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Norddeutsche Rundschau

14. Dezember 2017 | 03:51 Uhr

Karneval : Marne – eine Stadt steht Kopf

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Rund 20 000 Menschen feiern den traditionellen Rosenmontags-Umzug. 32 geschmückte Wagen fahren durch die Stadt.

shz.de von
erstellt am 16.Feb.2015 | 19:07 Uhr

Wenn die Kamelle in Massen durch die Luft fliegt, Superhelden und Comicfiguren unterwegs sind und bunt geschmückte Wagen die Straßen befahren, ist klar: Es ist Rosenmontag. Mehr als 20  000 Menschen feierten wieder den traditionellen Umzug in Marne.

„Ab jetzt liegt es in eurer Hand. Macht etwas daraus.“ Das sagte Bürgermeister Hans-Joachim Möller um kurz nach 14 Uhr − gefolgt von einem dreifachen „Marn’ hol fast“. Zuvor hatten die Narren der Marner Karnevals Gesellschaft eine große Kanone vor das Rathaus gerollt − und nach mehreren symbolischen Schüssen das Rathaus gestürmt. Dort wurde der Verwaltungschef zunächst des obligatorischen Schlüssels entledigt, bevor er den Narren zudem eine große Truhe mit Goldmünzen übergab. Die Münzen, alias Schoko-Taler, wurden anschließend aus dem Rathausfenster geworfen − zur Freude der zahlreichen Schaulustigen.

Kaum war der letzte Taler aufgesammelt, ging es zu den Fest-Wagen, die sich bereits zu einem langen Treck formiert hatten. 32 Fahrzeuge und 27 Fußgruppen hatten sich angemeldet. „Insgesamt sind in diesem Jahr rund 1200 Personen beim Umzug dabei“, sagte Heiko Claußen, Präsident und Vorsitzender der Karnevals Gesellschaft.

Claußen hatte im Vorwege einen bunten Umzug versprochen − und diese Erwartungen erfüllten die Wagen. Dabei kannte die Kreativität kaum Grenzen. So waren in den verwinkelten Straßen der Stadt unter anderem Gefährte mit Motiven einer Unterwasserwelt, einer Burg, dem Wilden Westen sowie 1000 und einer Nacht zu sehen. Einer der größten Wagen widmete sich zudem dem Thema Walt Disney. Und auch ein Großteil der Zuschauer hatte sich verkleidet − beispielsweise als Polizist, Teletubbie oder Pharao.

Der Umzug führte gut zwei Kilometer durch die Stadt, bevor am alten Bahnhof gewendet wurde, um anschließend noch eine verkürzte Schleife zu drehen. Mehrere Tausend Menschen hatten sich entlang der Strecke versammelt. Sie sangen, tanzten und jubelten den Menschen auf den Wagen zu. Diese verteilten fleißig Kamelle, die traditionelle Süßware des Karnevals. Zudem gab es Popcorn und kleine Teddys. Claußen: „Mehr als vier Tonnen Wurfmaterial haben wir dabei.“ Zur großen Freude der zahlreichen Kinder. Sie warteten mit Tüten, Taschen und Rucksäcken ausgestattet auf die Süßigkeiten. Einige hatten sogar Regenschirme dabei, die sie − umgedreht − als Fanghilfe verwendeten.

Etwas Besonderes hatten sich auch die rund 40 Mitarbeiter des Rathauses sowie des Amtes Marne-Nordsee einfallen lassen. Angezogen im Stil der 1970er-Jahre feierten sie den Rosenmontag. „Wir suchen uns jedes Jahr ein Motto aus“, erläuterte Volker Miller, Leitender Verwaltungsbeamter, ebenfalls mit blonder Perücke, roter Sonnenbrille und buntem Hemd ausgestattet.

Seine Premiere feierte der Rosenmontagsumzug 1956, nachdem er ab 1969 eine Pause einlegte, gibt es ihn in der heutigen Form seit 1978 wieder − und macht die 5600 Einwohner zählende Stadt damit seit Jahren zu einer der Karnevalshochburgen in Norddeutschland. Dabei geht es stets fröhlich und friedlich zu, wie Bürgermeister Hans-Joachim Möller betonte. Befürchtungen, dass nach der jüngsten Absage des Karnevalsumzugs in Braunschweig, auch die Sicherheit in Marne gefährdet sein könne, hatten die Organisatoren nicht. „Wenn wir akute Hinweise gehabt hätten, hätten wir entsprechend reagiert“, sagte Claußen, der die Absage in Braunschweig sehr bedauerte. „Es ist schlimm, dass einige wenige so viel Macht ausüben können.“

Denn Karnevalisten wollten nichts anderes tun, als Brauchtum zu feiern. „Wir sind absolut unpolitisch, wollen nur unseren Spaß haben“, so Claußen. Und den hatten die Menschen gestern in Marne: Nach dem Umzug wurde in der schleswig-holsteinischen Karnevalshochburg in einem der großen Party-Zelte bis spät in die Nacht hinein gefeiert.

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