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Norddeutsche Rundschau

13. Dezember 2017 | 16:47 Uhr

porträt : Mediziner mit dem Blues im Blut

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Big Tom Dr. Thomas Theisen hat sich in der Musikszene der Region etabliert. Für seine Bluesklänge hat er 20 Gitarren.

shz.de von
erstellt am 29.Aug.2014 | 12:00 Uhr

Big Tom galt lange Zeit als Geheimtipp in der Itzehoer Musikszene. Längst ist dieser Tipp aber nicht mehr geheim. Der Mann mit der markanten Stimme, bürgerlicher Name Dr. med. Thomas Theisen, ist mittlerweile ein beliebter Musiker in der Kreisstadt.

Geboren in Trier, zog Theisen 1971 mit seiner Familie nach Niedersachsen. Dort begann er, sich mit Musik auseinanderzusetzen – in Form von Akkordeonunterricht: „Das hieß drei Jahre lang Shantys und Operetten“, sagt der 53-jährige Musiker lachend. Heute bewegt er sich mit Gitarre und Gesang im Bereich des akustischen Blues. Zu dieser Stilrichtung kam er ungefähr mit 15, unter anderem durch einen Fernsehgitarrenkurs. Schnell wurde klar, dass er Musik machen und diese auf die Bühne bringen wollte. Das ist nun 35 Jahre her: „Mein erstes Plakat ist von 1979.“

1981 setzte sich Big Toms Wanderung gen Norden fort: Er begann ein Medizinstudium in Hamburg. „Ab 1983 konnte ich einen großen Teil meines Studiums mit Musik finanzieren“, erinnert er sich. Onkel Pö, Café Stern, Remter – „ich habe da auch noch einen Teil der alten Hamburger Szene kennen gelernt“.

Nach dem Studium folgte die Promotion und im Anschluss daran die Arbeit als Arzt in der Industrie. 1990 schloss Theisen seine erste Ehe, die zwei Söhne hervorbrachte. Beiden vererbte er sein musikalisches Talent. Einer spielt Klavier, der andere Mundharmonika. Fünf Jahre nach der Hochzeit produzierte Big Tom seine erste CD, das Live-Album „Big’n’Blue“. „Es musste eine Live-CD werden. Ich bin Livemusiker. So definiere ich mich“, unterstreicht Theisen.

1997 zog er das erste Mal nach Schleswig-Holstein, spielte aber bereits seit seinen Hamburger Zeiten regelmäßig in Itzehoe. Ab 2005 arbeitete und lebte er in Belgien und anschließend in Aachen, kehrte aber 2008 zurück in den Norden, erst nach Hohenfelde (Ostsee) und dann nach Münsterdorf.

Warum der Kreis Steinburg? Es habe viele alte Verbindungen in die Itzehoer Musikszene gegeben, und er habe gern in der Nähe Hamburgs, aber ländlich leben wollen, so Theisen. In seinem Haus in Münsterdorf wohnt er nach zwei Ehen allein mit seinen Gitarren. Davon hat er 20 Stück und erläutert den Grund einleuchtend: „Weil ich mir keine 30 leisten kann.“ Wieder ernsthaft: „Am Anfang sucht man nach der einen Gitarre, auf der man spielen kann – die gibt es aber nicht. Deswegen deckt man dann die verschiedenen Bereiche mit verschiedenen Gitarren ab.“

Über seine Faszination für den Blues sagt Big Tom: „Blues ist die Wurzel der heutigen Unterhaltungsmusik.“ Zudem spielten zentrale Emotionen in der Musikrichtung eine große Rolle: „Diese Emotionen hat man aus dem Leben. Es geht um Liebe, Leidenschaft, Tod. Jeder hat diese Dinge mal erlebt. Das macht den Blues so universell.“

Künftig will Big Tom wieder mehr Konzerte geben, auch in der Region. Die Musik sei seine „mentale Zahnbürste“, doch Berufsmusiker möchte der Mediziner nicht sein: Er will keine Musik machen müssen, und Authentizität ist ihm sehr wichtig: „Es ist für alles, was man macht, wichtig, authentisch zu sein – und beim Blues vielleicht noch ein bisschen mehr.“

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