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Norddeutsche Rundschau

19. Oktober 2017 | 04:24 Uhr

Massive Kritik an der Leitstelle

vom

Rettungsdienstmitarbeiter prangern Missstände in Brief an Elmshorner Nachrichten an / Landrat nennt Probleme "nicht hinnehmbar"

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Elmshorn | Das hat es im Kreis Pinneberg noch nicht gegeben, dass Mitarbeiter eines Rettungsdienstes einen Brief an eine Zeitung schicken, weil sie sich Sorgen um das Leben der Menschen machen. Am Pranger steht die Kooperative Regionalleitstelle in Elmshorn. Sie ist für die Kreise Pinneberg, Steinburg und Dithmarschen, sowie polizeilich zusätzlich für den Kreis Segeberg, die zentrale Einrichtung für die Notrufannahme, Alarmierung und Koordinierung von Einsatzkräften zuständig.

Sie seien nicht länger bereit, die technischen Probleme, die in "regelmäßigen Abständen" vorkämen "zu Lasten der Bevölkerung" zu verschweigen, so die Begründung. "Es kommt zu Ausfällen des Funks, der Alarmierungsgeräte, des GPS Ortungssystems und des Einsatzprogramms in der Leitstelle", heißt es in dem Brief. Das führe dazu, dass der Rettungsdienst nicht sofort, sondern erst nach mehreren Minuten alarmiert werde. Teilweise werde den Rettern von Mitarbeitern der Leitstelle gesagt, sie sollten ihre Handys mitnehmen, damit sie alarmiert werden könnten, denn der Computer sei gerade abgestürzt. Häufig sei in der Leitstelle nicht bekannt, an welchen Ort die Rettungswagen gerade unterwegs seien. "Weil das Ortungssystem teilweise nicht funktioniert, fahren wir häufig aneinander vorbei. Das bedeutet, es kommt nicht der Rettungswagen, der am nächsten ist, sondern einer von wesentlich weiter weg", schreiben die Rettungsdienst-Mitarbeiter. Die heftigste Anklage: "Wir glauben auch, dass Patienten dadurch schon gestorben sind."

Die Kreisverwaltung bestätigt die Pannen: "In der vergangenen Zeit ist es in der Kooperativen Regionalleitstelle West in Elmshorn wiederholt zu Störungen gekommen, die aber überwiegend nach relativ kurzer Zeit wieder behoben werden konnten", so Sprecher Marc Trampe. Sofern Störungen auftreten, würden umgehend Maßnahmen eingeleitet, um die Erreichbarkeit der Leitstelle sicherzustellen. Das habe höchste Priorität, sagt Pinnebergs Landrat Oliver Stolz.

Die Störungen hätten ihre Ursache in der eingesetzten Kommunikations- und Einsatzleittechnik. "Die Behebung der Fehler ist nicht selbst möglich", so Stolz unter Hinweis auf den Lieferanten der Systemtechnik.

Die Software wurde anlässlich der Einrichtung der Kooperativen Regionalleitstellen in Schleswig-Holstein über das Land bestellt. Für die Einsatzkoordination wird seitdem eine gemeinsame Software und Nachrichtentechnik verwendet. Stolz hat wegen der technischen Probleme bereits mehrere Gespräche mit dem Innenministerium geführt und deutlich gemacht, dass die Art und Häufigkeit der Störungen nicht hinnehmbar seien. Stolz: "Die Kolleginnen und Kollegen in der Leitstelle tun ihr Menschenmöglichstes, um die Ausfälle und deren Folgen jeweils schnell in den Griff zu bekommen." Die Pressestelle des Innenministeriums war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Unstrittig ist, dass die massiven Probleme erst auftraten, als die gemeinsame Technik für Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei installiert wurde. Beim Zweckverband der zweiten Kooperativen Regionalleitstelle in Harrislee denkt man über eine technische Trennung von Feuerwehr und Rettungsdienst auf der einen und Polizei auf der anderen Seite nach. Dort jedoch aus Gründen der höheren Flexibilität, die häufig an hohen Sicherheitsstandards der Polizei scheitert. Allerdings war es auch in Harrislee nach Inbetriebnahme der Leitstelle zu technischen Problemen gekommen.

Technische Trennung - ein Weg, der auch für den Kreis Pinneberg in Frage kommen könnte. "Wir warten das Ergebnis der Prüfung der Leitstelle Nord ab", sagte Trampe.

Der Kreis ist ohnehin gefordert, um nach Erwerb des Leitstellen-Gebäudes die Mängel bei Belüftung und Brandschutz zu beseitigen. Dann könnte auch versucht werden, eine dauerhafte Lösung der technische Problems in Angriff zu nehmen.

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