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Biermarkt : Marner Brauer verzichten auf Alkohol

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Absatzrückgang der Branche trifft auch „Dithmarscher“ aus Marne. Bockbieranstich: Landtagspräsident hält engen Bezug zur Region für wichtig.

von
erstellt am 31.Okt.2013 | 17:00 Uhr

Braumeister Hans Senff und sein Team haben auch 2013 ein gelungenes Bockbier gebraut. Darüber waren sich die rund 155 Gäste aus Wirtschaft und Politik einig, die sich zum traditionellen Bockbieranstich im Karlskeller des Marner Brauhauses drängten. Bevor jedoch Landtagspräsident Klaus Schlie als Ehrengast mit vier Hammerschlägen den Zapfhahn ins Fass trieb, nutzte Geschäftsführer Norbert Lucks die Gelegenheit, auf ein neues Produkt unter der Marke „Dithmarscher“ hinzuweisen: ein alkoholfreies Pils. Für die Marner Privatbrauerei ein neues Marktsegment.

Zugleich ist die Einführung des alkoholfreien Gerstensafts ein notwendiger Schritt im Kampf um Marktanteile. Das machte Lucks deutlich. Wie die gesamte Branche muss sich auch die Hintz-Brauer, seit 1884 in Familienhand, gegen rückläufigen Absatz stemmen. Wobei das Marner Brauhaus erst sehr spät mit dieser Abwärtsbewegung auf dem Getränkesektor in Berührungen gekommen ist. Während andere Brauereien eine Sorte nach der anderen auf den Markt werfen, sind Lucks und seine Mitarbeiter zurückhaltender. Pilsener und dunkles Bier, Maibock und Urbock sowie Dithmarscher Lemon und Potsdamer – die beiden letzteren als erste Zugeständnisse an sich ändernde Trinkgewohnheiten, bilden das Produktportfolio. Jetzt soll Dithmarscher alkoholfrei kommen und nach den Vorstellungen von Lucks Anfang 2014 in den Handel gehen. Bis dahin wird noch am Geschmack gefeilt, um eine möglichst eigenständige Note zu finden. 60 Hektoliter hat Hans Senff angesetzt, zu den Geschmackstestern gehörten auch die Gäste des Bockbieranstichs, die sich ein Sixpack samt Bewertungsbogen mit nach Hause nehmen durften.

Nicht nur ein anderes Konsumverhalten beim Bier macht der Brauwirtschaft zu schaffen. Kritisch sieht Norbert Lucks die Großen der Branche, die mit extremem Preisdruck ihren Gerstensaft verkaufen wollen. Das mache Bier billig, beliebig – und lasse Stammkunden nicht mehr nach Marke, sondern zunehmend nach Preis entscheiden. „Dem müssen wir uns stellen.“

Schwarz malen will Lucks jedoch nicht. Er betont: „Wir stehen besser als die Gesamtbranche da.“ Soll heißen, es gibt noch moderaten Zuwachs. Das bestätige die seit langem eingeschlagene Unternehmenslinie, sich am langfristigen und damit nachhaltigen Erfolg zu orientieren. Lucks: „Wenn wir es schaffen, langfristig Wertschöpfung zu generieren und Arbeitsplätze zu erhalten, sind wir auf dem richtigen Weg.“

Dazu gehört für ihn definitiv nicht der Preiskampf. Während sich die großen Braukonzerne inzwischen eine Absatzschlacht liefern, die zu 74 Prozent von Aktionen getragen ist, beteiligt sich die Hintz-Brauerei an Preisaktionen nur zu 35 Prozent.

Landtagspräsident Klaus Schlie wertet den regionalen Charakter der „Dithmarscher“-Biere als Erfolg versprechend. „Was hier stattfindet, ist ein Stück Schleswig-Holstein.“ Dass die kleine Privatbrauerei sich über einen so langen Zeitraum an einem immer härter umkämpften Markt behaupte, sei beachtenswert. Zugleich, so Schlie, werbe der Gerstensaft Made in Marne für die Region. Mit der langen Unternehmenstradition setze sich die Marke zugleich von industriell gefertigten Erzeugnissen ab. Für Schlie gibt es daher keinen Zweifel: „Wir in Schleswig-Holstein müssen unsere eigenen Identitäten in den Regionen behalten.“

Das Urbock, in einer Menge von 1400 Hektolitern abgefüllt, ist neben dem Maibock eine saisonale Spezialität. Gestern verließ die letzte Ladung vollmundiges Urbock die Brauerei. Und auch wenn er sich nicht mit der Produktpalette verzetteln will: Norbert Lucks feilt bereits an einer weiteren Bierspezialität, die die Lücke zwischen Mai- und Urbock füllen könnte.

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