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Familientragödie : Mann missbraucht Freundin seines Sohnes

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Eine Geburtstagsfeier eskalierte: Ein Familienvater verging sich an der Freundin des eigenen Sohnes.

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2009 | 11:28 Uhr

Kreis Steinburg | Es war zunächst ein harmonischer Abend im August vergangenen Jahres. Ein Familienvater aus dem südlichen Kreisgebiet feierte seinen Geburtstag. Die Feier endete in einer Familientragödie: Der 53-Jährige missbrauchte die 20-jährige Freundin des eigenen Sohnes (26). Eine Tat, mit der der Angeklagte die Familie zerriss. Immer wieder brach er vor Gericht in Tränen aus. "Ich habe mein ganzes Leben für meine Familie gelebt und gearbeitet. Ich weiß nicht, wie es dazu kommen konnte", sagte der Angeklagte. "Ich erinnere mich nicht mehr."

Auf der Feier hatten er, seine Frau, sein Sohn und dessen Freundin viel Alkohol getrunken, erst Bier, später auch Schnaps. Der Angeklagte trank bis zu dieser Nacht gern einen über den Durst. "Immer diese Sauferei", beklagte die Ehefrau. "Ich kann mit Betrunkenen nichts anfangen." Gegen 2 Uhr ging sie deshalb ins Bett, die anderen feierten weiter. Gegen 4 Uhr gingen auch sie ins Haus, um sich schlafen zu legen. "Ich bin nochmal ins Bad, weil mir schlecht war", berichtete das Opfer. Sie verlor das Bewusstsein. Der 53-Jährige fand sie auf dem Boden liegend, verriegelte die Tür und löschte das Licht - ein geplantes Vorgehen. "Die Einsichtsfähigkeit war dementsprechend noch vorhanden", hieß es im ärztlichen Gutachten, trotz der rund 2,5 Promille im Blut. Was dann geschah, weiß der Angeklagte nicht mehr, aber ein DNA-Test überführte ihn eindeutig als Täter. Er hatte die widerstandslose Freundin seines Sohnes missbraucht.
Das Opfer ist traumatisiert, besteht den Alltag nur unter Medikamenten
"Ich wachte von einem schrecklichen Schmerz auf", erinnerte sich die heute 20-Jährige. Als sie zu weinen begann, ließ er von ihr ab. Hier setzt die Erinnerung des 53-Jährigen wieder ein. "Ich wollte sie beruhigen und ihr helfen." Er rief seine Frau zur Hilfe. Das Opfer ließ sich nicht helfen, fuhr stattdessen mit ihrem Freund ins Krankenhaus und erstattete noch in derselben Nacht Anzeige. Seither ist das Familienverhältnis zerrüttet. Mit einem Entschuldigungsbrief versuchte der Angeklagte die Familie wieder zusammenzubringen - ohne Erfolg.

Das Verhältnis des Opfers zu den Schwiegereltern in spe war auch vor der Tat unterkühlt. An jenem Abend fasste die 19-Jährige erstmal Vertrauen, öffnete sich gegenüber den Eltern ihres Partners, sprach über ihre eigenen schwierigen Familienverhältnisse. "Die Familie war dabei, sie zu integrieren. Mit Ihrer Tat haben sie alles auseinandergesprengt", betonte Richter Dominik Mardorf. Die Ehe ist seitdem belastet, das Opfer traumatisiert. Die 20-Jährige kann seither ihren Alltag nur mit Medikamenten bestehen und befindet sich in psychologischer Behandlung.
"Sie passen in keine Kategorie der Sexualstraftäter"
Ob die Gedächtnislücke auf den starken Alkoholrausch zurückzuführen ist, eine Schutzbehauptung ist, damit die Bestrafung milder ausfällt oder ein Mechanismus der Psyche, um Scham und Schande der Tat zu verdrängen, konnte eine Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie nicht eindeutig klären. Das Gericht glaubte dem Angeklagten. "Sie sind ein Sonderfall und passen in keine Kategorie der Sexualstraftäter", so Richter Mardorf. "Aber Sie haben schwere Schuld auf sich geladen."

Das Gericht kam dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft nach: Zwei Jahre Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf fünf Jahre zur Bewährung. Außerdem muss er 7500 Euro Schmerzensgeld an sein Opfer zahlen, das er in monatlichen Raten zu 125 Euro abzahlen kann. "Damit sie sich immer wieder der Schwere Ihrer Tat bewusst machen", erklärte Richter Mardorf. Außerdem wurde dem Angeklagten ein Alkoholverbot auferlegt.

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