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Kreispolitik : Mehr Platz für Akten – und für Kinder

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Diskussion um den Itzehoer Kreishaus-Neubau geht in die nächste Runde. Die Verwaltung meldet zusätzlichen Raumbedarf an - und der Kreis will ein weiteres Gebäude kaufen.

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2013 | 05:00 Uhr

Während die Gestaltung der künftigen Kreishaus-Fassade noch völlig offen ist, wird von der Verwaltung schon fleißig an den Details gefeilt. Das Bauamt präsentierte den Mitgliedern des Bauausschusses jetzt eine genaue Raumplanung. Danach geht der tatsächliche Bedarf über die ursprünglichen Pläne hinaus. So werden acht zusätzliche Büroräume sowie Platz für 181 laufende Meter Akten und ein 17 Quadratmeter großer Lagerraum benötigt. Hinzu kommt ein Multifunktionsraum, der es Mitarbeitern ermöglichen soll, im Notfall auch einmal die eigenen kleinen Kinder zur Arbeit mitbringen zu können. Der genaue Raumbedarf ist laut Verwaltung Grundlage für alle weiteren Planungen und die Ermittlung genauer Kostenschätzungen.

Aus den Reihen der Politik wurde prompt zusätzlicher Beratungsbedarf in den Fraktionen angemeldet. Spürbar wurde in einer kurzen Diskussion aber schon die Angst vor einer möglichen Kostenexplosion. „Durch das Bürgerbegehren kriegen wir vielleicht eine Million Euro zusätzlich für die Fassade an die Backe und dann noch einen siebenstelligen Betrag für einen Keller“, schwant Willi Göttsche (FDP) kostenträchtiges Unheil.

Wie andere Kreistagsabgeordnete erinnerte auch Volker Susemihl (SPD) noch einmal an die von der Politik ausgegebene Obergrenze von 15 Millionen Euro Gesamtkosten. Der Sozialdemokrat hielt sich aber auch schon ein Hintertürchen auf: „Wenn wir was Vernünftiges wollen und es am Ende doch teurer wird, müssen wir eben in den sauren Apfel beißen.“

Erstaunlich war für eine Reihe von Abgeordneten offenbar der von der Verwaltung als dringend angemeldete Raumbedarf für die Unterbringung von Akten. Peter Mohr erinnerte an das Schlagwort vom „papierlosen Büro“. Bislang hat die Einführung elektronischer Datenverarbeitung aber offenbar genau das Gegenteil erzeugt. Bauamtsleiterin Ute Spieler: „Seit 20 Jahren arbeiten wir mit der EDV. Seitdem sind die Akten immer dicker geworden.“ Mitarbeiter der Verwaltung haben in ihren Räumen nun mit dem Zollstock nachgemessen. Am Ende kamen 181 Meter Akten heraus, die irgendwo untergebracht werden müssen.

Umstritten ist nun vor allem eine Vollunterkellerung des Neubaus. „Das wird doch nur feucht und moderig“, befürchtet Heinz Seppmann. Ute Spieler wies hingegen auf die sehr guten Erfahrungen mit dem staubtrockenenen Keller des Kreisbauamtes hin. Seppmann brachte noch einen anderen Lösungsansatz in die Diskussion: „Man muss auch mal etwas wegwerfen können.“

Vorsorglich wird der Kreis jetzt aber schon einmal das Nachbargebäude Bahnhofstraße 25 kaufen, das laut Ute Spieler auch in die aktuellen Planungen schon mit einbezogen ist. Vorgesehen ist ebenfalls der komplette Abriss des genau zwischen Bahnhofshotel und altem Landratsamt gelegenenen Bollhardt’schen Gebäudes. Parallel dazu werden mit Blick auf das Bürgerbegehren (siehe auch Infokasten) aber auch die genauen Kosten für den Erhalt beider Fassaden ermittelt. Für diesen Fall gab es jetzt sogar schon umfangreiche Voruntersuchungen. Dabei hat sich laut Bauamt herausgestellt, dass das Bahnhofshotel nicht tief gegründet ist. Bei einem Fassadenerhalt seien daher zusätzliche Unterfangungsmaßnahmen notwendig. Auch müsse die Front während der Bauphase mit mächtigen Stahlstützen zur Straße hin abgesichert werden. Entsprechende Vorschläge machte ein Statiker. Auch dafür werden noch die Kosten ermittelt.

Während bei der Kreishaus-Planung noch vieles im Fluss ist, denkt Willi Göttsche sogar schon weiter. Der Neubau, so die Anregung des FDP-Sprechers, müsse auch Drittnutzungsfähig sein – wohl für den Fall, dass der Kreis die Räume eines Tages mal nicht mehr benötigt.

Bürgerbegehren kostet 70 000 Euro

Parallel zu den Detailplanungen laufen die Vorbereitungen für ein mögliches Bürgerbegehren zum Erhalt der Fassade des alten Bahnhofshotels weiter. Kreisdezernent Dr. Friedrich Stork bezifferte die Kosten allein für die kreisweite Abstimmung auf rund 70 000 Euro. In der ersten Stufe benötige die Initiative rund 5500 Unterschriften aus dem gesamten Kreisgebiet. Kommen die zusammen, würden für ein Bürgerentscheid (2. Stufe) rund 11 000 Stimmen benötigt. Das entspricht dann zehn Prozent der Steinburger Wahlberechtigten. Bis Ende September will der Kreis seine Zahlen zu den Mehrkosten für einen Fassadenerhalt vorlegen. „In der heißen Phase beginnen wir dann auch mit intensiver Öffentlichkeitsarbeit“, so Stork. Offen ist noch, wie lange das Unterschriftensammeln dauern kann. Laut Gemeindeordnung wird dafür eine Zeitspanne von sechs Monaten eingeräumt. In der Kreisordnung steht dazu allerdings nichts drin. Aus den Reihen der Politik bekommt die Initiative schon im Vorfeld mächtig Gegenwind. „Es muss klar sein: Wenn das Bürgerbegehren Erfolg hat, muss das Kreishaus an anderer Stelle gebaut werden“, warnte Peter Mohr (CDU) vor einer Kostenexplosion. FDP-Sprecher Willi Göttsche pflichtete dem bei: „Diese Leute müssen wissen, womit sie spielen.“ Dr. Heinz Seppmann (CDU) warf sogar schon diese Frage auf: „Können die Damen, die das angezettelt haben, eigentlich auch in Regress genommen werden?“

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