zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

22. Oktober 2017 | 22:03 Uhr

Karneval : Marne ist nur einmal im Jahr

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Karneval ist nicht nur im Süden Deutschlands: Tausende feiern friedlich Schleswig-Holsteins größten Rosenmontagsumzug in Marne.

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2017 | 04:51 Uhr

Scheu habe er auf keinen Fall gehabt, sagt Klaus Braak zu seinem Karaoke-Auftritt gestern im Marner Rathaus. Um 12 Uhr hatte der Bürgermeister der schleswig-holsteinischen Karnevalshochburg etwa 100 Narren und Jecken mit Blick auf die spätere Plünderung der Stadtkasse mit den Worten begrüßt: „Ihr wollt doch nur schon mal spionieren.“ Danach schmetterte er mit allen Karnevalisten „Marn’ hol Fast! Aschermittwoch kommt noch früh genug!“ ins Mikrofon, das die Hymne bis auf den Vorplatz des Rathauses übertrug.

Dort brachten sich bereits um die Mittagszeit etwa 60 Wagen für den Umzug in Stellung. Schnell stauten sie sich in der Fußgängerzone bis zum Busbahnhof und wurden von den ersten Feiernden bestiegen. „Aber scheiß drauf, Marne ist nur einmal im Jahr“, stand auf einem der Wagen. Eine ausgelassene Gruppe junger Frauen mit rosa Hüten und Bier-Mix in der Hand begleitete den Spruch vom Straßenrand aus gesanglich. Auf andern Wagen hatten die Narren ein Wikingerschiff, Burgen oder auch Windräder gebaut.

„Ich sehe, wie viel Spaß die Leute hier in Marne haben, und setze deswegen so viel Engagement in den Karneval“, sagte Braak derweil im Rathaus. Für ihn war es erst die zweite richtige Karnevalsveranstaltung als Bürgermeister. Vor dem Amtsantritt habe er Schleswig-Holsteins größten Rosenmontagsumzug nur am Straßenrand begleitet. „Der Rosenmontag ist schon ein Alleinstellungsmerkmal für Marne“, sagt er. Die Meinung vertrat auch der angereiste Präsident des Norddeutschen Karneval-Verbands, Jens Dormann: „Marne ist einmalig in Schleswig Holstein.“ In ganz Norddeutschland werde es nur von Braunschweig übertroffen.

Um 14 Uhr positionierte der Herren-Club dann traditionell seine Kanone vor dem Rathaus und versammelte Jecken und Narren hinter sich. Ein Zwischenfall: Kurz vor der Erstürmung stürzte ein Mann an den Stufen und zog sich eine Wunde am Kopf zu. Sanitäter konnten ihm schnell helfen. Die Erstürmung selbst verlief problemlos. Prinz Dennis I. und Prinzessin Gesa I. eroberten Saal und Stadtschlüssel, entleerten unter lautem Gejohle die Stadtkasse aus dem Fenster und hinterließen Braak eine leere Holzkiste.

Danach entführten die Karnevals-Regenten den Schlüssel aus dem Rathaus und zogen mit den anderen Wagen los durch Marne, um tausende Besucher am Straßenrand mit Süßigkeiten oder der einen oder anderen kühlen Köstlichkeit zu versorgen. Der Marner Karnevalspräsident Heiko Claußen erlebte einen „hervorragenden Tag“. Nach seiner ersten Schätzung seien bis zu 25  000 Menschen nach Marne gekommen, um zu feiern. Die Polizei war laut Einsatzleiter Ralf Kist mit knapp 100 Beamten im Einsatz: „Alles friedlich“, bilanzierte er. Bis 17.30 Uhr habe man nur vier Betrunkene heimschicken müssen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen