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Feuerwehren : Mayday! Hilferufe aus der Tischlerei

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Feuerwehr Wilster übt in verrauchtem Handwerksbetrieb – und muss erst einmal einen eigenen Kameraden retten.

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2015 | 16:27 Uhr

„Mayday, Mayday, Mayday“, ertönte es zeitgleich aus den Funkgeräten von rund 25 ehrenamtlichen Brandbekämpfern. Schlagartig wurde es auf den Funkspruch hin hektisch vor der Tischlerei von Wolfgang Schulz am Wilster Einkaufszentrum. Zu dieser war die Freiwillige Feuerwehr Wilster am Montagabend bereits ausgerückt, nachdem ein Brand sowie zwei vermisste Personen in dem Gebäude gemeldet worden waren. Vier Atemschutzgeräteträger hatten sich unmittelbar nach der Ankunft in die stark verqualmte Betriebsstätte begeben, um vermisste Personen zu retten und das Feuer von innen her zu bekämpfen. Gleichzeitig gingen weitere Feuerwehrmänner mit Schläuchen rund um das Haus in Stellung und somit von außen gegen die Flammen vor. Der Funkspruch, der für Unruhe sorgte, war ein typischer Notruf eines Atemschutzgeräteträgers. „Ein Kamerad ist kollabiert und liegt bewusstlos auf dem Boden im Betriebsgebäude“, so Wehrführer Ralf Theede. Alles musste nun noch etwas schneller gehen, denn es galt nicht mehr zwei, sondern drei Personen aus dem brennenden Gebäude zu befreien.

Einsatzleiter Theede, Gruppenführer Christoph Kuhnke und Andree Steege, der an diesem Abend für die Registrierung und Zeiterfassung der Atemschutzgeräteträger zuständig war, berieten sich kurz und schickten zwei weitere Feuerwehrmänner unter Atemschutz in die Tischlerwerkstatt hinein. Wenige Augenblicke später wurde der bewusstlose Kamerad aus dem Gebäude getragen, während nach den beiden anderen Vermissten weiter gesucht wurde. „Ich habe versucht, ihn alleine in Richtung Ausgang zu ziehen, aber mit der Ausrüstung wiegt er fast 100 Kilogramm“, berichtete Alexander Moschke sichtlich mitgenommen von den Strapazen.

Glücklicherweise handelte es sich bei diesem Szenario lediglich um einen Teil der Jahresabschlussübung, die Roger Wiggers für seine Kameraden ausgearbeitet hatte. Mit der Tischlerei hatte Wiggers Räume ausfindig gemacht, die sich als besondere Herausforderung für die Atemschutzgeräteträger erwiesen. Zentimeter für Zentimeter mussten sich die Feuerwehrmänner bei null Sicht durch die mit Kunstnebel gefüllten und komplett eingerichteten Werkstatträume tasten.

„Mit dem Verlauf der Übung bin ich sehr zufrieden. Natürlich wurden einige kleinere Fehler gemacht, aber dafür ist solch eine Übung ja auch da“, resümierte der Wehrführer. „Die Fehler werden besprochen und sicher nicht wieder gemacht.“

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