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Norddeutsche Rundschau

18. Oktober 2017 | 00:26 Uhr

Mangelnde Zahnvorsorge in Kitas

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kreis Steinburg bildet Schlusslicht in Sachen Gruppenprophylaxe – in der Kindertagesstätte Rethwisch werden täglich die Zähne geputzt

shz.de von
erstellt am 26.Sep.2014 | 10:24 Uhr

Sophie (5) putzt ihre Zähne und macht große Augen dabei, denn vor ihr hockt Sabine Timm. Die Mitarbeiterin von der Kreisarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege Steinburg zeigt mit einer riesigen, roten Zahnbürste und einem riesengroßen Gebiss, wo die Bürste im Mund überall entlangschrubben soll: „Wir putzen hin und her, hin und her, Zähneputzen ist nicht schwer“, erklärt sie den Kindern in Waschraum der Kindertagesstätte. Für die Kinder der Kita Rethwisch ist das nicht neu. Sie putzen sich täglich die Zähne und bilden damit eine Ausnahme im Kreis. Zum Tag der Zahngesundheit bekam ihre Kindertagesstätte gestern die Plakette „Wir putzen Zähne 2014/2015“ verliehen.

„Für mich gehört das Zähneputzen dazu wie das Händewaschen und zur Toilette gehen“, erklärt Regina Sülau. Sie leitet die Kita in Rethwisch seit 32 Jahren und legt Wert darauf, dass sich hier jedes Kind nach einem gesunden Frühstück die Beißer schrubbt. Als Leiterin der Kindertagesstätte sieht sie in der Zahnpflege ein unverzichtbares Element im Rahmen ihres Bildungsauftrags zur Förderung von Körper, Gesundheit und Bewegung.

Dass nicht alle Kindertagesstätten diesen Schwerpunkt setzen und das Kindertagesstättengesetz entsprechend auslegen, bedauert Ute Lutz, Jugendzahnärztin im Kreis Steinburg. Sie veranstaltet in den Schulen und Kindertagesstätten regelmäßig die Reihenuntersuchungen. Das bleibende Gebiss werde meist gut gepflegt. Doch in den letzten Jahren seien ihr in den Untersuchungen zunehmend Milchzähne mit Anfälligkeiten begegnet, die bei den jungen Patienten meist schwer zu behandeln seien.

Lutz ist im Vorstand in der Kreisarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege. Die Beobachtung aus den Untersuchungen hat sie und ihre Kollegen aus der Arbeitsgemeinschaft, einem Zusammenschluss aus den Krankenkassen, niedergelassenen Zahnärzten und dem Gesundheitsamt, alarmiert. So entstand vor gut einem Jahr die Initiative nach einem Vorbild aus dem Kreis Stormarn, verstärkt Angebote zur Gruppenprophylaxe auch im Kreis Steinburg zu machen. Auf Nachfrage bietet der Arbeitskreis Schulen und Kitas Arbeitsmaterialien an, dazu gehören Becher, Zahnbürsten und überdimensional große Zahnpastatuben. Außerdem schickt der Arbeitskreis ein bis zweimal im Jahr Mitarbeiter wie Sabine Timm in die teilnehmenden Schulen und Kindertagesstätten, die mit den Kindern das „KAI-Putzen“ mit lustigen Merksprüchen praktisch trainieren. Kai steht für die Bereiche, die im Mund gesäubert werden sollen. Das sind die Kauflächen, die Außenflächen und die Innenflächen der Zähne.

Fünf Mitarbeiter sind im Kreis Steinburg für die Zahngesundheit im Einsatz. Trotzdem hinkt der Kreis im Vergleich zu anderen Kreisen in Schleswig-Holstein in Sachen Gruppenprophylaxe weit hinterher. Als Ute Lutz die Kindertagesstätten für die Ehrung mit der Plakette und dem Zertifikat „Wir putzen Zähne!“ auswählen wollte stellte sie fest: Nur in etwa 35 Prozent der Kindertagesstätten im Kreis Steinburg wird das Angebot der Kreisarbeitsgemeinschaft bislang genutzt. In anderen Kreisen wie zum Beispiel in Lübeck liege die Gruppenprophylaxe nach ihrer Information hingegen bei bis zu 85 Prozent. „Wir wollen die Kindergärten, die nicht mehr putzen, mit ins Boot holen und weiter Aktionen anbieten“, so Lutz. Insgesamt habe sich die Zahngesundheit im Kreis zwar sehr gebessert, doch sie hofft darauf, dass weitere Kitas dem Beispiel aus Rethwisch folgen. Dort machen Isabell, Antonia und Sophie gerade den Tigerbiss und ihre Zähne blitzen. Kein Wunder: Schließlich haben sie geputzt, bis die Zahnpasta schäumt, und mit der Zahnbürste alle Krümel aus ihrem Mund gefegt.

>Informationen für Schulen und Kitas zum Prophylaxeprogramm der Kreisarbeitsgemeinschaft gibt Ute Lutz, 04821/ 69270, lutz@steinburg.de

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