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Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 14:07 Uhr

Portrait : Malerin – noch keine Künstlerin

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Itzehoerin Theresa Fritz zeigt ihre erste Ausstellung in Warnemünde und gibt Kalender für 2015 heraus.

„Blöd!“ Theresa Fritz (43) erinnert sich ganz genau an jenen Augustsonnabend in Bochum: „Nach dem Mittagessen war der Flow weg.“

Vor der Itzehoer Malerin auf der Staffelei prangten diagonal die drei Glieder eines riesigen Zeigefingers schräg über einen Quadratmeter Leinwand. Insgesamt wirkte dieser Finger jetzt zwar plastischer als noch vor der Mittagspause. Die Knöchel und die sie umfaltende Haut stimmten in ihren Tiefen, die Lichter im Acrylgemälde waren perfekt gesetzt. Doch als Theresa Fritz ihr Werk betrachtete, sprach Skepsis aus ihrem Blick und eben diese Abwesenheit des „Flow“: Nichts fließt mehr.

Dennoch kann sie heute schmunzeln: „Eine wunderschöne Erfahrung.“ Geholfen hat, dass Theresa Fritz in Bochum nicht allein war. Denn am Institut für Ausbildung in bildender Kunst und Kunsttherapie (IBKK) studiert sie Malen und Zeichnen, schuf gemeinsam mit 41 Künstlerinnen und Künstlern das Riesenwerk „Von der Kohle zur Kunst“. Die Parole lautete „Nicht lange rumpalavern.“ Die „schöne Stimmung und das Miteinander“ wirkten: Theresa Fritz kam wieder in Schwung. Am nächsten Tag kommentierte das 6,40 mal 7 Meter messende Gemälde an der Fassade des IBKK den Strukturwandel des Ruhrgebiets und wurde für das Guinness-Buch der Rekorde angemeldet. Auf Fritz’ Homepage ist ihr Puzzleteil mit besagtem Finger rot umrandet deutlich herausgehoben.

Die 43-Jährige malt, seit sie denken kann. Geboren in Rostock, sei sie „mit Farben aufgewachsen, obwohl wir sehr begrenzt waren“. Einen Laden für Künstlerbedarf wollte ihre Mutter eröffnen, das jedoch wurde damals nicht genehmigt. Inzwischen führt sie selbst ein solches Geschäft in Itzehoe, arbeitet mit Herstellern zusammen, kennt sich in der Vielfalt künstlerischer Techniken bestens aus, hat sie alle selbst ausprobiert, sammelt Erfahrung um Erfahrung. In ihrem Itzehoer Atelier wälzt sie die Skizzenbücher, in denen sie wahre Schätze verbirgt. Von einem Sylt-Besuch beispielsweise brachte Theresa Fritz Schraffuren mit: Dutzende feinst gezeichneter Abstufungen davon, wie sie Sand und Strand in einem Bild darstellen könnte. Sie experimentiert mit Oxiden, die je nach Art ihrer Behandlung völlig unterschiedliche Wirkungen erzielen. Beim Blättern leuchten ihre Augen und dennoch seufzt sie, dass ihr „die Zeichnung fehlt“. Eine Künstlerin sei sie noch lange nicht, lediglich eine Malerin.

Zu viel Bescheidenheit: In Warnemünde, das ihr eine zweite Heimat ist und wo sie mittlerweile ebenfalls über ein Atelier verfügt, zeigt sie erstmals einen Zwischenstand ihrer farbigen Bildwelt in einer Ausstellung. „Ein Freund hat mich dazu gedrängt“, kokettiert sie etwas schüchtern. Der tat gut daran, Theresa Fritz in die Öffentlichkeit zu schubsen. Denn ihre Arbeiten in Öl, Aquarell, Aycryl, Pastell oder auch Linoldruck gefallen. Das erhaltene Feedback verstärke ihre im Studium gewonnene „neue Sicherheit“. Sie wisse jetzt deutlicher, wo sie stehe: „Ich weiß aber auch, was fehlt.“

Dem Publikum fehlt weniger, ihre Ausstellung wurde verlängert. Neben einem Katalog entstand ein Kalender als ein attraktiver Begleiter für das Jahr 2015. Die farbenfrohen Bilder illustrieren auch ein Motto der zurückhaltenden Malerin: „Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss. Da kann man ruhig drin leben.“
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Der Kalender ist erhältlich in der Buchhandlung Bücher Känguruh, im Wenzel-Hablik-Museum, bei KreativPlus sowie über die Internetseite www.theresa-fritz.de.


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