Mehrfachtäter muss hinter Gitter

Urteil im Landgericht: Mehr als vier Jahre Haft für 25-jährigen Itzehoer

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17. Dezember 2014, 05:00 Uhr

Er überfiel bewaffnet drei ältere Itzehoerinnen, ebenso den Top-Kauf in Oelixdorf, und er versuchte, die eigenen Adoptiveltern zu erpressen – dafür ist ein Itzehoer (25) gestern am Landgericht verurteilt worden. Der Vorsitzende Richter Klaus Emmermann und die Große Strafkammer schickten ihn für vier Jahre und drei Monate ins Gefängnis.

Beim Überfall auf den Top-Kauf am 3. Juli dieses Jahres war ein Kumpel, ebenfalls 25, beteiligt. Er kam mit einem blauen Auge davon, wohl nicht zuletzt, weil er 300 Meter vom Tatort entfernt im Fluchtwagen gewartet hatte. Von den 1800 Euro Beute bekam er 400 Euro ab. Selbst Staatsanwalt Thorsten Schwarzer sah ihn nach viertägiger Beweisaufnahme nur der Beihilfe für schuldig. Der 25-jährige Ex-Soldat kam mit 15 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung davon und nahm das Urteil an. Als Auflage muss er 100 Sozialstunden ableisten.

Für den Haupttäter klickten bereits am 8. Juli die Handschellen, seither saß er in Untersuchungshaft. Vor allem bei ihm blieb das Gericht weit unter dem Antrag des Staatsanwalts, der sechseinhalb Jahre Haft gefordert hatte. Während sein Kumpan das Schlusswort nutzte, um noch einmal seine Reue zu bekunden und sich für die Tat zu entschuldigen, schwieg der Haupttäter bis zuletzt. Sein Freund aber hatte ihn schwer belastet, Zeugen hatten ihn wiedererkannt, er selbst hatte vor dem Haftrichter die versuchte Erpressung seiner Eltern und den Überfall auf den Top-Kauf gestanden. Über alles andere redeten die beiden Täter offen am Telefon miteinander und befürchteten zugleich, sie könnten abgehört werden – zu Recht.

Staatsanwalt und Richter wiesen noch einmal auf die erhebliche psychische Belastung hin, unter der ihre Opfer noch heute leiden. Immer noch kann eine 64-jährige Bekannte der Mutter des Haupttäters nicht die Tür aufschließen. Sie hatte er in ihrem Haus überfallen, mit vorgehaltener Waffe EC-Karte und PIN abgepresst. In ihrer Aufregung nannte die Frau dem Kriminellen eine falsche Geheimzahl, so blieb es mangels Beute beim Tatversuch.

Das erste Opfer, eine 52-jährige Itzehoerin, zwang der Haupttäter in einer Itzehoer Bankfiliale mit vorgehaltener Waffe, 500 Euro von ihrem Konto abzuheben. An Silvester suchte der Räuber dann die 52-jährige bei deren Mutter auf und entschuldigte sich für die Tat – wenige Stunden später war er aber zurück und presste der Seniorin ebenfalls 500 Euro ab. Da das Opfer an Demenz litt, war sich die Kammer nicht sicher, was den Einsatz einer Waffe anging.

So blieb der Überfall auf den Top-Kauf die einzige schwere räuberische Erpressung, die ohne Milderungen abgeurteilt wurde. Hinzu kam eine versuchte Erpressung: Der 25-Jährige hatte den Schmuck seiner Adoptivmutter gestohlen und 2000 Euro für die Rückgabe gefordert, aber nicht erhalten. Das Band ist offenbar zerschnitten: Während der Mittäter im Publikum einen Kumpel sitzen hatte, der ihm seelischen Beistand leistete, kam aus der Familie des Haupttäters niemand ins Gericht.

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