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Neuer Leiter : Mehr als 30 000 Verfahren pro Jahr

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Uwe Dreeßen ist der neue Leiter der Staatsanwaltschaft Itzehoe. Er spricht über Arbeitsschwerpunkte und zunehmende Kriminalität.

Heute übernimmt Uwe Dreeßen die Leitung der Staatsanwaltschaft Itzehoe. Der 63-Jährige ist Nachfolger von Wolfgang Zepter, der seit Anfang dieses Jahres Generalstaatsanwalt des Landes Schleswig-Holstein ist. Wir sprachen mit dem Leitenden Oberstaatsanwalt über Schwerpunkte seiner Arbeit und zunehmende Kriminalität, besonders in den Bereichen Wohnungseinbrüche und Internet.

Hat Sie die Ernennung zum Leiter der Staatsanwaltschaft Itzehoe überrascht?
Ich hatte zwar gehofft, die Nachfolge von Herrn Zepter antreten zu können. Aufgrund meines Alters hatte ich allerdings Zweifel und die Ernennung kam dann doch etwas überraschend. Meine Dienstzeit kann allerdings um maximal drei Jahre verlängert werden. Ich kann mir vorstellen, von dieser Option ganz oder teilweise Gebrauch zu machen, sofern das Ministerium dem zustimmt.

Wo werden Sie als Leiter der Behörde ihre Schwerpunkte setzen?
Ich habe nicht vor, groß etwas zu verändern, sondern werde die bewährte Linie meines Amtsvorgängers fortsetzen – es sei denn, eine veränderte Lage erfordert neue Schwerpunkte. Ich übernehme eine intakte Behörde mit engagierten und motivierten Mitarbeitern, die insgesamt ein hohes Niveau haben. Ich will das Behördenschiff weiter im ruhigen Fahrwasser steuern und werde wie schon bisher guten und engen Kontakt zur Polizei, aber auch zu den Gerichten halten.

Manchmal gibt es Klagen, zwischen Ermittlung von Tätern und Gerichtsprozess liegt eine zu lange Zeit. Liegt das auch am fehlenden Personal?
Personal kann man nie genug haben. Aber die Dauer der Verfahren resultiert eher aus der Komplexität der zu klärenden Sachverhalte und dem Umfang der deswegen erforderlichen Ermittlungen, als aus einem Mangel an Mitarbeitern. Wir müssen mit dem Personalbestand arbeiten, den wir haben. Und bislang haben wir damit die uns gestellten Aufgaben, wenn auch unter Mühen, erfüllen können.

Wie sieht denn die Arbeitsbelastung Ihrer Behörde aus?
Pro Jahr gehen bei uns mehr als 30  000 Ermittlungsverfahren ein. Davon können viele jedoch zügig erledigt werden. Die 26 Staatsanwälte haben im Schnitt zirka 60 Neueingänge pro Monat zu bearbeiten, die neun Amtsanwälte gut die doppelte Anzahl. Die Kriminalität im Landgerichtsbezirk Itzehoe ist im Verhältnis zur Bevölkerungszahl nicht höher als andernorts in Schleswig-Holstein.

In jüngster Zeit häufen sich die Meldungen über Wohnungseinbrüche – auch im Kreis Steinburg. Wie sehr ist die Staatsanwaltschaft mit diesen Fällen beschäftigt?
Die Wohnungseinbrüche haben in der Bevölkerung für eine erhebliche Unruhe gesorgt. Deshalb haben wir – in Abstimmung mit der Polizei – einen Schwerpunkt auf dieses Deliktsfeld gelegt. Jede Strafverfolgung setzt aber voraus, dass Tatverdächtige ermittelt werden. Die meisten Einbrecher bleiben leider unerkannt, es sind oft reisende Täter, die wenig Spuren hinterlassen. Umso mehr konzentrieren wir uns auf die Fälle, in denen wir Tatverdächtige haben und erwirken bei Vorliegen der Voraussetzungen auch Haftbefehle. Dies scheint sich in den einschlägigen Kreisen auch herumgesprochen zu haben und bereits Wirkung zu zeigen.

Gibt es daneben weitere Delikte, mit denen sich die Staatsanwaltschaft zunehmend beschäftigen muss.
Ja. Mit der Internetkriminalität, die macht uns Sorgen. Leider sind hier die Täter ganz schwer zu ermitteln. Oft bedarf es dabei langwieriger Rechtshilfeersuchen an ausländische Behörden. Für einige Deliktsfelder haben wir auch Sonderdezernate eingerichtet, so unter anderem für Sexualdelikte, organisierte Kriminalität, Betäubungsmitteldelikte und auch unter dem Stichwort „Seniorenschutz“. Dem liegt das Phänomen zugrunde, dass ältere Menschen zunehmend gezielt von Betrügern als potentielle Opfer identifiziert und zum Beispiel mit dem bekannten Enkeltrick um ihr Geld gebracht werden.

Wie sieht es mit den Flüchtlinge aus? Bereitet Ihnen die zunehmende Zahl Probleme?
Eine vermehrt von Flüchtlingen ausgehende Kriminalität haben wir hier in der Praxis bislang nicht feststellen können. Ebenso wenig ist hier eine Zunahme fremdenfeindlicher Taten, insbesondere zum Nachteil von Flüchtlingen, zu verzeichnen. Ich hoffe, dies bleibt auch so. Wir werden die Situation aber genau beobachten und gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen.




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erstellt am 01.Mär.2016 | 12:00 Uhr

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