Medien-Experte: „Guckt, dass eure Kinder richtige Freunde haben“

Prof. Heinz Buddemeier
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Prof. Heinz Buddemeier

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23. Juni 2014, 05:00 Uhr

Ist der Umgang mit neuen Medien wirklich so schädlich für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, dass man sie eindringlich warnen muss? Ein klares, wissenschaftlich begründetes „Ja!“ lieferte Medienwissenschaftler Professor Heinz Buddemeier (Foto).

Er hielt einen polarisierenden Vortrag zum Thema „Computerspiele, Handys, soziale Netzwerke - Risiken und Gefahren“ im katholischen Familienzentrum St. Ansgar, organisiert durch die Kibis, den Gesundheitstreff und die Mentoren Itzehoe. Dabei stützte er sich auf zahlreiche Studien insbesondere aus der Medizin und der Soziologie, die das Gefahrenpotenzial beispielsweise für eine erhöhte Kriminalität durch hohen Fernsehkonsum oder eine Spielsucht durch Computerspiele verdeutlichten. Gerade Letztere machten ihm Sorgen: Spiele wie „Autodiebstahl“ förderten den Hass auf den Menschen. „Wenn ich den Joystick so bewege, dass das Auto bewusst über einen als Menschen erkennbares Wesen fährt, habe ich das verursacht“, sagte der Phänomenologe.

Gewalt steigere das Erregungspotenzial und werde deshalb von den Medien bewusst eingesetzt. Selbst 68 Prozent aller Fernsehsendungen für Kinder seien laut seiner Recherchen von Gewalt durchsetzt. Und 62 Prozent aller Jugendlichen seien von Cybermobbing betroffen.

Als Grund für die exzessive Mediennutzung durch Kinder und Jugendliche sieht Buddemeier den Stress im Schulalltag: „Wir haben Schulen der Beschämung. Wer nicht mitkommt wird beschämt.“ Ebenso sei das Vorbild der Eltern als Mediennutzer schwierig. Und schlicht die Langeweile. 137 virtuelle Freunde hätten 12- bis 13-Jährige im Schnitt in sozialen Netzwerken. Buddemeiers Empfehlung an Eltern: „Guckt, dass eure Kinder richtige Freunde haben!“ Auch komplette Medienabstinenz sei eine Überlegung wert.

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