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Norddeutsche Rundschau

15. Dezember 2017 | 23:25 Uhr

Kontrollen : Mehr Sicherheit auf Knopfdruck

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die jährliche Steinburger Behördenleiterkonferenz macht deutlich: Schutzmaßnahmen für Verwaltungsmitarbeiter sind notwendig.

von
erstellt am 12.Aug.2015 | 17:00 Uhr

Kreis Steinburg | Im Januar 2012 erschießt Rudolf U. in Dachau einen jungen Staatsanwalt, auch der Richter sollte sterben. Das Motiv: Hass auf die Justiz. Das Urteil: lebenslang. April 2013: In seinem Büro wird der Hamelner Landrat Rüdiger Butte erschossen, anschließend tötet sich der 74-jährige Täter selbst. Grund soll Ärger mit der Verwaltung gewesen sein. In Rendsburg erschießt der Steuerberater Olaf L. im September 2014 einen Finanzbeamten. Das Urteil: lebenslang.

Es sind solche Fälle, die Konsequenzen erfordern. Und es sind immer wieder Auseinandersetzungen, die Mitarbeiter in den Verwaltungen an ihre Grenzen stoßen lassen. „Der Umgangston wird rauer“, stellt denn auch Steinburgs Landrat Torsten Wendt fest. Das hätten seine Mitarbeiter in den vergangenen Jahren verstärkt festgestellt. Auch aus diesem Grund hatte der Landrat die Behördenleiterkonferenz, das jährliche Treffen der Behördenchefs im Kreis Steinburg, unter das Motto „Sicherheit von Mitarbeitern im öffentlichen Dienst“ gestellt.

An den Gerichten in Itzehoe gehören die Eingangskontrollen inzwischen zum Alltag. Sabine Wudtke, Direktorin des Amtsgerichts und Gastgeberin der diesjährigen Konferenz, überlässt es den geschulten Augen und der Erfahrung des Wachpersonals, wer am Eingang kontrolliert wird. Während der Öffnungszeiten seien immer zwei Personen an der Eingangskontrolle tätig. Ein Metalldetektor verrät verdächtige Gegenstände, im Einzelfall wird per Hand nachkontrolliert. Gefährliche Gegenstände werden einbehalten. Werden verbotene Waffen entdeckt – „auch das ist schon vorgekommen“, so Wudtke –, werden diese der Polizei übergeben. Sollte eine Situation doch mal eskalieren, „ist unser Wachpersonal gut geschult“. Und für den Notfall gibt es auch noch einen versteckten Alarmknopf.

Direktor Frank Knoblich verfügt am Sozialgericht über eine geringere Ausstattung mit Wachpersonal. „Aber das ist angesichts des Gefahrenpotenzials und der Größe des Gerichts auch ausreichend.“ Die Akzeptanz der Kontrollen sei inzwischen recht groß, so Knoblich, „aber das ist kein Wunder, schließlich wird man ja auch bei jedem Flug kontrolliert“.

Landgerichts-Präsident Bernhard Flor hatte anfangs Bedenken, als die Sicherheitsschleuse eingerichtet wurde, schließlich sei das Landgericht ein offenes Gebäude und für die Bürger zugänglich. „Inzwischen bin ich überzeugt, dass unsere Besucher damit kein Problem haben. Das liegt aber auch an unserem Wachtmeister, der die Besucher fast schon begrüßt wie ein Hotelier.“

Aber nicht nur die Gerichte haben vorgesorgt. Auch Einrichtungen wie Arbeitsagentur, Jobcenter, Finanzamt und sogar die Industrie- und Handelskammer, Zweigstelle Elmshorn, haben immer wieder Ärger mit aggressiven Klienten. Im Jobcenter, berichtet Geschäftsführer Martin Görtzen, gebe es in jedem Zimmer ein Rufsystem, mit dem Kollegen im Eskalationsfall zur Hilfe gerufen werden könnten. Zudem würden in jedem Raum grundsätzlich zwei Fluchtwege bereitstehen. „Die Arbeitssicherheit hat bei uns einen hohen Stellenwert“, so Görtzen. Denn immer wieder komme es vor, dass jemand die Tür knallt, Pflanzen herausreißt oder einen Stuhl wirft. Die Sanktionen reichen von einer deutlichen Ansage über ein Hausverbot bis hin zur Anzeige. Alarmknöpfe unterm Schreibtisch oder eine Alarmierung über eine Tastenkombination mit dem Computer hätten alle Verwaltungen eingerichtet. Allerdings hätten sich die meisten Entgleisungen bisher im verbalen Bereich und nicht körperlich zugetragen. Und alle Behördenleiter lobten in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit mit der Polizei. „Die ist für dieses Thema sensibilisiert und meistens sehr schnell vor Ort, wenn wir sie brauchen“, berichtet Martin Görtzen von seinen Erfahrungen.

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