Aktion fürs Tierwohl : Mahnwache vor größtem Schlachthof in SH: „Dem Essen ein Gesicht geben“

Animal-Save-Aktivisten  halten den Fahrern der Tiertransporte ihre Transparente entgegen.
Animal-Save-Aktivisten halten den Fahrern der Tiertransporte ihre Transparente entgegen.

Transparente, Fotos und Dialoge: Tierschützer von Animal Save versammelten sich vor dem Schlachtbetrieb in Kellinghusen.

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30. August 2018, 14:39 Uhr

Kellinghusen | „Zeigt Mitgefühl“ – „Kein Hass den Fahrern“: 20 Mitglieder der Kieler und Lübecker Gruppe von „Animal Save“ hielten Mittwochmorgen den Fahrern der Tiertransporte am Schlachthof Kellinghusen ihre Transparente entgegen. „Wir wollen Schweinen in ihren letzte Momenten zur Seite stehen“, begründet Dilara Yilmaz die friedliche Aktion.

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Einige Fahrer fuhren durch, andere ließen sich auf einen kurzen Stopp ein. Während die Aktivisten ihnen die Beweggründe der Aktion erklärten, fotografierten und filmten andere Gruppenmitglieder die angelieferten Schweine. Die Filme und Fotos werden danach in den sozialen Netzwerken verbreitet. Den Animal Save-Gruppen gehe es darum, das Leid der Tiere zu dokumentieren und sichtbar zu machen und dadurch letztendlich eine Bewusstseinsänderung bei den Verbrauchern zu erreichen.

Gesetztliche Grundlagen für den Tiertransport in der EU

Grundlage der Kontrollen von Tiertransporten ist die Verordnung (EG) Nr. 1/2005 des Rates vom 22. Dezember 2004 über den Schutz von Tieren beim Transport und damit zusammenhängenden Vorgängen. Diese Verordnung (VO) gilt für Transporte von Wirbeltieren, die in Verbindung mit einer wirtschaftlichen Tätigkeit durchgeführt werden.

Transportunternehmer müssen von der zuständigen Behörde des Mitgliedstaates (in SH sind das die Veterinärbehörden der jeweiligen Kreise und kreisfreien Städte) eine Zulassung beantragen und einen Befähigungsnachweis vorlegen, sofern ihre Transporte 65 Kilometer überschreiten. Die Zulassung ist auf fünf Jahre befristet.

Grundsätzlich muss bei der Feststellung der Transportart geklärt werden, ob es sich um eine Beförderung mit einer wirtschaftlichen Tätigkeit handelt, ob eine Beförderung bis oder über acht Stunden vorliegt und ob es sich um einen Transport von Schlachttieren handelt.

Für den Transport durch Landwirte (sofern eigene landwirtschaftliche Fahrzeuge benutzt werden und die Transportstrecke weniger als 50 Kilometer beträgt) gelten nur die allgemeinen Bedingungen nach Artikel 3 der VO Nr. 1/2005, d.h. eine Tier darf nur befördert werden, wenn es nicht verletzt ist und keine unnötigen Leiden durch den Transport zugefügt werden.

Transporte unter acht Stunden können in geeigneten Fahrzeugen durchgeführt werden und benötigen nur Dokumentationen wie allgemeine Angaben zu Herkunft und Eigentümer der Tiere, Versandort, Tag und Uhrzeit des Beginns der Beförderung, Bestimmungsort und voraussichtliche Dauer der Beförderung.

Für lange Beförderungen (Transporte über acht Stunden) dürfen nur Fahrzeuge eingesetzt werden, die nach vorheriger technischer Prüfung von der Veterinärbehörde für den Langstreckentransport zugelassen wurden.

Grundsätzlich unterscheidet sich der Kontrollumfang zwischen kurzen und langen Beförderungen. Während für die Abfertigung von kurzen Transporten die Kontrolle des Transportmittels und die Überwachung des Verladevorgangs nicht zwingend vorgeschrieben sind, ergibt sich aus den Vorschriften der VO Nr. 1/2005, Art. 14 u.15 sowie Anhang II „Fahrtenbuch“ eine Anwesenheits- und Überwachungspflicht des Amtstierarztes während des Verladevorgangs bei langen Beförderungen bzw. eine Überprüfung der Transportfähigkeit und Gesundheit der Tiere vor der Abfahrt.

Die Verordnung enthält genaue Beschreibungen der Allgemeinen Transportbedingungen, Bestimmungen über den Transport von Jungtieren, Anforderungen an die Transportmittel, die Transportpapiere, die Dauer der Beförderung und die zusätzlichen Anforderungen für lange Beförderungen.

 

„Wir geben dem Essen ein Gesicht“, nennt dies die Kieler Studentin Dilara Yilmaz. Wichtig ist den Gruppen, dass der Protest stets friedlich und im legalen Rahmen bleibt. Deshalb könnten die Fahrer auch selbst entscheiden, ob sie „für zwei Minuten stehen bleiben“. Einige ließen sich auch auf Gespräche ein, die meisten begegneten ihnen freundlich, sagt Dilara Yilmaz. Und die Proteste richteten sich ja auch nicht gegen die Fahrer. „Wir hassen sie nicht und wir denken auch nicht, dass sie schlechte Menschen sind.“ Kellinghusen als Ziel für ihre Mahnwache hätte sich die Gruppe ausgesucht, weil hier der größte Schlachtbetrieb des Landes stehe.

Die Save-Bewegung wurde 2010 in Kanada gegründet, mittlerweile gibt es weltweit 200 Gruppen. Save-Aktivisten positionieren sich vor Schlachthäusern, Tiermärkten oder -Auktionen und halten Mahnwachen ab.

Tiertransporte aus SH

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