Arbeitsmarkt : Mehr Ausbildung, weniger Arbeitslose

Ronald Geist, Leiter der Agentur für Arbeit in Heide, berichtet über die Situation auf dem Arbeitsmarkt.
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Ronald Geist, Leiter der Agentur für Arbeit in Heide, berichtet über die Situation auf dem Arbeitsmarkt.

Leiter der Arbeitsagentur setzt auf die Arbeitgeber im Kreis Steinburg. Prinovis-Schließung ist nach wie vor eine Herausforderung für die Region

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06. Januar 2015, 17:28 Uhr

Der Arbeitsmarkt ist in Bewegung. Zwar sind die Arbeitslosenzahlen konstant bis sinkend. Aber regional waren in den vergangenen Monaten einige Tiefschläge zu verkraften – auch und vor allem im Kreis Steinburg. Im Interview spricht Ronald Geist, Leiter der Heider Arbeitsagentur, die auch für den Kreis Steinburg zuständig ist, über die Prinovis-Schließung, die Prokon-Insolvenz und die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt.

Das zentrale Thema auf dem Arbeitsmarkt war im vergangenen Jahr die Schließung der Druckerei Prinovis. Was konnte die Arbeitsagentur für die ehemaligen Beschäftigten erreichen?

Ronald Geist: Die Schließung der Druckerei Prinovis ist nach wie vor eine große Herausforderung für die Region und den regionalen Arbeitsmarkt. Rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben bis zur Schließung des Werkes noch bei Prinovis gearbeitet. Knapp 200 haben bereits eine neue Tätigkeit gefunden oder orientieren sich beruflich noch mal neu und absolvieren mit unserer Unterstützung eine neue Ausbildung. Das heißt, für jeden Dritten hat sich bislang eine neue Perspektive eröffnet. Die fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem eigens eingerichteten Prinovis-Team suchen gemeinsam mit der Transfergesellschaft natürlich weiterhin nach passenden Arbeitsstellen und beraten die rund 400 ehemaligen Beschäftigten zu beruflichen Alternativen.


Wie hat sich der Arbeitsmarkt ansonsten im vergangen Jahr in Steinburg entwickelt?

Der Arbeitsmarkt in Steinburg war 2014 stabil. Die Auswirkungen der Prinovis-Schließung bilden sich bisher nur schwach ab, da sich die meisten der Beschäftigten noch in der Transfergesellschaft befinden.

Die Prokon-Insolvenz war im letzten Jahr ebenfalls eine große Herausforderung für die Region. Mit dem Insolvenzverfahren konnten die Geschäfte jedoch erfreulicherweise stabilisiert werden und ich blicke hoffnungsvoll in die Zukunft, dass es zu keinen weiteren Entlassungen in größerem Umfang kommen wird.

Bei der Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung hat sich der leicht positive Trend aus den Vorjahren fortgesetzt. Hier muss man jedoch nach Vollzeit und Teilzeitstellen unterscheiden. Die Teilzeitbeschäftigung steigt an, während die Vollzeitbeschäftigung leicht rückläufig ist. Aktuell arbeiten 36  236 (30. Juni 2014) Beschäftigte in Steinburg sozialversicherungspflichtig.

Sorge bereitet mir nach wie vor die Entwicklung der Langzeitarbeitslosigkeit. Wir werden weiterhin gemeinsam mit dem Jobcenter intensiv daran arbeiten, mehr Menschen aus der Langzeitarbeitslosigkeit wieder den Weg in den Arbeitsmarkt zu ebnen.

Welche Tendenz sehen Sie für 2015?

Mit dem Ende der Transfergesellschaft für die ehemaligen Prinovis-Beschäftigten rechne ich mit einem leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit. Bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung erwarte ich eine Fortführung des positiven Trends. Auch bei der Ausbildungsbereitschaft setzte ich darauf, dass die Steinburger Unternehmen sich weiterhin so vorbildlich um die Ausbildung von Jugendlichen kümmern wie in der Vergangenheit. Unter den Arbeitsagenturbezirken bilden die Arbeitgeber in unserer Region bundesweit – im Verhältnis zu den Beschäftigten – die meisten Auszubildenden aus. Hierfür möchte ich an dieser Stelle auch meinen herzlichen Dank an die Steinburger Ausbildungsbetriebe aussprechen. Durch dieses Engagement bleiben Jugendliche – und zukünftige Fachkräfte – in der Region.

Zum Stichwort Fachkräfte: Hat sich der Fachkräfteengpass seit dem letzten Jahr bereits verschärft?
Nein, im Vergleich zum Vorjahr haben sich hier kaum Veränderungen ergeben. Noch sind die Entlasszahlen der Schülerinnen und Schüler recht konstant. In den nächsten Jahren werden diese jedoch deutlich zurückgehen, während sich gleichzeitig vermehrt lebensältere Fachkräfte in den Ruhestand verabschieden. Daher ist es so wichtig, dass kein Jugendlicher nach der Schule ohne berufliche Perspektive bleibt. Wir können es uns sozial – wie auch im Hinblick auf den demografischen Wandel – nicht leisten, Jugendliche ohne Ausbildung in die Arbeitswelt zu entlassen. Aber auch andere Personengruppen wie Ältere, Geringqualifizierte und Langzeitarbeitslose profitieren aktuell noch zu wenig von der wirtschaftlichen Entwicklung. Wir unterstützen die Betroffenen daher mit individuellen Beratungen und Förderungen, damit sie wieder am Arbeitsleben teilnehmen können und nicht dauerhaft auf staatliche Unterstützung angewiesen sein müssen.

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