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Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 01:51 Uhr

SOZIALGERICHT : Märchenhafter Umzug

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Justizministerin weiht Gebäude am Lornsenplatz offiziell ein. Eine Million Euro in Umbau investiert.

von
erstellt am 06.Mai.2014 | 05:00 Uhr

Im Jahr 2009 schrieb Direktor Frank Knoblich die erste Raumbedarfsanzeige für das Itzehoer Sozialgericht – gestern endlich wurde sein Wunsch Wirklichkeit: Der neue Sitz des Gerichts am Lornsenplatz 1 wurde feierlich eingeweiht. Bis es soweit war, mussten Knoblich, Geschäftsleiterin Doris Michels und die Mitarbeiter viele Provisorien und Rückschläge erdulden. Sie teilten sich Gebäude mit dem Amtsgericht, saßen in Containern, warteten länger als geplant, bis das Jobcenter endlich auszog und steckten Verzögerungen beim Umbau weg.

„Ein altes Gebäude birgt Überraschungen“, erklärte Hans-Adolf Bilzhause, Geschäftsführer der Gebäudemanagement Schleswig-Holstein. So lag ein Fundament des denkmalgeschützten Baus, das früher auch schon als Finanzamt gedient hatte, genau dort, wo eigentlich der Aufzugschacht sein sollte, und im Dachgeschoss fehlten ganze Wände, so dass zusätzliche Holzträger eingezogen werden mussten. Überhaupt musste, anders als ursprünglich geplant, das ganze Dachgeschoss zusätzlich in die Planungen mit aufgenommen werden. Doch nun haben die knapp 40 Mitarbeiter Platz auf vier Etagen. Allen stehen eigene Büroräume zur Verfügung. Es gibt drei Sitzungssäle und ausreichend Platz für Akten, Archiv und Bibliothek sowie für Besprechungen. Das Erdgeschoss ist komplett barrierefrei, der Eingangsbereich mit einer Sicherheitsschleuse ausgestattet. Insgesamt wurde rund eine Million Euro investiert.

„Schwamm drüber“, lautete denn auch das Fazit von Knoblich, als er gestern den Schlüssel von Justizministerin Anke Spoorendonk entgegen nahm. Dieser symbolisiere nicht nur den Schritt „in eine sehr viel kommodere Zukunft, sondern auch das Ende all dessen, was wir in den letzten fünf Jahren im alten Gebäude und drum herum so erlebt haben“.

Im neuen Gebäude seien alle „überglücklich“, was nicht zuletzt an Doris Michels liege, „die das Gericht lebt“. Oft sei es darum gegangen, die Schnittstelle zwischen praktisch, finanzierbar und hübsch zu finden. Doch nun habe das Gericht ein würdiges Zuhause gefunden. „Es ist ein abgeschlossenes Ganzes, kein Zweckbau. Deshalb passt es so gut zu uns: Es ist eine Einheit, die gewachsen ist – genau wie wir.“

Umziehen sei immer auch ein bisschen wie verreisen, sagte Anke Spoorendonk. Und für die Mitarbeiter des Sozialgerichts sei es zeitweise eine Reise ins Ungewisse gewesen. Der Umzug sei ein Kraftakt gewesen, das zeige schon eine einzige Zahl: Mehr als 600 Kartons Akten mussten geschleppt werden.

Die beengten Verhältnisse seien kein Zustand mehr gewesen, sagte die Ministerin. Sie bewundere die Geduld, mit der die Mitarbeiter die Rahmenbedingungen ertragen haben. „Das spricht nicht nur für ihre hohe Widerstandsfähigkeit, sondern auch für ein gutes, kollegiales Betriebsklima.“

Das Sozialgericht sei die Nahtstelle zwischen Rechts- und Sozialstaat, die Tätigkeit dort immer auch ein Spiegel der Gesellschaft, sagte Spoorendonk. So seien es in den 50-er Jahren vor allem um Kriegsentschädigungen gegangen, während heute „Hartz-IV-Verfahren“ im Mittelpunkt stehen. Die Verfahrensflut in dem Bereich hat auch dazu geführt, dass statt der einstmals fünf inzwischen 14 Richter am Itzehoer Sozialgericht arbeiten. Die Sozialgerichtsbarkeit sei heute die größte Fachgerichtsbarkeit in Schleswig-Holstein. Alle Sozialgerichte – neben Itzehoe sitzen diese in Kiel, Lübeck und Schleswig – brauchten neue Liegenschaften, Itzehoe sei das letzte, das nun in ein größeres Gebäude zog.

Und in dem sei es schon immer „um Taler“ gegangen, „entweder um das Einsammeln oder Ausgeben“, meinte Dr. Christine Fuchsloch, Präsidentin des Schleswig-Holsteinischen Landessozialgerichts, die ihr Grußwort als Märchen um „Prinzessin Doris und Prinz Frank“ verpackte. Diese lebten „ruhig und zufrieden“ in der Bergstraße, bis ihre einst kleine Kinderschar wuchs. Nach langem Suchen nach einer neuen Bleibe seien sie schließlich in einem „wunderschönen kleinen Schlösschen“ am Lornsenplatz untergekommen. „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann richten sie noch heute.“

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