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Marner Bürgermeister wirft das Handtuch – „Ich lasse mich nicht verbiegen“

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Eigentlich wollte er nichts mehr dazu sagen. Das habe er in der Stadtvertretersitzung am Montag Abend schon getan, meint Hans-Joachim Möller (Foto) am Tag nach seinem Rücktritt als Marnes ehrenamtlicher Bürgermeister. Dann versucht der 68-jährige Sozialdemokrat aber doch, seine Beweggründe zu erläutern. Einer wie Möller, der als hauptamtlicher Betriebsrat bei Bayer bis zum Wechsel in den Ruhestand 2010 so manches ausgefochten hatte, schmeißt nicht einfach hin. Doch am Montag war in der von seinem Stellvertreter Dr. Klaus Braak einberufenen Sondersitzung Schluss mit lustig. Mit den Worten: „Ich spiele euer Spiel nicht länger mit“, klappte er seinen Tablet-Rechner zu und verließ den Saal. Das Amt als Bürgermeister sowie sein Mandat hatte er mit diesem Schritt niedergelegt.

„Ich lasse mich nicht verbiegen“, sagt er am Tag danach ganz entspannt. Genau das aber wäre der Fall gewesen, wenn er am Ende eines wochenlangen Streits klein beigegeben hätte, ist Möller überzeugt.

Dieser Streit habe schon mit der Kommunalwahl 2013 begonnen. SPD-Mann Möller wurde wieder als Bürgermeister und damit Vorsitzender der Stadtvertretung gewählt, obwohl die CDU die klare Mehrheit hatte. Die habe jedoch keinen eigenen Kandidaten für den Posten gehabt, den er zuvor bereits seit Dezember 2010 ausgefüllt hatte. Hans-Joachim Möller war Nachfolger des letzten hauptamtlichen Verwaltungschefs der Marschenstadt. Thomas Maßmann.

In der neuen Wahlperiode standen ihm als Stellvertreter Dr. Klaus Braak (CDU) und Achim Ohlhöft (KWV) zur Seite. Die allerdings hätten ihn kaum vertreten müssen, als Rentner habe er Zeit genug gehabt, sagt Möller. Daher habe er hinterfragt, ob die beiden zusammen jährlich überhaupt 9000 Euro Aufwandsentschädigung bräuchten. Als er dann noch im Februar, zunächst zur Probe, vier Bilder in sein Rathausbüro hängte und niemand sich daran gestört habe, kaufte er die Arbeiten für 1680 Euro. Für die Stadt, aus dem Etat, im Rahmen seiner Befugnisse als Bürgermeister. Damit brachte Möller offenbar das Fass zum Überlaufen. Dabei habe bis zum Kauf niemand aus den Reihen der Marner Kommunalpolitiker Anstoß an den Bildern genommen, sagt er.

In deren jüngsten Sitzung standen aber nicht die Bilder zur Debatte, sondern eine geforderte Entschuldigung in Richtung seiner beiden Stellvertreter im Fokus. Es hing der Vorwurf im Raum, sie seien ihre Aufwandsentschädigung nicht wert. Der Sozialdemokrat, der insgesamt 13 Jahre lang in der Marner Stadtvertretung mitgewirkt hatte, fühlte sich vorgeführt – und zog seine persönlichen Konsequenzen. Seine Nachfolge als Bürgermeister ist offen.

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erstellt am 11.Aug.2015 | 16:59 Uhr

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