deutschlands erste und einzige Meierei umgewandelt, die als Lieferanten- und Konsumgenossenschaft organisiert ist. Tausend Genossen will Vorstand Hans Möller in den kommenden drei bis fünf Jahren am Unternehmen beteiligen, darunter „mindestens 20 bis 30 Landwirte“. Alle Genossen gemeinsam bestimmen in der Generalversammlung die großen Linien.

Bis zum Frühjahr gehörte die Horster Meierei den Landwirten, die sie belieferten. Rund 30 Genossen waren das, aber die wechselten allesamt zur Konkurrenz, zur Breitenburger Milchzentrale. Als Retter in der Not sprangen die „Öko Melkburen“ ein. Das sind drei Bio-Milchbauern, die ihre „Jahreszeitenmilch“ seit 2012 in Horst produzieren lassen. Denn dort fanden sie die einzige Meierei weit und breit, die ihre Milch nur pasteurisierte und nicht ultrahoch erhitzte, wie es bei der „länger haltbaren“ Trinkmilch passiert. Die „Öko Melkburen“ Hans Möller aus Lentföhrden und Achim Bock aus Lutzhorn bilden jetzt den Vorstand der Horster Meierei. Ihr Kollege Heino Dwinger aus Schmalfeld sitzt gemeinsam mit dem Banker Kay Harder aus Sommerland und Tatjana Tegel aus Quickborn im Aufsichtsrat.

In den kommenden Monaten soll sich das Outfit der Horster Produkte verändern, die Agentur der Öko Melkburen sitzt schon an Entwürfen. Im Herbst sollen die Verkaufspreise für Milch, Butter, Buttermilch und Schlagsahne steigen, damit die Meierei Rücklagen für Investitionen bilden kann. Außerdem sollen ab Herbst Joghurt und Quark hergestellt werden, allerdings zunächst nur für Großkunden.

Einiges haben die Biobauern schon angeschoben: Sie haben rund 200 000 Euro in die Technik investiert.Und: Die Milch aus Horst trägt jetzt das Gütesiegel Schleswig-Holstein. Auch konventionelle Bauern waren gekommen, um die Meierei zu unterstützen, und ein Biobauern-Paar aus Hohenfelde, das Rinder züchtet. Jürgen Dammers aus Quickborn, Mitglied im Kreisvorstand des BUND, überlegte, ob der ganze Umweltverband Anteile zeichnen soll. Nabu-Mitglied Hans-Peter Lohmann aus Barmstedt betonte: „Der Nabu steht komplett dahinter“ und zeichnete selbst Anteile. Jörn Plöger, Horsts stellvertretender Bürgermeister, äußerte sich „heilfroh, dass die Meierei weitergeführt wird“.

Aktuell werden in Horst rund sechs Millionen Liter Milch pro Jahr verarbeitet, damit ist die Meierei halb ausgelastet. „Wir müssen auf 14 Millionen Liter kommen“, gab der Aufsichtsratsvorsitzende Kay Harder als Ziel vor. Das entspricht der Leistung von gut 2000 Kühen.

>

www.meierei-horst-eg.de
> www.deoekomelkburen.de

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