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Deutschlands bester Autofahrer : Mann und Frau hinterm Steuer

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Noch bis Freitag wird auf dem Flugplatz Hungriger Wolf Deutschlands bester Autofahrer gesucht: Wir haben den Selbstversuch gewagt.

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2014 | 17:05 Uhr

Frau sucht eine andere Parklücke, wenn die eine nicht passt



Theoretisch kann ich punkten, aber Einparken von links und dann auch noch rückwärts-seitwärts – das ist nicht meine Stärke. „Sie müssen viel weiter vorfahren und früher einschlagen“, erklärt mir Olaf Klanke, Fahrsicherheitstrainer, nach dem ersten Selbstversuch. Doch auch die Rückfahrkamera im Auto löst meinen Einparkknoten nicht. Glücklicherweise kann ich mir im Alltag meine Parklücken selbst aussuchen. Treffer versenkt – Klischee voll erfüllt, könnte man denken. Frauen können nicht einparken. Sie können schon. Nur nicht überall, würde ich sagen. Wenn uns eine Lücke nicht passt, dann parken wir halt woanders, bevor ein Lackschaden entsteht. Auch Olaf Klanke glaubt nicht an das Klischee: „Es gibt keine Logik dahinter“, sagt er. Tagesform und Übung machen eher den Meister. Und, ob man das Auto gut kennt.

Ein fremdes Auto ist dann schon etwas ungewohnt. Meine erste Überraschung im Ford Fiesta war: Das Auto hat gar keinen Schlüssel, sondern nur einen Anlasserknopf. Davon abgesehen haben wir uns aber ganz gut vertragen – ich und der kleine Blaue. Selbst die Bremsübung auf nassem Grund meisterten wir, nach meinem Empfinden, passabel. Man fährt aus etwa 80 Metern Entfernung auf eine Hütchengasse zu. Vom Bremspunkt an bleiben etwa 15 Meter, um einem Hindernis vollbremsend auszuweichen. Bei 45 km/h erfordert das schon Lenkarbeit.

Ich habe mir vorgestellt, mir läuft in der Ortschaft ein Kind auf die Straße. Da ist es schon ein gutes Gefühl zu wissen, wie das Fahrzeug in so einem Fall reagiert. Die Nässe simulierte das Fahrverhalten auf einer festgefahrenen Schneedecke. Selbst dann das Fahrzeug sicher zum Stehen zu bringen, ist ein tolles Gefühl. Gern hätte ich auch mein eigenes Fahrzeug getestet.

„Ganz wichtig ist, das Lenkrad so sachte wie möglich zu bewegen und dann Nerven behalten“, erklärt Bernd Klintwart die Herausforderung. Zur Geschwindigkeit sagt er, dass wenige Stundenkilometer einen großen Unterschied machen. Das spüre ich im Selbstversuch und nehme mit, wie wichtig es ist, die Richtgeschwindigkeit in Ortschaften einzuhalten.

Präzisionsarbeit erforderte die Dartscheibenübung. Die hatte ich mir actionreich vorgestellt. Doch man fährt dabei lässig im Schritttempo und braucht nicht mal den Gurt anzulegen. Es geht darum eine am Vorderrad montierte Stange, die sich für den Fahrer im toten Winkel befindet, über einer Dartscheibe zu platzieren. Immerhin habe ich 40 Punkte geholt. Ich ziehe fast gleich mit dem Kollegen – mit 50 Punkten und Zweitfahrerbonus.

Dafür macht mir theoretisch keiner was vor. Zugegeben: Ich habe geübt. Doch das ist recht und billig. Mit zehn zu 28 Fehlerpunkten ging diese Runde an mich. Der Kommentar von Jürgen Bente vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat lief dann auch wie Öl herunter: „Zurück fährt wohl besser die Frau.“

 

Mann fährt eher nach Bauchgefühl



Parken ist eigentlich kein Problem für mich, aber im Test kam ich schon etwas ins Schwitzen. Der ungewohnte Wendekreis des Wettbewerbsfahrzeugs und die laufende Uhr machte das Einparken zu keiner ganz leichten Aufgabe. Zum Glück handelte es sich bei den anderen Autos um aufblasbare Attrappen – Beulen waren also nicht zu befürchten. Das habe ich dann auch ausgenutzt. In die zweite Parklücke kam ich nach kurzer „Eingewöhnungsphase“ mit dem Auto dann in einem Zug – ohne Kollision und ohne Korrekturen.

Aber eins gleich vorweg: Ich werde nicht der gesuchte „Beste Autofahrer Deutschlands“ 2014. Der für alle Wettbewerbsteilnehmer obligatorische Alkoholtest war keine Hürde. Aber im Theorietest gleich zu Beginn hatte ich ein paar Fehler zu viel. Knapp 15 Jahre nach der Führerscheinprüfung ist mir doch einiges an Fahrschulwissen verloren gegangen.

 



Im Alltag entscheidet man ja doch eher nach Gefühl und nicht nach abstrakten Rechenformeln.

Zum Glück gilt das K.O.-Runden-System nicht für Reporter und ich konnte trotzdem außer Konkurrenz in die nächste Aufgabe gehen.

Beim Autofahren klappte es dann besser als bei der Theorie. Dabei war vor allem eine Aufgabe eine lohnende Erfahrung: Eine Gefahrenbremsung auf rutschigem Untergrund mit gleichzeitigem Ausweichmanöver vor einem Hindernis. Dank moderner Assistenzsysteme wie dem Antiblockiersystem im Fahrzeug ging das ziemlich gut. Trotzdem zeigt die Übung wie wenig Zeit im Ernstfall bleibt. Ich hoffe, dass ich im Alltag nie eine ähnliche Situation, zum Beispiel ein Wildtier auf der Fahrbahn bei höheren Geschwindigkeiten erlebe.

Kniffliger war dann die nächste Übung: Ich sollte eine Zielbremsung auf einer Art Dartscheibe durchführen. Dafür musste eine seitlich am Fahrzeug angebrachte Stange möglichst genau auf der Scheibe platziert werden. Problem dabei: Scheibe und Stange befanden sich in einem toten Winkel für den Fahrer. Aus dem Fenster sehen oder Aussteigen war natürlich verboten. Mit etwas Überlegung ließ sich die Aufgabe aber gut lösen. Über die Seitenspiegel konnte man die Scheibe relativ genau anpeilen – der Rest ist dann eine Frage des Schätzens. Am Ende stand ich immerhin knapp zehn Zentimeter von der Mitte entfernt.

Mein Fazit: Eine interessante Erfahrung, die einige wichtige Fragen im Bereich Sicherheit beim Autofahren ins Gedächtnis ruft. Mit dem eigenen Auto wäre der Test für mich wesentlich einfacher gewesen. Doch ich kann nur empfehlen, die Gelegenheit wahrzunehmen, um die eignen Grenzen hinter dem Steuer auszutesten. Möglich ist dies noch bis Freitag von 10 bis 20 Uhr auf dem Flugplatz in Hohenlockstedt. Deutschlands bester Autofahrer wird gesucht.

 

 

 

 

 

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