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Norddeutsche Rundschau

18. Oktober 2017 | 09:58 Uhr

london quartet : Magische Sangeskunst

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

„The London Quartet“ begeistert im theater itzehoe mit perfektem Zusammenklang und feinen Zwischentönen.

shz.de von
erstellt am 13.Dez.2013 | 05:00 Uhr

Eigentlich weiß man, wenn man ergriffen ist, gar nicht so genau, was dieses Ergriffensein auslöst. Es liegt in dessen Wesen, sich dem reflektierenden Zugang zu verweigern. Wie also darüber schreiben, was sich im Weihnachtskonzert des britischen A-cappella-Ensembles „The London Quartet“ mehr als einmal abspielte? Gleich im einleitenden volkstümlichen „Gaudete“, einem Arrangement des Quartetts aus dem böhmischen „Jistebnice Cantional“ (1420) und den „Piae Cantiones“ (1582), klang diese nach innen gehende Freude an, die sich über den nach der Pause gesungenen „Coventry Carol“ fortsetzte und seinen Höhepunkt in dem flämischen Choral fand, den der Tenor Steven Brooks solo in der Zugabe sang. Von den vier Gesangstars, übrigens zum zweiten Mal in Itzehoe, geht eine magische Wirkung aus.

Liegt es an der Kunst des Singens? Die Vier beherrschen die Kunst des sehr leisen Tons, die Kunst der leichtesten Verzögerung und der stimmlich feinsten Variation. Da stimmen eben nicht nur die Töne, sondern auch die Zwischentöne. Gerade in den Arrangements, in denen die Vier ihre Stimmen wie in einer Fuge auseinander- und wieder zueinander bewegen, wird die gekonnte Phrasierung deutlich. Ihr Zusammenklang mit Bass (Michael Steffan), Bariton (Mark Fleming), Tenor (Steven Brooks) und Countertenor (Richard Bryan) wirkt fabulös, so dass sie mit ihrer irrwitzigen „Penny Lane“-Adaption nicht zu Unrecht auf die Beatles anspielen dürfen.

Liegt es an der Auswahl der Lieder? Französische Traditionals, amerikanische Weihnachtszeit-Hits und hier unbekannte volkstümliche Arrangements von der Insel gestalten den eher ernsten Sektor des Programms. Witzig entwickelt sich das Konzert in den kabarettistischen Intermezzi. Als Beispiel sei Bert Kaempferts „Strangers In The Night“ zitiert, das sie als Tonwiedergabe eines defekten Plattenspielers inszenieren. Die Mixtur hat Geist.

An den üblichen Orten ihrer Auftritte wie London, New York, Wien gemessen, bildet Itzehoe eine ungewöhnliche Ausnahme. Irgendetwas muss die „Fab Four“ an „Issehö“ faszinieren, dass sie gern wieder in das Theater gekommen sind. Bestimmt nicht, dass ihre Konzerte hier nicht ausverkauft sind.



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