Verbraucherschutz : Matjes ist nicht gleich Matjes

Henning Plotz und Heiko Raumann (r.) produzieren beide den echten „Glückstädter Matjes“ und wollen diese Marke schützen.
Henning Plotz und Heiko Raumann (r.) produzieren beide den echten „Glückstädter Matjes“ und wollen diese Marke schützen.

Manko im Lebensmittelgesetzbuch: Glückstädter Produzenten warnen vor Verbrauchertäuschung.

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22. August 2017, 04:45 Uhr

Heringe werden teurer, wenn Großbritannien aus der EU austritt – so lautete es in diversen Medien. Doch die beiden Matjes-Produzenten Henning Plotz (54) und Heiko Raumann (77) aus Glückstadt lehnen sich entspannt zurück. Sie machen sie bezüglich höherer Preise keine Sorgen. Denn beide beziehen ihre Heringe aus der norwegischen See.

Sie haben ganz andere Sorgen. Der „Glückstädter Matjes“ ist eine geschützte Marke. Entscheidend hierfür sind mehrere Faktoren. Einer ist, den richtigen Hering im Juni zu kaufen. Ein weiterer die Herstellung. Denn in Glückstadt werden die Matjesheringe traditionell von Hand gekehlt, anschließend reifen sie ohne künstliche Zutaten. Das dann folgende Filetieren ist reine Handarbeit.

Alle anderen Matjes’ werden industriell hergestellt, häufig kommen sie aus Holland. „Durch die industrielle Fertigung umgehen sie hohe Kosten“, sagt Plotz. Er stellt klar: „Das ist kein Matjes, das Produkt wird nach Matjesart hergestellt.“ Denn dem Fisch werden künstliche Reifungsmittel zugesetzt, damit er wie ein Matjes enzymisch reifen kann. „Das sind die Senioren nach Jungfernart“, sagt Plotz. Denn ein junger Matjes gilt als jungfräulich, wenn er noch kein Milch und Rogen angesetzt hat. Die Senioren sind die Heringe mit Milch und Rogen.

Seit längerem versucht Plotz auch im Namen von Heiko Plotz Politiker auf ein Manko im Lebenmittelgesetzbuch hinzuweisen: „Es ist veraltert“, sagt er. Denn dort steht, so zitiert er: Matjes ist ein Hering ohne Ansatz von Milch und Rogen mit einem Mindesfettgehalt von 14 Prozent verzehrbarem Anteil. „Früher wurde Heringe verkauft und keine Matjes“, erklärt er den Ursprung des Textes. Dieser sage aber nichts über das Alter aus. Und auch nicht, dass es sich um einen jungen Hering vor dem Leichen handelt.

Plotz und Raumann haben vor einigen Jahren eine Schutzgemeinschaft gegründet. Ziel ist, den Begriff Matjes zu schützen. „Grundlage ist das Rohprodukt. Ein dreijähriger Matjes ist etwas anderes als ein zehnjähriger“, so Plotz. Der Verbraucher werde oftmals getäuscht, wenn ihm „Matjes“ angeboten wird. Als Beispiel zeigt er eine Verpackung eines Schleswig-Holsteinischen Verkäufers. „Ein Verbraucher muss sich orientieren können.“

Beide haben sich jetzt in einem Brief an die Veranstalter der Glückstädter Matjeswochen gewandt. „Damit die Gäste das bekommen, was sie erwarten“, sagt Plotz. Darin fordern sie, dass bei den Matjeswochen nur noch „Glückstädter Matjes“ verkauft werden dürfen. Denn die Besucher würden aus diesem Grunde nach Glückstadt kommen. Würden sie industriell gefertigten holländischen bekommen, sei dies für die Besucher nicht ersichtlich. Leiden würde darunter das echte Produkt aus Glückstadt. „Trittbrettfahrer“ sollten nicht mehr teilnehmen dürfen, denn nur durch den echten Glückstädter Matjes könne sich Glückstadt von anderen Städten abheben.

Seit sechs Jahren kämpfen Plotz und Raumann für das Produkt Glückstädter Matjes. Einen wichtigen Erfolg feierten die beiden vor zwei Jahren, als ihnen der damalige Landwirtschaftsminister Robert Habeck mitteilte, dass der „Glückstädter Matjes“ in das EU-Qualitätsregister aufgenommen worden sei und die offizielle Bezeichnung „geschützte geografische Angabe“ mit dem blau-goldenen Siegel tragen dürfe. Damit ist der Matjes, der in Glückstadt als Naturprodukt verarbeitet wird, weltweit geschützt.

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